Die Evangelische Schulstiftung feiert ihr 175-Jahr-Jubiläum Mit den Mädchen fing alles an

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Die Evangelische Schulstiftung blickt auf ihre 175-jährige Geschichte zurück und feiert ihre Anfänge als privates Töchter-Institut. Heute gehören vier Schulen in drei verschiedenen Schularten zu ihrem Angebot.

Abgangsklasse 1882  – ein Jahr zuvor feierte das Töchter-Institut  das 50-Jahr-Jubiläum. Foto:  
Abgangsklasse 1882 – ein Jahr zuvor feierte das Töchter-Institut das 50-Jahr-Jubiläum.Foto:  

Stuttgart - Der ursprüngliche Gründungsgedanke der Evangelischen Schulstiftung ist noch lebendig: Die Eltern haben Vertrauen in die Kompetenz der Schule. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Mörike-Gymnasiums und seiner Realschule, auf das die Schulleiterin Sonja Spohn stolz sein kann. Wie das Heidehof-Gymnasium und die Johannes-Brenz-Schule wird das „Mörike“ von der Evangelischen Schulstiftung Stuttgart getragen. Vor 175 Jahren ging sie aus einer Privatinitiative von vier Familienvätern hervor, die ihre Töchter vertrauensvoll dem Lehrer Friedrich Weidle anvertrauten. Die Initiative zur Gründung der „Privat-Lehranstalt für Töchter“ hatten die Geschäftsleute Friedrich und Charlotte Reihlein, die den Pädagogen als Hauslehrer für ihre Töchter angestellt hatten. Am 16. März 1841 erhielten sie die Genehmigung für die private Lehranstalt für Mädchen.

Am Donnerstag, 3. März, feiert deshalb die Evangelische Schulstiftung mit einem Festgottesdienst in der Stiftskirche (16.30 Uhr) und einem festlichen Abend im Hospitalhof ihre Ursprünge. Das Programm wird weitgehend von den Schülern der drei Schulen gestaltet – heute besuchen rund 1600 Kinder und Jugendliche die Grundschule, die Realschule und die beiden Gymnasien. Großen Zulauf hatte die private Einrichtung der Reihlens auch schon im 19. Jahrhundert, sodass das Töchter-Institut laufend umziehen musste: Vom Start im Mai 1841 in der Marienstraße 10 mit 49 Schülerinnen ins Geschäftshaus der Reihlens in der Eberhardstraße 1, wo heute das Hochhaus von Breuninger steht, 1856 dann in die Tübinger Straße mit bereits 500 Schülerinnen.

Erst Ende der 1970er Jahre wurde die Schule eine gemischte Schule

Thomas Held vom Stiftungsrat hat sich ausführlich mit der Schulgeschichte beschäftigt und die Entwicklung für die Festschrift dokumentiert. Die Verbindung des Töchter-Instituts zur evangelischen Kirche entwickelte sich erst nach der Amtszeit Weidles. 1873 wurde die „Aktiengesellschaft Evangelisches Töchter-Institut gegründet“, die Schule bezog ihr Gebäude in der Paulinenstraße 30 – im Volksmund der „Lämmerstall“. Das Schulgebäude des Mörike in der Arminstraße wurde 1929 eingeweiht. Der Name Mörike stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus, als die Stadt die Leitung der „Oberschule“ übernahm und sie kurzerhand nach der angrenzenden Mörikestraße benannte. „Mir würde ein weiblicher Name für eine ehemalige Mädchenschule besser gefallen“, bemerkt Sonja Spohn. Erst Ende der 1970er Jahre wurde die Schule eine gemischte Schule.

Die heutige Stiftung, in deren Stiftungrat auch Eltern mit Stimmrecht vertreten sind, geht auf den Neubeginn 1948 zurück, als das Mörike- und das Heidehof-Gymnasium wieder als Privatschulen für Mädchen geführt wurden. „Unser jüngstes Kind ist die Johannes-Brenz-Schule mit ihren reformpädagogischen Ansatz und altersgemischten Lerngruppen“, sagt der Schuldekan und Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung, Hans-Peter Krüger. Die 1991 neu gegründete Grundschule ohne feste Klassen sei ein weiterer Beweis dafür, dass deren Einrichtungen neben dem Bekenntnis zum evangelischen Glauben innovativ und profiliert sind. „Daneben haben wir uns verpflichtet, uns stetig nach den Erfordernissen der Gegenwart neu auszurichten“, zitiert Krüger das Grundsatzprogramm. Sonja Spohn verweist in diesem Zusammenhang auf ihr neuestes Projekt, die Schüler-Medien-Coaches. Sie sollen den Jüngeren den bewussten und kritischen Umgang mit dem Internet lehren.

Bereits in den 1950er Jahren gab es einen Hort und ein Tagheim

Wegweisend in der Schullandschaft sei das Mörike immer gewesen, betont die Rektorin. „Wir hatten schon in den 1950er Jahren einen Hort und ein Tagheim.“ Beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium stehen den Kindern Mentoren aus der achten Klasse zur Seite. Die Schüler zehn Tage lang in einer sozialen Einrichtung mitarbeiten zu lassen, haben auch die staatlichen Schulen übernommen. Vor allem die Gründung der Realschule unter dem Dach des Mörike sieht Sonja Spohn als großen Fortschritt für die im neuen Bildungsplan vom kommendem Schuljahr an postulierte Durchlässigkeit des Systems.