ECE in Stuttgart Best Future Mega Projekt

Verena Mayer, 16.02.2013 11:30 Uhr

Gunter Scherzberg ist für 14 Zentren im Südwesten zuständig. Seine korrekte Funktion lautet Regional Director Southwest. Als solcher arbeitet er intensiv daran, dass weitere Häuser hinzukommen. Momentan hat er vier Neubauprojekte auf seiner Liste. Eines davon wird das größte Einkaufszentrum in der Region werden: das Milaneo.

Die Baustelle auf dem A 1-Gelände hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof vermittelt eine Ahnung von der Dimension des Vorhabens, das als Best Future Mega Projekt geadelt werden könnte. In dieser Kategorie wurde das Milaneo für die Endausscheidung des Mipim Awards nominiert, einer internationalen Auszeichnung für technisch und architektonisch herausragende Vorhaben. Das potenzielle Best Future Mega Projekt besteht aus drei Gebäudekomplexen mit Platz für Wohnungen, Büros, Hotelbetten und – 200 Geschäften mit einer Verkaufsfläche von 43 500 Quadratmetern. „Das Milaneo wird ein Magnet der erweiterten Innenstadt sein“, pries Stuttgarts einstiger Oberbürgermeister Wolfgang Schuster den 550-Millionen-Euro-Giganten, für dessen Ansiedlung er sich stark gemacht hatte, bei der Grundsteinlegung im September.

Die Frage wird sein: Wen zieht dieser Magnet an, wenn er in zwei Jahren in Betrieb geht? Kunden aus der Region, aus dem ganzen Land sogar – oder aus anderen Teilen der Stuttgarter Innenstadt?

Es gibt Zahlen, die die Stuttgarter Einzelhändler sorglos stimmen könnten. Die Industrie- und Handelskammer hat ausgerechnet, dass der Innenstadt ein bisschen zusätzliche Anziehungskraft nicht schlecht täte. Das schließen sie aus der sogenannten Zentralitätskennziffer, die aktuell bei 123,3 liegt. Das bedeutet, dass der Umsatz des lokalen Handels rund ein Viertel über dem liegt, was aufgrund der Einkommenverhältnisse der Stuttgarter zu erwarten wäre. Das könnte mehr sein: Im vergleichbaren Nürnberg beträgt die Ziffer 133,6, im deutlich kleineren Sindelfingen 145,6. Das sagen die Zahlen einerseits. Doch es gibt auch andere. Wenn im Jahr 2016 alle neuen Einkaufsparadiese eröffnet sind, verfügt Stuttgart über eine Verkaufsfläche von einer Million Quadratmeter, das sind 160 000 mehr als anno 2000 und entspricht fast vier Milaneos. Dass sich die Umsätze entsprechend vervielfältigen, erwarten die Experten nicht. Schließlich kann man jeden Euro nur einmal ausgeben.

Die Innenstadthändler sind skeptisch

Monika Walther nährt die Skepsis der Stuttgarter Händler. Die Ökonomin hat die Auswirkungen innerstädtischer Shopping-Center erforscht. Eines ihrer Ergebnisse prognostiziert für gewachsene Geschäftslagen immer dann die größten Verluste, wenn das typische Innenstadtangebot nahezu vollständig im Center erhältlich ist. Als ein Beispiel führt Walther Augsburg an, wo 2001 am Rand der Innenstadt die City-Galerie eröffnete. Das Angebot an Bekleidung, Büchern, Geschenk- oder Sportartikeln und anderen typischen City-Sortimenten reduzierte sich in den bisherigen 1-a-Lagen deutlich zu Gunsten der Galerie, die von der ECE betrieben wird.

Die Mieter, die die ECE – Stand Dezember – für das Milaneo verpflichtet hat, sind schon in der Stuttgarter Königstraße präsent. Mit Ausnahme des Apple-Stores. Den gibt es im Land bis jetzt nur ein einziges Mal: im Sindelfinger Breuningerland.

Werner Otto ist bereits ein erfolgreicher Versand-Unternehmer, als er ein erfolgreicher Center-Unternehmer wird. 1969 eröffnet der Hamburger das Franken-Zentrum in Nürnberg. Es ist das erste Shoppingcenter der ECE, die das amerikanische Shopping-Konzept nach Deutschland transferiert. Werner Otto ist fasziniert von der kundenfreundlichen Vielfalt der Läden und den wetterunabhängigen Einkaufsmöglichkeiten, seit er Mitte der 60er Jahre erstmals in einer Mall stand. Er macht Einkaufen in Deutschland zum Erlebnis – und seine Firma zur Nummer eins. Die ECE beschäftigt heute mehr als 3000 Immobilienspezialisten, darunter mehr als 400 Architekten und Bauingenieure. Der Konzern hat das Berufsbild des Centermanagers in Deutschland geprägt und unterhält eine eigene Akademie für deren Ausbildung.