Krimikolumne

Chris Pavone: Der Informant In bester Hitchcock-Manier

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Der US-Autor Chris Pavone hat mit „Der Informant“ einen gelungenen Thriller vorgelegt, der ebenso spannend wie vergnüglich zu lesen ist.

Chris Pavone hat eine vergnügliche Agentenhatz rund um die Welt verfasst. Foto: Nina Subin
Chris Pavone hat eine vergnügliche Agentenhatz rund um die Welt verfasst. Foto: Nina Subin

New York - Eine traumhaft schöne Australierin, die in exotischer, südamerikanischer Kulisse nur Augen für ihn hat und sich als willige Geliebte erweist: Wie es sich für einen richtigen Mann gehört, erscheint dieses Szenario dem amerikanischen Reisejournalisten Will Rhodes vollkommen schlüssig. Wills Hirn erreicht zwar kurz der leise Zweifel, dass hinter dem Liebeswerben der schönen Frau mehr stecken könnte, doch die oberen Stockwerke sind da bei ihm schon längst nicht mehr ausreichend durchblutet.

Eine Liebesnacht später allerdings steckt Will Rhodes mitten im Schlamassel: Die schöne Australierin Elle Hardwick erweist sich als kaltschnäuzige CIA-Agentin, die ihrem Eben-noch-Liebhaber erst einmal die Fresse poliert, bevor sie ihm ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann: Entweder wird er Informant der CIA oder Wills Ehefrau Chloe erfährt in allen filmischen Details vom Fehltritt ihres liebestollen Gatten.

Weil der sinistre Geheimdienst sein Angebot mit einer substanziellen finanziellen Apanage verbindet, sagt Will Rhodes zu. Als Reisejournalist des hoch angesehenen und traditionsreichen New Yorker Magazins Travelers, der von diversen Anbietern in aller Herren Länder umgarnt wird, hat sich Will schon lange einen Lebensstil zugelegt, der dringend einer regelmäßigen Finanzspritze bedarf.

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Deshalb hört der Journalist nun auf seinen Reisen ein bisschen genauer hin und macht Fotos auf Partys, die ihn bisher nicht interessiert haben. Allerdings läuft das Arrangement alsbald aus dem Ruder und Will Rhodes gerät immer mehr in ein undurchdringliches Geflecht aus Intrigen und gefährlichen Geheimnissen. Um die Wahrheit herauszufinden, jagt er um den halben Globus, um dann festzustellen, dass die tödliche Gefahr womöglich im eigenen Ehebett drohen könnte. Denn auch Wills Ehefrau Chloe hat ihre Geheimnisse.

Der New Yorker Schriftsteller Chris Pavone hat mit „Der Informant“ seinen dritten Roman vorgelegt, den der Leser, einmal begonnen, nur noch selten beiseite legen wird. Pavone hat in bester Hitchcock-Manier eine Camouflage-Story verfasst, die an Filmklassiker wie „Der unsichtbare Dritte“ oder „Eine Dame verschwindet“ erinnert. Ein harmloser, bisweilen sogar leicht trotteliger Amateur gerät in ein abstruses Spiel der Geheimdienste und schlägt sich am Ende besser als erwartet. Souverän, humorvoll und mit ständig wechselnden Erzählsträngen treibt Pavone seine Story auf das Finale zu. Prädikat: uneingeschränkte Leseempfehlung.

Chris Pavone: Der Informant. Penguin Verlag München 2017. Paperback, 576 Seiten. Auch als E-Book, 4,99 Euro.