CSD in Stuttgart Tausende gehen bei Parade auf die Straße

Von SIR/dpa 

Rund 4500 Schwule, Lesben und Transsexuelle gingen unter dem Motto „Akzeptanz! Was sonst?“ für eine vollständige rechtliche Gleichstellung mit Heterosexuellen auf die Straße.

Auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn war beim Christopher Street Day in Stuttgart mit dabei. Foto: www.7aktuell.de | 68 Bilder
Auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn war beim Christopher Street Day in Stuttgart mit dabei.Foto: www.7aktuell.de |

Stuttgart - Farbenfroh und gutgelaunt haben am Samstag auf der Politparade des Christopher Street Days (CSD) in Stuttgart Tausende Schwule, Lesben und Transsexuelle für die Gleichberechtigung mit Heterosexuellen demonstriert. Unter dem Motto „Akzeptanz? Was sonst!“ forderten sie vor allem die Öffnung der Ehe und das volle Adoptionsrecht für Schwulen und Lesben. Rund 4500 Menschen zogen nach Angaben des Veranstalters und der Polizei durch die Innenstadt - deutlich mehr als erwartet.

Der Streit um den Bildungsplan und den Aktionsplan der grün-roten Landesregierung mobilisiere die Bewegung, sagte Christoph Michl vom Vorstand der Interessengemeinschaft CSD Stuttgart. Rund 200 000 Zuschauer kamen laut Polizei und Veranstalter zu der Parade. Vergangenes Jahr waren es rund 220 000 gewesen.
Mit Sprüchen, wie „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte“ und „Homophobie ist voll schwul“, aber auch Kostümen mit Engelsflügeln und Lackstiefeln warben die Teilnehmer für ihre Forderungen. In einer Bimmelbahn fuhren erstmals Regenbogenfamilien mit - Schwule und Lesben mit ihren Kindern. Bisher können homosexuelle Paare nicht gemeinsam ein Kind adoptieren.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland geht davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Bevölkerung schwul oder lesbisch sind. Das wären in Baden-Württemberg mehr als eine Million Menschen.

In der bundesweiten Debatte um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften hatte der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid die Union vor der Veranstaltung erneut attackiert. „Es ist eine Schande, dass die CDU einer ganzen Bevölkerungsgruppe weiterhin ihre vollen bürgerlichen Rechte verweigert, nur weil sie sich weigert, im 21. Jahrhundert anzukommen“, sagte Schmid, der mit seiner Frau Tülay bei der Parade mitlief. Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) war als Schirmherr der Veranstaltung mit seiner Frau Waltraud Ulshöfer mit dabei.

Nach dem deutlichen Votum der Iren für eine Öffnung der Ehe und der Entscheidung des Supreme Court in den USA für das Eherecht für Schwule und Lesben verspüren die Befürworter auch in Deutschland Rückenwind. Der Berliner Landesverband der CDU stimmte am Freitag allerdings mehrheitlich gegen eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle und schloss sich damit der Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Mancher in der Szene nutzt die Regierungschefin trotzdem ironisch für seine Zwecke: Ein neues Lesben-Magazin aus Berlin wirbt in einem Video-Clip derzeit mit einem Merkel-Double für sich.

Die Debatte um den Bildungsplan von Grün-Rot treibt nicht nur die Gegner nach wie vor um, wie beispielsweise das Schild „Demo für alle? Ehe für alle!“ der Grünen Jugend zeigte. Im kommenden Jahr soll der neue Bildungsplan in Kraft treten und an den Schulen auch für mehr Akzeptanz von sexueller Vielfalt sorgen. Im Juni hatte das Kabinett einen Aktionsplan gegen die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten, etwa in der Arbeitswelt, verabschiedet.

Bereits sechsmal sind die Gegner der Projekte unter dem Motto „Demo für alle“ in Stuttgart auf die Straße gegangen. Sie sehen eine Überbetonung von Interessen einzelner Gruppen.

Der CSD erinnert an die Vorfälle am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street: Nach einer Polizeirazzia in einer Bar kam es damals zum Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen Polizeiwillkür mit Straßenschlachten.

 

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2 KommentareKommentar schreiben

Wessen Akzeptanz?: Freizügigkeit und Freiheit sind überaus wichtig. Diese Begriffe darf man aber nicht überstrapazieren. Leider sind aber die meisten Homosexuelle Anhänger von Grünen oder Linken, weil sie glauben, bei diesen Parteien besser aufgehoben zu sein. Ein Irrtum. Die Linken versuchen auf Biegen und Brechen, alles Bewährte und Traditionelle abzuschaffen. Aber es ist die Natur selber, die die Grenzen setzt. So auch mit der Homo-Ehe. Der ganze Gleichheitsdünkel hat in vielerlei Hinsicht seine Berechtigung, trotzdem können Homosexuelle nicht zu 100% mit Heterosexuellen gleichgesetzt werden. Gleichberechtigung in juristischer, pflegerischer oder erbschaftsrechtlicher Hinsicht sollte auf jeden Fall da sein, ebenso wie die Garantie auf Nicht-Diskriminierung. All dies ist bereits da! Deswegen werden die Menschen mit all den unterschiedlichen sexuellen Orientierungen trotzdem nicht gleich. Dass aus einer homosexuellen Partnerschaft kein Nachwuchs entstehen kann, muss man halt akzeptieren. Daran kann auch das forcierte "politisch Korrekte", die linke Polemik und Propaganda nichts ändern! Der neue grün-neoliberale Irrsinn mit dem politisch korrekten LGBTQI ist oberlächerlich. Es gibt eben nur zwei Geschlechter zu denen man sich hingezogen fühlen kann, nicht sechs. Diese „moderne“ Unterteilung ist bereits in den zwei alten Bezeichnungen enthalten. Was linke Ideologie nicht wahrhaben will, ist, dass die Zulassung von Adoption für gleichgeschlechtliche Paare nicht das Wohl des Kindes fördert, was aber schon im Grundgesetz festgelegt ist. Die optimale Entwicklung eines Kindes erfordert Vater UND Mutter. Man sieht schon die Probleme bei alleinerziehenden Müttern oder Vätern. Dafür ist aber die eingetragene Partnerschaft da, welche juristisch die Gleichstellungsrechte garantiert. Wieso ist das nicht genug??? Die Gesellschaft selber hinkt noch ein bißchen hinterher, aber das ist auch kein Wunder, wenn man sich an solchen Veranstaltungen umsieht. Wenn die meisten ein derart ostentatives und unübersehbares Äußeres zur Schau stellen (viele davon auch im Alltag), dann ist das eine so massive Provokation, dass die Forderung nach Toleranz und Akzeptanz ungerecht und zynisch erscheint. Immer das "Anderssein" hinaushängen, dann aber wieder die Gleichheit einfordern.

Akzeptanz?: Dildoschwingend vom LKW die Innenstadt beschallen, mit nackten Hintern durch die Fussgängerzone und die Hotpants aufgeblasen als hätte man 30cm in der Hose (wie auf manchen Bildern hier zu sehen). Keine ahnung was hier gefördert wird, beim schnöden Schwaben aber wohl kaum Akzeptanz. Mir persönlich ist es völlig egal was jemand in seinen 4 Wänden treibt, noch gleichgültiger mit wem. Ich frage mich jedoch warum bei gleichgeschlechtlichen Paaren jeder im Umkreis von 100m diesen Umstand mitbekommen muss. Who f*cking cares?

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