Stadtkind Stuttgart

Campuskind - Die Studenten-Kolumne Zwischen Gedrängel und Warterei

Von Wiebke Wetschera 

Gestern Abend hieß es endlich wieder: Nachtflohmarkt in den Wagenhallen. Unser Campuskind war mitten im Getummel dabei - dem Recycling zuliebe.

 Foto: Wiebke Wetschera
Foto: Wiebke Wetschera

Ich bin jemand von der Sorte ungeduldig. Ich hasse warten, egal ob es auf ein bestimmtes Ereignis oder nur an der Kasse im Supermarkt ist. Wobei es im Supermarkt wahrscheinlich niemand wirklich leiden kann. Aber ich kann es nie ab. Deswegen gehe ich auch lieber früher irgendwo hin, um nicht mitten im Ansturm der Menschen zu sein. Aber wenn man zum Nachtflohmarkt geht, dann ist immer Ansturm. Und wenn ich immer sage, dann meine ich das auch so.

Das ganz besondere Shopping-Erlebnis

Es ist 19 Uhr, der Flohmarkt läuft bereits eine Stunde, als wir am Eckartshaldenweg aussteigen. Der erste Ansturm vor den Wagenhallen dürfte verflogen sein, denke wir uns. Aber Pustekuchen! Die Schlange verspricht einiges an Wartezeit. Gut, dass Frauen sich immer etwas zu erzählen haben. Also hier ein Pläuschchen über lustige Dinge und dann noch eins über Männer. Erstaunlich schnell – zur Freude meinerseits – haben wir dann den Eingang zum Flohmarkt erreicht.

Ich hasse warten. Und wisst ihr, was ich auch hasse? Gedrängel. Der Nachtflohmarkt bringt beides in einer Premium-Version mit sich. Aber ich habe mir das ja freiwillig angetan. Genauso, wie ich es mir auch für jedes Konzert wieder antue. Und jedes Mal frage ich mich: WIESOOOOO? Das ist wie in den Hollywood-Filmen, wo der eine zum anderen sagt „Das? Niemals!“, dann ein Schnitt. Und in der nächsten Szene tun die beiden genau das. Niemals mehr warten, niemals mehr mitten im Gedrängel. Und – Schnitt – ich bin auf dem Nachtflohmarkt.

Recycling für die Seele

Aber mal ehrlich, es kommen ja nur so viele Menschen dorthin, weil es so cool ist. Abgesehen von vielen Kleidungsstücken, bei denen man genau sieht, weshalb sie auf einem Flohmarkt landen, gibt es wirklich viele schöne Sachen und vor allem zu Schnäppchenpreisen. Und das schönste ist, dieser etwas andere Recycling-Gedanke. Jede Frau hat tausend Sachen in ihrem Kleiderschrank, die sie aus irgendeinem Grund nicht trägt. Oh ja, das habe ich gekauft aber noch nie angehabt. Nee, das passt irgendwie nicht mehr zu meinem Style. Das trägt so auf. Das ist zu kurz, das ist zu lang, das ist zu hell, das ist zu dunkel. Ich habe keine Gelegenheit das anzuziehen. Und und und. Aber das muss ja nicht automatisch bedeuten, dass es nicht jemand anderen geben kann, dem genau das Oberteil noch gefehlt hat. Im Gegenteil!

Ich entdecke ein paar Teile, die in meinem Schrank auf jeden Fall sehnlichst vermisst wurden. Und im Hinterkopf denke ich an den großen Sack hinter meinem Bett. Voller Klamotten, die ich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr anziehe. Vielleicht würde sich daran ja auch jemand erfreuen. Nächstes Mal sollte ich hinter dem Tisch sitzen. Dann wären auch das Problem Gedrängel und Warterei gelöst. Ich liebe gelöste Probleme!