E-Mobilität in Stuttgart Schnittgut geht, Schotter ist zu schwer

Von Jürgen Löhle 

Die Stadt testet in Zusammenarbeit mit Daimler ein Jahr lang vier elektrisch betriebene Kleinlaster. Das Ergebnis: Bei vielen Anwendungen ist E durchaus eine Alternative, bei einigen noch nicht.

So sieht er aus, der Elektromotor, der die  Kleinlaster antreibt, die derzeit bei der Stadt getestet werden. Sie fahren wieselflink und leise. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
So sieht er aus, der Elektromotor, der die Kleinlaster antreibt, die derzeit bei der Stadt getestet werden. Sie fahren wieselflink und leise. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Daran muss man sich erst gewöhnen. Ein leichter Druck auf das Pedal und der Sechstonner Fuso Canter eCell springt nach vorn wie ein junges Pferd und das ohne einen Mucks oder Gebrumm. Elektrisch eben und agil. Der Hof der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) ist zwar keine Teststrecke, aber auch auf gut 100 Metern spürt man, dass der E-Laster durchaus Muckis hat. Ist das die Zukunft? Elektrisch betriebene Lastkraftwagen für die City? Die Stadt Stuttgart hat zusammen mit der Daimler AG über ein Jahr lang vier elektrisch betriebene Kleinlaster in einem Flächenversuch eingesetzt und getestet. Ein Ergebnis: für einige Bereiche könnte das „E“ tatsächlich die Zukunft sein.

Die Beschleuigung sei ein Erlebnis

Unter der Regie der AWS, die den gesamten städtischen Fuhrpark von etwa 1000 Fahrzeugen, darunter 250 Lkw, unter sich hat, waren vier von der Daimler Tochter Fuso produzierte Prototypen „ein Jahr unter Volllast im Einsatz“, wie Thomas Heß, der Geschäftsführer der AWS sagt. Vier Autos, vier Bereiche. Ein Kleinlaster mit Kofferaufbau lief bei der Abfallwirtschaft selbst, mit ihm wurden neue Mülltonnen zu den Kunden transportiert. Ein zweiter wurde vom Haupt- und Personalamt für den Möbeltransport eingesetzt. Zwei Lkw mit Kipper liefen im Garten- und Friedhofsamt und im Tiefbauamt. Die Laster wurden am Tag auf 50 bis maximal 90 Kilometern eingesetzt – insgesamt etwa 5000 Kilometer pro Fahrzeug. „Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen“, sagt Thomas Heß. Die Kleinlaster ließen sich leicht bedienen, der ruhige Lauf sei ebenso ein Plus, die Geschwindigkeit bis 90 Stundenkilometer ausreichend und die Beschleunigung ein Erlebnis.

Nicht immer Alltagstauglich sei nach wie vor die Lademöglichkeit. Während sie für leere Mülltonnen, Möbel oder Grünschnitt reiche, sei beim Tiefbauamt beim Transport von Schotter die zwei Tonnen Zuladungsgrenze schnell erreicht, so Heß. Das liege an der 600 Kilo schweren Batterie. Insgesamt seien die 150 PS starken und bis zu 90 Kilometer schnellen Laster aber durchaus passabel. „Wenn es gelingt, die Reichweite noch etwas zu steigen, sind elektrisch betriebene Lkw für bestimmte Einsatzarten durchaus tauglich“ – so das Fazit von Thomas Heß. Das sieht man wohl bei Daimler auch so. Seit 27. Juli wird eine 7,5-Tonnen-Version des eCanter in Portugal in Kleinserie gebaut.

Die Betriebskosten würden sinken

Wird die Zukunft bei städtischen Lastkraftwagen also bald elektrisch? Teilweise wird das wohl so kommen, zumal es ja der politischer Wille von OB Fritz Kuhn (Grüne) ist, neue Fahrzeuge möglicht mit Elektroantrieb zu kaufen. Für Thomas Heß muss allerdings auch der Preis vertretbar sein und der liegt noch deutlich höher als bei vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotor. Daimler betont aber, dass man mit dem eCanter die Betriebskosten im Vergleich zum Diesel um bis zu 50 Prozent ­senken könne. Bei gängigen Diesel- und Strompreisen käme der Fuso auf 7,25 Euro pro 100 Kilometer, ein vergleichbarere Diesel auf 14,51 Euro.

Bei großen Lkw ist die elektrische Zukunft aber noch fern. Zum einen gibt es sie noch nicht, zum anderen würde der Verbrauch von großen Mengen an Ladestrom zu gleicher Zeit zu Problemen führen. Schwere Lastwagen mit entsprechenden Batterien brauchen auch Kapazität. Der im Moment getestete Daimler-Prototyp Urban eTruck mit 13 Tonnen Zuladung wird im Testbetrieb mit 100 Kilowatt geladen. Zum Vergleich: Eine Säule für Pkw lädt mit 22 Kilowatt. Eine große E-Flotte zum Beispiel von Müllfahrzeugen die alle nach Schichtende an den Strom gingen, bräuchte gewaltige Anpassungen im Netz. Aber bis große Lkw mit Strom laufen, wird es auch noch dauern. Im Moment gibt es sie nur im Test. Die AWS plant deshalb die nächsten zehn neuen 26-Tonner für die Müllabfuhr mit Gas statt mit Diesel zu betreiben. Auch damit ließe sich der Ausstoß an den schädlichen Stickoxiden senken.