Dorotheen-Quartier in Stuttgart Was macht das neue Quartier mit der Stadt?

Von Martin Haar 

Am Dienstag, 30. Mai, eröffnet Breuninger sein 200-Millionen-Euro teures Prestigeobjekt Dorotheen-Quartier. Die neue Luxus-Einkaufswelt wird Stuttgart verändern. Experten nennen Gewinner und Verlierer.

Endspurt auf der Großbaustelle im Herzen der Stadt: Das Dorotheen-Quartier soll am kommenden Dienstag eröffnet werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 9 Bilder
Endspurt auf der Großbaustelle im Herzen der Stadt: Das Dorotheen-Quartier soll am kommenden Dienstag eröffnet werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Am Dienstag, 30. Mai, eröffnet Breuninger sein 200 Millionen Euro teures Prestigeobjekt Dorotheen-Quartier. Der dreiteilige Gebäudekomplex sei die „neue Mitte“ der Stadt, meint Breuninger-Chef Willy Oergel. Wunschdenken? Oder fundierte Prognose? Sicher ist: Die neue Luxus-Einkaufswelt wird die Stadt und den Handel beeinflussen. Wird sich die Stadt auch nachhaltig verändern? Ja, meinen verschiedene Experten und nennen Gewinner und Verlierer.

Gewinnt die Stadt an Attraktivität?

Das Institut für Handelsforschung Köln fragte im Rahmen der Studie „Vitale Innenstädte“ knapp 60 000 Besucher in 121 Städten, was die Attraktivität einer Stadt ausmache. Auf Rang eins der Antworten rangierten das Ambiente und das Flair einer Stadt, beispielsweise historische Bauten. Schon auf Rang zwei folgt der Handel – vor dem Freizeitangebot einer Stadt. Damit wird klar, welche Bedeutung der Handel einnimmt. „Durch das Dorotheen-Quartier haben viele Stuttgart wieder auf dem Schirm“, sagt Citymanagerin Bettina Fuchs, „dadurch spielen wir in Deutschland in einer anderen Liga.“ Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Stuttgart Marketing, hofft, dass sich ein ganz neuer attraktiver Bereich bis hin zur Nadlerstraße und der Stiftskirche etabliert. „Wenn das Dorotheen-Quartier sich öffnet, kann eine stimmige Gesamtsituation entstehen, die einen Zuwachs an Frequenz bringt.“ Erst dann, so der Touristik- und Marketing-Experte, wenn mehrere solcher Bereiche mit einer stimmigen Wohlfühlatmosphäre entstehen, kann die Stadt in ihrer Außenwirkung weiter gewinnen.“

Was sagt der Handel?

„Ich gehe davon aus, dass es Kaufkraft nach Stuttgart bringt“, sagt Sabine Hagmann vom Handelsverband. Rainer Bartle vom Buchhaus Wittwer hofft, dass das „Dorotheen-Quartier ein großartiger Anziehungspunkt für die Innenstadt“ wird. Die Meinung des Breuninger-Chefs Oergel teilt er aber nicht: „Es als neue Mitte zu bezeichnen, ist sicher übertrieben, da das Quartier am City-Ring und am Rande der Innenstadt liegt.“

Entsteht eine neue Luxuszone?

„In diesem neuen Quartier und dem Bereich der Stiftsstraße verdichten sich Läden mit Luxus-Marken“, sagt Citymanagerin Bettina Fuchs, „so etwas hatten wir bisher noch nicht.“ Für Stuttgart sei dieses Angebot wichtig, bestätigt auch Sabine Hagmann: „Die Reichen vom Killesberg müssen nun nicht mehr nach München oder Paris fahren.“ Denn bisher seien Stuttgarter, die etwas im Premiumbereich suchten, eher abgewandert. „Nun“, so Bettina Fuchs, „finden sie die vermeintlich beste Auswahl und ein komplementäres Sortiment in einem Quartier.“ Weiter meint sie: „Auch die geplante Eröffnung von Hermes zwischen Schul- und Stiftstraße steigert die Attraktivität.“ Luxusmode-Händler Winni Klenk vom Abseits ist ebenfalls „ganz glücklich“ über das Dorotheen-Quartier: „Dort gibt es ja eher Mainstream-Luxus, daher sind unsere ausgefallenen Angebote eine gute Ergänzung. Wir profitieren von einander.“

Was bedeutet das für den Marktplatz?

„Der Marktplatz wird der große Verlierer sein“, prophezeit Bartle. Diese Meinung teilen manche. Denn im Gegensatz zum Dorotheenplatz fehlt am Marktplatz immer noch ein gastronomischer Betrieb, wie es das ehemalige Cafe Scholz war. Bettina Fuchs will nicht so weit gehen wie der Wittwer-Geschäftsführer, sagt aber: „Es kommt darauf an, was die Stadt aus dem Marktplatz macht.“ Die bisherigen Vorschläge reichen aus ihrer Sicht nicht aus. „Den Brunnen anzuheben, ist zwar gut“, sagt sie, „aber insgesamt braucht es mehr Begrünung und Licht.“ Die geplanten Wasserspiele vor dem Ex-Haufler-Gebäude lehnt sie ab, weil sie auf Passanten eher wie eine Barriere wirkten: „Die Leute brauchen gute Sicht- und Wegeachsen. Sie müssen sehen, dass es weiter geht.“

Verändern sich die Laufwege?

