Böblingen: Carola Stadtmüller (cas)

Immer mehr Frauen werden Mutter, ohne den Vater des Babys an ihrer Seite zu wissen. Viele leben auch nicht mehr in traditionellen Familienverbünden mit Müttern, Schwestern, Tanten. „Frauenwissen“, wie Melanie Schöne das nennt, gehe verloren. Darin sieht die 41-Jährige Gründe, warum die Doula auch in Deutschland an Bedeutung gewinne. Aber auch in der Entwicklung, die Frauen im Berufsleben durchlaufen: Superwoman im Job und als Mutter, Karriere zu machen, sich andauernd mit anderen zu vergleichen, und sich stetig zu optimieren – das funktioniere vielleicht in der Firma, aber nicht bei der Schwangerschaft und der Geburt. „Wir modernen Menschen verlassen uns immer weniger auf unsere Intuition“, sagt Schöne. Sie will den Schwangeren wieder mehr „Bauchgefühl“ vermitteln. Gerade das brauche eine Gebärende am nötigsten. Sie sieht ihre Arbeit nicht in Konkurrenz zur Hebamme. Gerade dieser Berufsstand habe hart zu kämpfen. Von Juli an stehen die Hebammen erneut ohne Haftpflichtversicherung da – ein faktisches Berufsverbot.

 

„Da schlagen in meiner Brust zwei Herzen“, sagt Jutta Eichenauer, die Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. Als Fachfrau für Schwangerschaft und Geburt, die für Mütter und ihre Babys das Beste wolle, habe sie überhaupt nichts gegen eine Doula. Doch sie sieht die große Gefahr, dass sich die Politik noch mehr aus der Finanzierung einer individuellen Geburtsbegleitung zurückzieht, wenn sie wahrnimmt, dass es Angebote gibt, die zwar nicht als Ersatz für die Hebammenarbeit dienen können, aber vielleicht so deklariert werden. Das schade letztlich nicht nur dem Hebammenberuf, sondern vor allem den Schwangeren. „Nur Frauen, die sich einen solchen Dienst leisten können, kämen dann wenigstens in den Genuss einer Eins-zu-eins-Begleitung durch eine Doula, die nicht gleichzusetzen ist mit einer Eins-zu-eins Betreuung durch eine Hebamme. Und dass wäre der falsche Weg.“

In Stutensee bei Karlsruhe sitzen sich die erfahrene und die werdende Mutter am Esstisch der Familie Schöne gegenüber. Tee dampft aus Tassen. Sandra Schmidt hat einen kleinen Kaffee genossen, keine volle Tasse und viel Milch obendrauf. Die beiden Frauen unterhalten sich wie Freundinnen, die sich ewig kennen, obwohl es erst das dritte Treffen ist. Die Begegnungen dauern meist zwei, drei Stunden. Etwas von der Magie einer Schwangerschaft scheint die Frauen von Anfang an verbunden zu haben.

„Wir gebären noch wie in der Steinzeit“

„Wir gebären auch heute noch wie in der Steinzeit. Alles, was vom Kopf ausgeht, stört den Geburtsvorgang“, sagt Melanie Schöne. Also am besten: kein helles Licht, keine lauten Stimmen, keine Fremden, nicht reden oder denken müssen. „Man muss sich das vorstellen wie beim Sex – all das, was man dabei nicht will, stört auch bei einer Geburt.“ Melanie Schöne ist keine Frau, die jede Geburt in eine Höhle verlegen will. Aber die Atmosphäre in einem Krankenhaus, wo eben die meisten Kinder zur Welt kämen, sei nun mal stark geprägt von vielen störenden Faktoren. Eine einzige Vertraute, die nicht von der Seite der Gebärenden weiche, die sie bemuttere im besten aller Sinne, könne da viel Gutes bewirken. „Und selbst ein Kaiserschnitt, sollte er nötig werden, kann dann zu einem guten Geburtserlebnis für die Mutter werden.“

Das Geburtserlebnis ist das Hauptthema. „Diese Eindrücke bleiben. Wenn sich ältere Frauen treffen, können sie manchmal nicht mehr sagen, was sie gerade zum Frühstück gegessen haben. Aber jede erinnert sich noch genau an die Geburten ihrer Kinder“, sagt Melanie Schöne. Sie will den Frauen bedingungslos zur Seite stehen und ihnen sagen, dass sie in diesen Momenten, die durchaus irgendwo zwischen Leben und Tod seien, „etwas Großartiges vollbringen“. Traum und Trauma könnten wohl nicht näher beieinanderliegen.

Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verankert in einem Leitfaden für Frauengesundheit das Berufsbild der Doula. Auch dort liegt die Bedeutung vor allem in der Tatsache, dass die Gebärende von einer einzigen Person und dauerhaft begleitet wird. Die Rede ist von „Beistand bei der Geburt durch eine einzige Person, einer Doula, Hebamme oder Krankenschwester“, der zeige, dass die dauerhafte mpathische und physische Unterstützung während der Geburt viele Vorteile mit sich bringe, etwa eine kürzere Geburtsdauer, einen signifikant geringeren Medikamentenverbrauch, weniger Rückenmarksbetäubungen und weniger Apgarwerte unter 7 (ein Punkteschema, mit dem der klinische Zustand von Neugeborenen standardisiert wird; je näher an zehn, desto besser) sowie weniger operative Entbindungen.

Frauenwissen geht verloren

Immer mehr Frauen werden Mutter, ohne den Vater des Babys an ihrer Seite zu wissen. Viele leben auch nicht mehr in traditionellen Familienverbünden mit Müttern, Schwestern, Tanten. „Frauenwissen“, wie Melanie Schöne das nennt, gehe verloren. Darin sieht die 41-Jährige Gründe, warum die Doula auch in Deutschland an Bedeutung gewinne. Aber auch in der Entwicklung, die Frauen im Berufsleben durchlaufen: Superwoman im Job und als Mutter, Karriere zu machen, sich andauernd mit anderen zu vergleichen, und sich stetig zu optimieren – das funktioniere vielleicht in der Firma, aber nicht bei der Schwangerschaft und der Geburt. „Wir modernen Menschen verlassen uns immer weniger auf unsere Intuition“, sagt Schöne. Sie will den Schwangeren wieder mehr „Bauchgefühl“ vermitteln. Gerade das brauche eine Gebärende am nötigsten. Sie sieht ihre Arbeit nicht in Konkurrenz zur Hebamme. Gerade dieser Berufsstand habe hart zu kämpfen. Von Juli an stehen die Hebammen erneut ohne Haftpflichtversicherung da – ein faktisches Berufsverbot.

„Da schlagen in meiner Brust zwei Herzen“, sagt Jutta Eichenauer, die Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. Als Fachfrau für Schwangerschaft und Geburt, die für Mütter und ihre Babys das Beste wolle, habe sie überhaupt nichts gegen eine Doula. Doch sie sieht die große Gefahr, dass sich die Politik noch mehr aus der Finanzierung einer individuellen Geburtsbegleitung zurückzieht, wenn sie wahrnimmt, dass es Angebote gibt, die zwar nicht als Ersatz für die Hebammenarbeit dienen können, aber vielleicht so deklariert werden. Das schade letztlich nicht nur dem Hebammenberuf, sondern vor allem den Schwangeren. „Nur Frauen, die sich einen solchen Dienst leisten können, kämen dann wenigstens in den Genuss einer Eins-zu-eins-Begleitung durch eine Doula, die nicht gleichzusetzen ist mit einer Eins-zu-eins Betreuung durch eine Hebamme. Und dass wäre der falsche Weg.“

In Stutensee bei Karlsruhe sitzen sich die erfahrene und die werdende Mutter am Esstisch der Familie Schöne gegenüber. Tee dampft aus Tassen. Sandra Schmidt hat einen kleinen Kaffee genossen, keine volle Tasse und viel Milch obendrauf. Die beiden Frauen unterhalten sich wie Freundinnen, die sich ewig kennen, obwohl es erst das dritte Treffen ist. Die Begegnungen dauern meist zwei, drei Stunden. Etwas von der Magie einer Schwangerschaft scheint die Frauen von Anfang an verbunden zu haben.

