Diskussion über Gartenschauprojekt in Waiblingen Streit über das Projekt „Talaue 4.0“

Von Annette Clauß 

Der Waiblinger Landschaftspark entlang der Rems soll im Hinblick auf die Remstalgartenschau 2019 aufgewertet werden. Über die Projekte hat nun der Gemeinderat teils kontrovers diskutiert. Insbesondere die geplante „Kunstlichtung“ gefällt nicht jedem.

Wo derzeit noch Wiese ist, sollen bald knapp 300 Bäume Foto: Stoppel
Wo derzeit noch Wiese ist, sollen bald knapp 300 Bäume Foto: Stoppel

Waiblingen - Ziemlich turbulent ist eine Sondersitzung des Waiblinger Gemeinderats am Dienstagabend verlaufen: Das bestimmende Thema war dabei die Remstalgartenschau im Jahr 2019, für welche der Gemeinderat einen Masterplan mit knapp zehn Schwerpunktprojekten beschließen sollte. Deren Umsetzung, so schätzt man von Seiten der Verwaltung, wird rund 3,4 Millionen Euro kosten. Eine Summe, die so manchem Gemeinderat angesichts der künftig voraussichtlich wenig rosigen finanziellen Situation der Stadt großes Unbehagen bereitet.

Die Fraktion der Alternativen Liste (Ali) hatte daher beantragt, die Gesamtbaukosten der Stadt auf zwei Millionen Euro zu deckeln, die SPD-Fraktion forderte in einem Antrag, jede der Maßnahmen einzeln auf „Sinnhaftigkeit, Notwendigkeit und mögliches Einsparpotenzial“ zu prüfen. Bernd Wissmann von der Bürgerliste Bittenfeld (BüBi) meinte: „Der Masterplan ist gut, aber die Kosten haben mich schon etwas schockiert.“

Geteilte Ansichten über die „Kunstlichtung“

Heftig diskutiert haben die Räte insbesondere über die „Kunstlichtung“. Nach den Vorstellungen des Planungsbüros RMP aus Bonn sollen dazu als Ableger der Galerie Stihl auf einer großen Wiesenfläche in der Talaue mehrere hundert Bäume kreisförmig gepflanzt werden. In deren Mitte soll so eine künstliche Lichtung geschaffen werden, auf der Lesungen oder Konzerte veranstaltet werden können. Kostenpunkt: rund 560 000 Euro.

Die Idee fanden nicht alle Gemeinderäte gut. Während Hans-Ingo von Pollern (CDU) die „Kunstlichtung“ als „hochattraktiv“ bezeichnete und Volker Escher (DFB) von einem „tollen Projekt“ sprach, verwies Alfonso Fazio (Ali) auf die Folgekosten bei der Pflege der Bäume und bezeichnete die bestehende Wiese mit ihrer Wildblumenpracht als „Schatz an sich“. Der Planer Stephan Lenzen betonte, die Wiese solle weiterhin maximal zwei Mal im Jahr gemäht werden, nur die Lichtung müsse öfter gekürzt werden. Seiner Vorstellung nach könnten die Besucher letztere über einen Weg, aber auch aus allen Richtungen und quer über die Wiese erreichen.

Roland Wied (SPD) betonte, diese schöne Fläche in der Talaue sei eine Seltenheit, „ein Wert, den wir dann nicht mehr haben“. Julia Goll (FDP) merkte an, eine mit Bäumen bepflanzte Fläche müsse nicht ökologisch wertvoller sein als eine Wiese: „Ich hätte da gerne mal die Meinung eines Naturschutzfachmanns.“ Im Hinblick auf andere Waiblinger Gartenschau-Projekte kritisierte sie „den Geist der Versiegelung, der sich durch diesen Masterplan zieht“. Bei Juliane Sonntag (SPD) fand die Idee der „Kunstlichtung“ Anklang, sie schlug aber vor, sie mehr am Rand der Wiese zu platzieren, denn diese sei erhaltenswert.

Der Oberbürgermeister Andreas Hesky reagierte ungehalten auf die Kritik. Er sieht die „Kunstlichtung“ als zentrales Element der Gartenschau, bei der die Talaue zur „Talaue 4.0“ werde, sprich „aufgewertet und ertüchtigt“ werden solle. Gerade wegen dieser „Kunstlichtung“ habe man doch das Büro RMP beauftragt, und wegen dieser „famosen Idee“ blicke „jeder mit Neid auf Waiblingen“. Auch bei der Bürgerbeteiligung habe es keinen Widerstand dagegen gegeben. Der Rathauschef setzte dem Gemeinderat quasi die Pistole auf die Brust: „Wenn wir das Thema nicht umsetzen sollten, ist ein Stück weit die Beauftragungsgrundlage für das Büro RMP weg.“ Im Übrigen habe die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung bereits eine Spende zwischen 300 000 und 500 000 Euro in Aussicht gestellt.

Fazio: „Ich lasse mich nicht erpressen“

Auch die Baubürgermeister Birgit Priebe konnte die Kritik nicht nachvollziehen – den Masterplan habe man doch bereits im Oktober diskutiert: „Warum sind Sie damals nicht auf die ‚Kunstlichtung’ eingegangen?“ Das wiederum sahen die Kritiker anders. „Es gibt da wohl ein Kommunikationsproblem“, sagte Julia Goll, „ich erinnere mich an durchaus kritische Stimmen zur ‚Kunstlichtung’. Dass das ganze Projekt mit der ‚Kunstlichtung’ steht und fällt, war nicht klar.“ Es habe ja auch andere Ideen zum Thema Kunst gegeben. So sei von einem Skulpturenpfad die Rede gewesen.

Im Oktober habe man der Planungskonzeption zugestimmt – aber mit der Zusage der Verwaltung, „dass alles zur Disposition steht und wir alles noch diskutieren können“, sagte Alfonso Fazio. Seine Reaktion: „Ich lasse mich nicht erpressen.“

Die ‚Kunstlichtung’ wurde dann aber mit einer Enthaltung, 18 Ja- und elf Nein-Stimmen auf den Weg gebracht.