ECE in Stuttgart Schöne neue Einkaufswelt

Verena Mayer, 16.02.2013 11:30 Uhr

Stuttgart - Auf der grünen Wiese in Sindelfingen ist vor allem eines grün: das Dach des Breuningerlandes. Alles andere, das in dieser Gegend gedeiht, ist grau. Parkplätze, Straßen, Tankstellen, Firmengebäude. Nicht gerade eine schöne Aussicht für Gunter Scherzberg. Sein Schreibtisch steht im Obergeschoss des begrünten Hauses an der Autobahn. Doch Scherzberg ist ein Mann, dem es auf die inneren Werte ankommt. Er ist eine Art Chef-Centermanager und unter anderem für das Sindelfinger Haus verantwortlich, das sein Arbeitgeber für die Firma Breuninger betreibt.

Die inneren Werte passen. Die Musik, die durch das Einkaufszentrum rieselt, ist nett. Das Licht freundlich. Die Kunden zahlreich. 20 000 Menschen zieht das Breuningerland täglich an. Die Besucher setzen sich bis zu einer halben Stunde ins Auto, um dort einkaufen zu können. Scherzberg will, dass das so bleibt. Auch dann, wenn die zigtausend zusätzlichen Verkaufsquadratmeter vollendet sind, die zurzeit in der Nachbarschaft entstehen. Der Manager weiß auch wie: Mit zigtausend zusätzlichen Verkaufsquadratmetern. „Wir brauchen mehr Platz“, sagt er als gäbe es nichts Logischeres.

Gibt es wirklich nichts Logischeres?

In Böblingen beim Bahnhof wachsen die Mercaden, in Leonberg harrt das Häussler-Areal der Überplanung, in Stuttgart gedeiht bei der Paulinenbrücke das Gerber, am Karlsplatz das Dorotheenquartier und hinter dem Bahnhof das Milaneo. Fast 80 000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen nach den Berechnungen des Einzelhandelsverbands allein in Stuttgart. Rund 40 000 Quadratmeter umfassen die Vorhaben in Böblingen und Leonberg. Weitere 10 000 Quadratmeter kämen hinzu, wenn der Erweiterungsplan des Breuningerlands aufginge.

Wohin führt diese Logik?

Für Gunter Scherzberg liegt die Antwort in einer alten Kaufmannsfloskel: „Handel ist Wandel“, sagt er und führt ein Schuhgeschäft in seinem Center als Beispiel an. Dieses verfügt seit Neuestem über eine Umkleidekabine. „Wozu braucht ein Schuhgeschäft eine Kabine?“, fragt Scherzberg mit gespieltem Erstaunen. Natürlich kennt er die Antwort: Damit die Kunden die Garderobe, für die sie die passenden Schuhe suchen, mitbringen und alles zusammen anprobieren können. Das bedeutet, der Schuhladen braucht mehr Platz. Und wenn es nicht der Schuhladen ist, dann ist es die Boutique, der Lebensmittelverkäufer oder sonst ein Geschäft – von denen es ohnehin einige gibt, die Scherzberg gerne als Mieter hätte, denen er aber keinen Platz bieten kann. Zum Beispiel fehlt im Sindelfinger Breuningerland zurzeit ein Drogeriemarkt.


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Der Oberbürgermeister Bernd Vöhringer und sein Gemeinderat haben Verständnis für das Einkaufszentrum, das 1500 Arbeitsplätze bietet und weitere 500 schaffen würde. Deshalb hat die Stadt die Erlaubnis für die 20 Millionen Euro teure Erweiterung gerne erteilt. Die Pläne für eine Fusion mit Böblingen liegen seither auf Eis. Der Kampf um die Fläche ist hart. Und die Konkurrenz groß. „Wir müssen mithalten“, sagt Gunter Scherzberg.

Die ECE aus Hamburg ist die Nummer eins, wenn es um den Bau und den Betrieb von Shoppingcentern geht. Besser bekannt als die drei Konzern-Buchstaben dürften die Hüllen sein, hinter denen sich die Einkaufscenter-Entwicklungsgesellschaft verbirgt. Sie tragen klangvolle Namen wie Stadtgalerie (Heilbronn), Ettlinger Tor (Karlsruhe) oder Leo-Center (Leonberg)  –um nur ein paar Häuser in Baden-Württemberg zu nennen. Außerdem versucht die ECE die Königsbau-Passagen in Stuttgart wiederzubeleben, die sie 2008 von der glücklosen Allianz übernommen hat. Insgesamt betreiben die Hamburger 185 Center in 16 Ländern. Das ergibt eine Verkaufsfläche von sechs Millionen Quadratmetern, vier Millionen Besucher pro Tag und einen Umsatz von 19 Milliarden Euro pro Jahr.