ECE in Stuttgart Schöne neue Einkaufswelt

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Shoppingcenter sind schwer im Kommen. In der Region entstehen zigtausende Quadratmeter neuer Verkaufsflächen - das Milaneo im Stuttgarter Europaviertel ist nur ein Beispiel. Hinter dem Milaneo sowie vielen weiteren Projekten steht die Firma ECE. Verena Mayer wirft einen Blick in deren schöne neue Einkaufswelt.

Auch die Stuttgarter Königsbau-Passagen wollen die Profis von der ECE aus Hamburg flottmachen. Foto: Martin Stollberg 7 Bilder
Auch die Stuttgarter Königsbau-Passagen wollen die Profis von der ECE aus Hamburg flottmachen.Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Auf der grünen Wiese in Sindelfingen ist vor allem eines grün: das Dach des Breuningerlandes. Alles andere, das in dieser Gegend gedeiht, ist grau. Parkplätze, Straßen, Tankstellen, Firmengebäude. Nicht gerade eine schöne Aussicht für Gunter Scherzberg. Sein Schreibtisch steht im Obergeschoss des begrünten Hauses an der Autobahn. Doch Scherzberg ist ein Mann, dem es auf die inneren Werte ankommt. Er ist eine Art Chef-Centermanager und unter anderem für das Sindelfinger Haus verantwortlich, das sein Arbeitgeber für die Firma Breuninger betreibt.

Die inneren Werte passen. Die Musik, die durch das Einkaufszentrum rieselt, ist nett. Das Licht freundlich. Die Kunden zahlreich. 20 000 Menschen zieht das Breuningerland täglich an. Die Besucher setzen sich bis zu einer halben Stunde ins Auto, um dort einkaufen zu können. Scherzberg will, dass das so bleibt. Auch dann, wenn die zigtausend zusätzlichen Verkaufsquadratmeter vollendet sind, die zurzeit in der Nachbarschaft entstehen. Der Manager weiß auch wie: Mit zigtausend zusätzlichen Verkaufsquadratmetern. „Wir brauchen mehr Platz“, sagt er als gäbe es nichts Logischeres.

Gibt es wirklich nichts Logischeres?

In Böblingen beim Bahnhof wachsen die Mercaden, in Leonberg harrt das Häussler-Areal der Überplanung, in Stuttgart gedeiht bei der Paulinenbrücke das Gerber, am Karlsplatz das Dorotheenquartier und hinter dem Bahnhof das Milaneo. Fast 80 000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen nach den Berechnungen des Einzelhandelsverbands allein in Stuttgart. Rund 40 000 Quadratmeter umfassen die Vorhaben in Böblingen und Leonberg. Weitere 10 000 Quadratmeter kämen hinzu, wenn der Erweiterungsplan des Breuningerlands aufginge.

Wohin führt diese Logik?

Für Gunter Scherzberg liegt die Antwort in einer alten Kaufmannsfloskel: „Handel ist Wandel“, sagt er und führt ein Schuhgeschäft in seinem Center als Beispiel an. Dieses verfügt seit Neuestem über eine Umkleidekabine. „Wozu braucht ein Schuhgeschäft eine Kabine?“, fragt Scherzberg mit gespieltem Erstaunen. Natürlich kennt er die Antwort: Damit die Kunden die Garderobe, für die sie die passenden Schuhe suchen, mitbringen und alles zusammen anprobieren können. Das bedeutet, der Schuhladen braucht mehr Platz. Und wenn es nicht der Schuhladen ist, dann ist es die Boutique, der Lebensmittelverkäufer oder sonst ein Geschäft – von denen es ohnehin einige gibt, die Scherzberg gerne als Mieter hätte, denen er aber keinen Platz bieten kann. Zum Beispiel fehlt im Sindelfinger Breuningerland zurzeit ein Drogeriemarkt.


ECE-Einkaufszentren in Baden-Württemberg auf einer größeren Karte anzeigen

Der Oberbürgermeister Bernd Vöhringer und sein Gemeinderat haben Verständnis für das Einkaufszentrum, das 1500 Arbeitsplätze bietet und weitere 500 schaffen würde. Deshalb hat die Stadt die Erlaubnis für die 20 Millionen Euro teure Erweiterung gerne erteilt. Die Pläne für eine Fusion mit Böblingen liegen seither auf Eis. Der Kampf um die Fläche ist hart. Und die Konkurrenz groß. „Wir müssen mithalten“, sagt Gunter Scherzberg.

