Die Kleine Tierschau „Ohne uns ist Stuttgart halb so schön“

Von Michael Werner 

Am Donnerstag kehrt die Kleine Tierschau zurück auf den Stuttgarter Marienplatz. „Menschen, Tierschau, Sensationen“ heißt das neue Programm von Michael Gaedt und Michael Schulig, die auch dressierte Haushaltsgeräte auftreten lassen wollen.

Vor kurzem in Las Vegas zum Kreativurlaub: die Kleine Tierschau. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie der Show. Foto: Veranstalter 14 Bilder
Vor kurzem in Las Vegas zum Kreativurlaub: die Kleine Tierschau. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie der Show.Foto: Veranstalter
Stuttgart – Im vergangenen Sommer hat Die Kleine Tierschau auf dem Stuttgarter Marienplatz ein Zelt aufgestellt und drinnen ein Musikcomedy-Spektakel veranstaltet. Von Donnerstag an folgt die zweite Auflage – mit Nummern, die im letzten Jahr nicht zu sehen waren.
Herr Gaedt, Herr Schulig, darf man Sie inzwischen als Bierzeltkünstler bezeichnen?
Gaedt Nein, das darf man nicht, und zwar gar nicht. Weil wir nicht in einem Bierzelt auftreten, sondern in einer Zirkusmanege. Zelt ist nicht Zelt.

Aber vor dem Zelt flackern doch Brauereifahnen.
Gaedt Es gibt einen Gastronomen, der die Zeltgäste gastronomisch empfängt. Und dieser Gastronom hängt mit der Brauerei zusammen, mit der wir sonst gemeinsam in Stuttgart ein paar Aktionen machen. Aber das Zelt ist ein eindeutiges Zirkuszelt, und unser Programm ist ein eindeutiges Zirkusprogramm.
Schulig Wir wollen uns sogar ans Trapez hängen – es kommt halt drauf an, in welcher Höhe. Aber auch im Bierzelt für irgendwelche Gesangs- oder Blasmusikvereine haben wir schon jede Menge Auftritte gemacht. Und das ist gut. Das Göckelesfest in Freiberg zum Beispiel. Man kann uns Karussellbremser nennen. Unser Zelt ist übrigens traumhaft. Das hat eine Atmosphäre, die dir ein Schwarzes Loch einfach nicht bieten kann.

Wenn tagsüber die Sonne scheint, ist es in dem Zelt auch abends noch wahnsinnig heiß. Deshalb wollte ich Sie fragen, ob dieser Sauna­effekt . . .
Schulig . . . die Stimmung hebt?
Gaedt In den ersten Jahren haben wir im Theaterhaus damals in Wangen gespielt. Da war die Lüftung so schlecht, dass man mit einem Gartenschlauch das Glasdach nass gemacht hat, damit die Leute nicht kollabieren. Letztes Jahr hatten wir an den heißesten Tagen in unserem Zelt auf dem Marienplatz gerade mal sechzig Grad. Und ich habe die Fotos von mir vor der Premiere im vergangenen Jahr gesehen – und auch die Fotos direkt nach der Premiere: Ich habe während der Premiere sechs bis acht Kilo verloren, und das fand ich einen ganz angenehmen Nebeneffekt.
Schulig Besser, es ist zu heiß, als dass schlechtes Wetter ist. Wenn’s ziemlich regnet, muss man die Anlage wegen dem Getrommele auf dem Zeltdach doch ein bisschen höher drehen – sehr zum Leidwesen der Nachbarn. (lacht)

Nicht alle waren letztes Jahr begeistert darüber, dass die Kleine Tierschau den Marienplatz drei Wochen lang beschallt hat.
Gaedt Zum Ende des Gastspiels habe ich mit sämtlichen Anwohnern und allen Leuten, die sich gestört hätten fühlen könnten, gesprochen. Ich war in zehn verschiedenen Arztpraxen, in Rechtsanwaltskanzleien, ich habe mich in Privatwohnungen zum Kaffee eingeladen. Und ich habe keine einzige Beschwerde gehört. Nur im Bezirksbeirat hat pikanterweise hinterher jemand gesagt, es sei zu laut gewesen. Der sagte dann aber auch: „Ich war da im Urlaub, aber man hat mir’s verzählt.“
Schulig In diesem Jahr verzichten wir ja leider freiwillig auf unseren 6-Zylinder-Granada-Motor . . .
Gaedt . . . der ja in einem Duett mit elektrischen Zahnbürsten vorgekommen ist. Also konnte der Motor gar nicht so laut sein, sonst hätte er ja die Musik kaputt gemacht.

Der Motor hat ja auch gestunken – und das bei sechzig Grad Hitze . . .
Schulig Aber genau dafür zahlen die Leute ja Eintritt!
Gaedt Im Ernst: es heißt immer, wir würden Anarcho-Comedy machen, aber wir sind total familienfreundlich. Wir sind nett, offen, leicht und gut zu handeln.