„Schwer zu sagen“, meint Sabine Hagmann, „aber die Kräfteverhältnisse in der City könnten sich schon verschieben.“ Auch Rainer Bartle schätzt, „dass sich die Laufwege der Passanten verändern werden, vor allem die Verbindungen von Dorotheen-Quartier und Königstraße werden neu definiert“. In diesem Zusammenhang glaubt Citymanagerin Fuchs, dass die Schulstraße „der ganz große Gewinner“ werden könnte: „Es wird eine neue Achse entstehen, auf der Passanten über die König- und Schulstraße ins Dorotheen-Quartier gehen.“

Verliert die Königstraße ihren Reiz?

Im Gegenteil, glauben die Experten. Rainer Bartle: „Die Königstraße wird von der zusätzlichen Attraktivität eher profitieren. Vor allem die Strecke Sporerstraße und Stiftstraße hin zur Königstraße wird der große Gewinner.“ Bettina Fuchs glaubt, dass die Königstraße durch ihren Mix noch spannender wird. Konkret denkt sie an die Schulstraße. Dort treffen sich Luxus und Billig auf engstem Raum – vertreten durch das edle Outlet-Konzept Saks Fifth Avenue und Primark. „Diese Durchmischung von Kunden wird sehr spannend“, sagt Fuchs.



6 Kommentare Kommentar schreiben

ist ja gar schröcklich: konsum. wie ordinär. hätte man da nicht drei oder vier fachwerkhäuschen hinstellen können? damit stuttgart endlich wieder das dorf wird, das wir alle doch so großartig und schön finden? mit wohnungen für geringverdiener? oder wenigstens ein edelbordell, wenn man jetzt das leonhardsviertel prostitutionsfrei macht? aber konsum? ihhhh!!!

"Dadurch spielen wir in Stuttgart in einer anderen Liga....": mainstreamt die "Citymanagerin". Was für ein seichtes Geschwätz. Warum nicht gleich volkspopulistisch "Stuttgart spielt jetzt in der Championsliga". Stuttgart wird sich mit diesem Einkaufquartier leider kein Weltstadtflair kaufen können. Unabhängig davon, wie das Quartier beim Konsumenten ankommt. Stuttgart ist ein Mauerblümlein, welches sich mit diesem neuerlichen "Brustimplantat" keinen Ersatz schaffen kann für natürliche Schönheit. Leider. Und ich bin Stuttgarter.

Falls es Ihnen : noch nicht aufgefallen ist , vermutlich verhindert durch Ihre grüne Brille : Stuttgart ist kein Mauerblümchen , sondern eine liebenswert Metropole im schwäbischen Herzen, eine Stadt mit beschaulichem Flair , deren topografische Lage mit keiner anderen Stadt in dieser Republik vergleichbar ist. Dass Sie gebürtiger Stuttgarter sind , wage ich zu bezweifeln. Ihr Familien-Name dürfte dies vermutlich bestätigen. Ich bin zwar nicht in ,, Stutengarten ,, geboren, bin ein ,, Gôg ( Bezeichnung für Tübinger Weingärtner ) in Tübingen geboren, im Rems- Tal aufgewachsen , mein Erwerbs- und wohnhaftes Leben in Stuttgart zugebracht, also ein Fast-Stamm-Stuttgarter. Ich weiß nicht wo Sie in der Nesenbach-Metropole Ihre Heimstatt haben, aber viel kennen Sie von den Schönheiten dieser Stadt offensichtlich nicht, denn sonst würden Sie keinen solchen ,, Bockmist ,, über diese Stadt am Nesenbach verlautbaren. Vermutlich verwechseln Sie Ihre angestammte Heimat, Ihr Heimatdorf in Süd-Ost-Europa ( Kroatien ?) mit der schwäbischen Metropole und Landeshauptstadt, was im Schreib-Übereifer schon mal passieren kann. Im übrigen haben Kroatien oder die anderen ehemaligen Teilstaaten des früheren Jugoslawien sehr schöne Landschaften die aus meiner Sicht eine Reise wert sind. Stuttgart ist und bleibt , trotz der politisch gelenkten baulichen Modernisierung-Offensiven eine beschauliche , im Kern konservativ-Schwäbische Stadt mit einer ausgeprägten herben Schönheit, passend zum Charakter seiner Bewohner, Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn Sie wissen was ich damit meine, wenn nicht , auch egal.

herr maier: danke

Ich denke: das Dorotheen-Quartier kann tatsächlich eine Bereicherung für die Innenstadt sein, im Gegensatz zum Gerber, für das sich niemand so richtig interessiert und zum Milaneo, in dem sich nur Prekariat tummelt. Ein Ersatz für das Einkaufen in München oder Paris wird es aber sicher nicht sein können.

Wer brauchts??: Wer braucht eine Luxus Shopping Meile? Noch mehr Autos in der Stadt, da die Damen und Herren ja nicht mit der Bahn fahren "können" und gerne aus der Region herkommen, um unsere Stadt zu verpesten, noch mehr Verlust für die Königstr und nochmal ein Shopping Center, wo es schon 2 gibt? Es gibt unglaublich viel was diese Stadt brauchen könnte, mehr bezahlbare Wohnungen, mehr Radwege, mehr Lärmschutz, weniger Straßen und mehr Grünflächen. Was sie ganz sicher NICHT braucht, ist dieses Luxusshopping Center.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.


Artikel kommentieren

Dieser Artikel kann nur werktags kommentiert werden.
Kommentarregeln