„Wir gebären noch wie in der Steinzeit“

„Wir gebären auch heute noch wie in der Steinzeit. Alles, was vom Kopf ausgeht, stört den Geburtsvorgang“, sagt Melanie Schöne. Also am besten: kein helles Licht, keine lauten Stimmen, keine Fremden, nicht reden oder denken müssen. „Man muss sich das vorstellen wie beim Sex – all das, was man dabei nicht will, stört auch bei einer Geburt.“ Melanie Schöne ist keine Frau, die jede Geburt in eine Höhle verlegen will. Aber die Atmosphäre in einem Krankenhaus, wo eben die meisten Kinder zur Welt kämen, sei nun mal stark geprägt von vielen störenden Faktoren. Eine einzige Vertraute, die nicht von der Seite der Gebärenden weiche, die sie bemuttere im besten aller Sinne, könne da viel Gutes bewirken. „Und selbst ein Kaiserschnitt, sollte er nötig werden, kann dann zu einem guten Geburtserlebnis für die Mutter werden.“

Das Geburtserlebnis ist das Hauptthema. „Diese Eindrücke bleiben. Wenn sich ältere Frauen treffen, können sie manchmal nicht mehr sagen, was sie gerade zum Frühstück gegessen haben. Aber jede erinnert sich noch genau an die Geburten ihrer Kinder“, sagt Melanie Schöne. Sie will den Frauen bedingungslos zur Seite stehen und ihnen sagen, dass sie in diesen Momenten, die durchaus irgendwo zwischen Leben und Tod seien, „etwas Großartiges vollbringen“. Traum und Trauma könnten wohl nicht näher beieinanderliegen.

„Die Frage muss immer lauten: Geht es Mutter und Kind gut?“, sagt Melanie Schöne. Würden diese beiden Fragen mit einem Ja beantwortet, gebe es keinen vernünftigen Grund, eine Geburt zu einem schnelleren Ende zu führen, nur weil der Arzt das sage. „Wenn die Mutter im Zentrum steht und die Verantwortung übernimmt, dann soll sie auch bestimmen dürfen, was passiert“, fordert die Doula. Sandra Schmidt stutzt. Das sind ernste Fragen. Sie haben so gar nichts Zauberhaftes, Sanftes. Aber auch sie haben einen Platz, wenn sie auch nicht den größten Raum einnehmen sollen.

Die junge Mutter will auf ihren Bauch hören

Derweil haben Sandra Schmidt und Melanie Schöne die Position gewechselt. Die Doula weist der werdenden Mama den Weg durch ein sechs Meter langes Tragetuch. Das gehört zum Angebot wie die darauffolgende Nackenmassage. „Das Tuch sitzt richtig, wenn du ganz einfach das Köpfchen deines Babys küssen kannst“, erklärt Schöne und gibt der Babypuppe im Tuch einen sanften Schmatz. Sandra Schmidt hat ein solches Tuch bereits ein paar Mal in Händen gehabt, wie sie es in ein stabiles Brustsäckchen für ihren Sohn verwandeln soll, ist ihr immer noch ein Rätsel. „Es ist nicht wichtig, ob das nachher schnell geht. Das darf ruhig dauern“, meint die Doula. Und sie müsse jetzt auch kein Tuch bestellen. Sie darf sich Schönes Tücher ausleihen und mit dem kleinen Mann üben, wenn er da ist.

In den vergangenen Monaten hat Sandra Schmidts Kugel einen Umfang von einem runden Meter angenommen. Aber nicht nur äußerlich ist sie gewachsen, das merkt man ihr an. Sie will auf ihren Bauch hören. Eine stolze und starke Mama werden für ihren Sohn. Auf dem Tisch neben den Teetassen liegt eine Postkarte, die ganz von einem Babybauch ausgefüllt ist. Darauf der Spruch: „Wenn die Frau während der Geburt nicht aussieht wie eine Göttin, dann wird sie nicht richtig behandelt.“