Die ECE aus Hamburg ist die Nummer eins, wenn es um den Bau und den Betrieb von Shoppingcentern geht. Besser bekannt als die drei Konzern-Buchstaben dürften die Hüllen sein, hinter denen sich die Einkaufscenter-Entwicklungsgesellschaft verbirgt. Sie tragen klangvolle Namen wie Stadtgalerie (Heilbronn), Ettlinger Tor (Karlsruhe) oder Leo-Center (Leonberg)  –um nur ein paar Häuser in Baden-Württemberg zu nennen. Außerdem versucht die ECE die Königsbau-Passagen in Stuttgart wiederzubeleben, die sie 2008 von der glücklosen Allianz übernommen hat. Insgesamt betreiben die Hamburger 185 Center in 16 Ländern. Das ergibt eine Verkaufsfläche von sechs Millionen Quadratmetern, vier Millionen Besucher pro Tag und einen Umsatz von 19 Milliarden Euro pro Jahr.

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39 KommentareKommentar schreiben

Das ist doch geil!: Shop 'til you drop... Zwischen Milaneo und Gerber wird ein kleiner Transrapid gebaut mit Zwischenhalt am neuen 'Großparkhaus Königstraße', in dem auf zwei Kilometern Länge und fünf Stockwerke hoch die Autos all der kaufkräftigen Kunden aus aller Welt parken, die dummerweise noch nicht mit der Behn kommen können, weil S21 leider noch nicht freigepumpt un daher auch noch nicht in Betrieb genommen werden konnte. Die oberirdischen Bahnanlagen mussten unerfreulicherweise zwischendurch aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden. Lang lebe Stuttgart, Du siehst einer ros(t)igen Zukunft entgegen!

ECE in Stuttgart: Ramschläden nur schön verpackt. Gute Fachgeschäfte mit Fachpersonal sind verschwunden. Aber es gibt noch gute Geschäfte, man muss sie nur suchen, aber nicht in Stuttgart.

@ BuntstattGrau, 12:42 Uhr: In welchem der vielen Einkaufstempel sollen wir nun einkaufen ? Die Menschen die dort arbeiten, verdienen auch miserabel, wie will man den sonst Gewinne einfahren, doch nur auf Kosten der Mitarbeiter. Im Internet habe ich keine Parkgebühren und der Einkauf geht viel schneller. Was ich im Internet in ein paar Minuten erledige, brauche ich in der Stadt Stunden. So einfach ist die heutige Einkaufswelt.

Wenn den braven Konsumenten die Argumente ausgehen,: ... kommen unweigerlich die 'Keule in der Hand', die Dampflok und was nicht noch alles. Geht in Eure Talmiglanz-'Paläste', kauft im Internet, verfestigt das Elend der dort Beschäftigten und der ausgelaugten Scheinselbständigen in den Transportern - heute seid Ihr ja so modern. In absehbarer Zeit dürft Ihr dann unter den gleichen Bedingungen arbeiten und seid froh, wenn Euer Geld noch für den Einkauf in einem Tafelladen reicht (der dann hoffentlich in einem halb verfallenen Einkaufscenter weit draußen am Stadtrand steht). Ihr habt es so gewollt.

Vorbei: Vorbei sind die Zeiten, in denen man wirklich bequem IN der Stuttgarter Innenstadt ALLES einkaufen konnte, was man brauchte. Weg sind die vielen grossen Kaufhäuser wie Hertie und Horten (Marienstrasse), in denen man wirklich alles einkaufen konnte, auch Schrauben, Möbel und Sonnenschirme. Weg sind grosse ElektroFachhändler wie Radio Grüner, Radio Barth, Lerche, Schuhaus Schopp, Zahn und Nopper etc. Gekommen sind die grossen Ketten, die einem nur noch Bekleidung andrehen möchten und braucht man eine Schraube muss man sich erst aus der Innenstadt weit hinaus bewegen. Umständlich per ÖPNV. Grosse Möbelhäuser gibt es keine mehr in Stuttgart, nicht einmal IKEA hat es hier ausgehalten. Hatte man es früher bei Einzelhändlern mit oft überhöhten Preisen bei sehr guter Qualität zu tun, ärgert man sich heute über hohe Preise und oft Untragbarkeit und schlechter Qualität der Mode (Breuninger).

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