Deutschland Bad Wörishofen: Wasser marsch!

Von Doris Burger aus Bad Wörishofen 

Pfarrer Sebastian Kneipp war ein Freund deutlicher Worte. Sein Geist weht bis heute durch Bad Wörishofen - und der Kurbetrieb floriert.

Wasser heilt. Foto: Fotolia
Wasser heilt.Foto: Fotolia

Bad Wörishofen - „Das Armbad ist die Tasse Kaffee des Kneippianers“, sagt Stadtführerin Elisabeth Scharf-Kuen, ohne mit der Wimper zu zucken, und erzählt, dass sie und ihre Kolleginnen im Sommer sogar während der Arbeitszeit zum Armbad gehen dürften, um sich solcherart zu erfrischen. Ihre Mutter Edeltraut ist gelernte Bademeisterin und spaziert noch heute mit knapp 80 Jahren jeden Sommertag zu einem der 21 Kneippbecken der Stadt, um im Storchengang Wasser zu treten. Ihr, dem Kind, wurden bei Fieber selbstverständlich Wadenwickel angelegt und bei Halsschmerzen entzündungshemmende Quarkwickel. In Bad Wörishofen trifft man auf Schritt und Tritt auf überzeugte Kneippianer, die schon in der Wiege mit den Lehren des Landpfarrers Sebastian Kneipp vertraut gemacht wurden.

Die Verehrung für den „Helfer der Menschheit“ ist allenthalben zu spüren, nicht nur an den vielen Gedenktafeln und Brunneninschriften. Alles begann 1855, das Dorf lag noch im Winterschlaf. Die Dominikanerinnen durften nach 40 Jahren der Säkularisierung gerade wieder ihren Klosterbetrieb aufnehmen und brauchten einen Beichtvater, der am besten auch Ahnung von Landwirtschaft und Geschäftsführung haben sollte. Da war Pfarrer Sebastian Kneipp die ideale Besetzung: Er war selbst als Sohn eines armen Webers auf dem Land aufgewachsen und hatte sich während seines mühsam erkämpften und finanzierten Theologiestudiums bereits intensiv mit der Landwirtschaft beschäftigt. „Fritz, der fleißige Landwirt“ heißt eine seiner frühen Schriften, und auch ein „Bienenbüchlein“ stammt aus seiner Feder. Erst weit später schrieb er den Bestseller „Meine Wasserkur“ (1886) und auch das Buch: „So sollt ihr leben“ (1889), in dem er die fünf Säulen seiner ganzheitlichen Lehre zusammengefasst hat.

Leiden, von Arthritis bis hin zur Schwermut

Aus dem einstigen Dorf ist ein respektabler Kurort erwachsen, mit Sanatorien und Kurkliniken, mit Hotels, Pensionen, einer belebten Fußgängerzone und zahlreichen Cafés, mit einem mächtigen Kurhaus und einem ausgedehnten Kurpark. Noch zu Lebzeiten Kneipps konnten die örtlichen Gastronomen des Ansturms kaum Herr werden. „Die Wasserkur“ verhalf schon damals zur Genesung unglaublicher Leiden, von Arthritis über Herzkrankheiten bis hin zur Schwermut. Kneipp selbst hatte sich mit kalten Bädern in der Donau von Tuberkulose geheilt. Nicht „weil die Bakterien vor Kälte erschrocken sind,“ wie Dr. Hans-Jörg Ohlert, Chefarzt im traditionsreichen Sebastianeum scherzt, sondern weil er damit sein Immunsystem gestärkt hat, welches dann wiederum mit der Krankheit fertig wurde.

Zum kalten ist bei den heutigen Kuranwendungen das warme Wasser hinzugekommen: Wechselgüsse bis zum Knie oder eine warme Packung mit dem Heusack, danach ein kalter Ganzkörperguss und Nachruhen im Bett. Dazu Massagen und Bäder, Spaziergänge und Ruhephasen - unspektakulär, aber wirksam. Eine ganzheitliche Heilkunst, für jeden individuell zusammengestellt, die auch gesundes Essen und Heilkräuter, Bewegung und die Ordnungstherapie beinhaltet. Letztere erklärt Christiane-Maria Rapp, Geschäftsführerin im Sebastianeum: Gemeint sei damit die Verbindung von Körper und Seele, am besten zu ergründen mit den Fragen: Was tut mir gut? Was gibt mir Kraft? Was erdet mich? Und was nährt meine Seele? Fragen, die sich jede/r stellen sollte - aber nicht erst, wenn es zu einem Burn-out gekommen ist.

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