Cameron Carpenter in Waiblingen Gastspiel eines „Orgelrebellen“

Von anc 

Nikolai Tokarev und Martin Stadtfeld – die beiden Starpianisten geben sich im Waiblinger Bürgerzentrum die Ehre. Außerdem erwartet das Publikum ein junger „Orgelrebell“ mit Irokesenfrisur: der Organist Cameron Carpenter.

Cameron Carpenter kommt ins Bürgerzentrum. Foto: Stadt Waiblingen/Thomas Grube
Cameron Carpenter kommt ins Bürgerzentrum.Foto: Stadt Waiblingen/Thomas Grube

Waiblingen - Dieser junge Mann mit dem Irokesenkamm auf dem Haupt würde gut als Bassist in eine Punkband passen. Doch der 1981 geborene Cameron Carpenter spielt Orgel – ja, tatsächlich. Für seine Tourneen hat er sich eigens ein millionenteures, transportables Instrument im Riesenformat bauen lassen. Das hat Carpenter im Gepäck, wenn er, den der Waiblinger Kulturamtsleiter Thomas Vuk als „eine Mischung zwischen Punk, Genie und Wahnsinn“ bezeichnet, im Mai 2017 im Bürgerzentrum Waiblingen auftritt. Der Star am Orgelhimmel kommt mit einem gediegenen Orchester, der Londoner Academy of Saint Martin in the Fields. Und er ist den Machern des Kulturprogramms im Bürgerzentrum quasi in den Schoß gefallen: „Das Management ist auf uns zugekommen“, erzählt Thomas Vuk.

Zwei Top-Pianisten im Bürgerzentrum

In der Konzert- und Theatersaison 2016/2017 geben dem Bürgerzentrum außerdem zwei Klavierspieler die Ehre, die laut Vuk zu den zehn besten dieser Welt gehören: Nikolai Tokarev und Martin Stadtfeld. Tokarev tritt im Januar 2017 mit einem Programm auf, das Ohren und Augen anspricht und dessen ungewöhnliches Motto „Klang sehen – Farbe hören“ ist. Der 1983 geborene Nikolai Tokarev spielt Mussorgskis Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Parallel dazu, so erzählt Jennifer Lindenberger vom Kulturamt, schweben beim Konzert Bilder von Wassily Kandinsky über die Bühne.

Martin Stadtfeld, der zweite Spitzenpianist, kommt im November nach Waiblingen. Er tritt mit der Schauspielerin Iris Berben auf, die Gedichte der jüdischen Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger zitiert. Die Lyrikerin ist mit 18 Jahren in einem Zwangsarbeiterlager gestorben. Ihre Werke bezeichnet Jennifer Lindenberger als lebensbejahend und voller Hoffnung. Leichte Kost sei der Abend, der im Rahmen der Reihe „Literatur plus“ läuft, natürlich dennoch nicht – aber eine konsequente Fortführung des Wegs, den man schon vor einigen Jahren eingeschlagen habe. Dessen Ziel sei, im Programm auch schwierige Geschichte zu reflektieren.

Mit Katja Riemann gastiert eine weitere bekannte Schauspielerin in Waiblingen. Im Januar 2017 liest sie aus Jostein Gaarders Erfolgsbuch „Sophies Welt“, in dem der Norweger das Mädchen Sophie und die Leser auf eine Reise durch die Geschichte der Philosophie mitnimmt. Bei dieser Lesung mit Musik liefert ein Discjockey „Soundinstallationen“ zur Literatur.

Weimarer Klassik mit ein bisschen Monty Python

„Mit Lesungen in interessanten Kombinationen wollen wir auch ein jüngeres Publikum ansprechen“, sagt Jennifer Lindenberger. Dieses dürfte sich auch dafür interessieren, dass in der Saison 2016/2017 ein Abiturthema, nämlich Goethes „Faust“, auf der Büze-Bühne zu sehen ist. Zum einen eine klassische Inszenierung des „Faust I“, zum anderen „Faust II“ als Musicalfassung „Doctor Faustus Magical Circus“. Die Version sei „etwas zwischen der ,Rocky Horror Picture Show‘, Weimarer Klassik und Monty Python“, so Lindenberger.

Ein bisschen anders – das trifft auch auf den Theaterabend zu, der die Zuschauer im Dezember 2016 beim Auftritt des Berliner Ballhaus-Theaters erwartet. Schon der Titel des Stücks dürfte den ein oder anderen stolpern lassen. Er lautet schlicht: „Vorhaut“. Der Untertitel: „Eine abgründige Farce über Beschneidung.“ Das Stück spielt auf einer Geburtsstation, wo die hochschwangere Ela und ihre zwei Brüder sowie ihr Mann – ein Moslem, ein Jude und ein Christ – sich am Wochenbett darüber streiten, ob der neue Erdenbürger beschnitten werden soll oder nicht. „Sehr überspitzt, bitterböse und sehr witzig“, so beschreibt Thomas Vuk das Stück. „Vorurteile und Stereotypen fliegen einem da um die Ohren.“ Das Bürgerzentrums-Team habe lange überlegt, ob man „Vorhaut“ tatsächlich ins Programm nehmen solle, sei aber zum Schluss gekommen, dass diese Entscheidung richtig sei. Das Motto, sagt Thomas Vuk, sei „Lachen gegen die Angst“.

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