Ehemalige Gestapozentrale Das Hotel Silber soll eine Stiftung werden
Thomas Borgman, 01.10.2011 11:00 Uhr
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Aus dem Hotel Silber an der Dorotheenstraße soll ein Lern- und Gedenkort werden. Foto: Zweygarth
Aus dem Hotel Silber an der Dorotheenstraße soll ein Lern- und Gedenkort werden. Foto: Zweygarth
"Eine Stiftung ist meiner Ansicht nach ein starres Instrument."
Michael Kienzle, Kultursprecher der Grünen

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Stuttgart - Heinz Hoegerle, der sich seit Jahren mit vielen anderen ehrenamtlich um die ehemalige Synagoge in Rexingen bei Horb kümmert, hat Angst: "Wir begrüßen ausdrücklich die Initiative, aus dem Hotel Silber an der Dorotheenstraße einen Lern- und Gedenkort zu machen - aber wir fürchten, dass die wenigen Zuschüsse des Landes, die wir für unsere Gedenkstätten bekommen, bald ausschließlich nach Stuttgart fließen." Was Hoegerle am Donnerstagabend im Großen Sitzungssaal des Rathauses dann sagte, ließ viele aufhorchen: "Sie müssen bedenken, dass wir für sechzig Gedenkstätten an die jüdischen Opfer der NS-Zeit im ganzen Land pro Jahr sage und schreibe 75.000 Euro Zuschuss vom Land bekommen - das ist skandalös."

Rund 150 engagierte und interessierte Bürger waren auf Einladung der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber ins Rathaus gekommen, um zu erfahren, was aus der ehemaligen Gestapozentrale für Württemberg-Hohenzollern einmal werden soll. Harald Stingele, einer der Sprecher der Initiative, sagte es so: "Es ist erfreulich, dass unsere Beharrlichkeit diesen Erfolg hatte. Seit der Landtagswahl am 27. März steht fest, dass das Hotel Silber nicht abgerissen wird - die neue Landesregierung hat das entschieden." Jetzt stelle sich die Frage, wie es mit dem Gebäude weitergehe.

Haus soll ein Ort der Begegnung werden

Harald Stingele und seine Mitstreiter haben dazu jetzt ein konkretes Konzept vorgelegt: "Nach dem Beispiel der Topografie des Terrors in Berlin sollen Land und Stadt Stuttgart eine gemeinsame Stiftung gründen und das Hotel Silber einbringen." In dem Gebäude müsse es "um Erinnern und Gedenken, um Lernen und Forschen gehen", so das Konzept. Das Haus müsse "ein Ort der Begegnung werden zwischen den Nachfahren der Opfer und der Täter" - schließlich seien die Gebäude am Karlsplatz, während der Nazizeit Sitz der Gestapo und des Innenministeriums, "nicht nur Orte der Opfer gewesen, sondern vor allem auch der Täter". Dies müsse in der Bildungsarbeit für die Schulen und alle interessierten Bürger im Mittelpunkt stehen. Nach Stingeles Ansicht sind "noch viele Facetten der NS-Zeit unerforscht, etwa die Verfolgung der Homosexuellen - übrigens bis weit hinein in die Zeit der neuen Bundesrepublik". Und: vieles, was bereits erforscht sei, schlummere in den Archiven - es müsse "endlich der Bevölkerung bekanntgemacht werden".

Vier Kommunal- und Landespolitiker saßen am Donnerstagabend im Ratssaal auf dem Podium, um erste Bewertungen über das neue Konzept der Initiative abzugeben. Brigitte Lösch von den Grünen, die neue Landtagsvizepräsidentin, appellierte an die Initiative: "Bleiben Sie hartnäckig, wir stehen erst am Beginn eines Prozesses." Ihrer Ansicht nach sei "die stufenweise Nutzung des Hotels Silber der realistische Weg"; man müsse dabei "ja nicht alle Forderungen der Initiative eins zu eins übernehmen". Verteilungskämpfe zwischen den Gedenkstätten um die Zuschüsse des Landes dürfe es nicht geben.

Kommentare (1)
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OKT
02
Stuttgarterin, 09:43 Uhr

Forderungen der Initiative

Frau Lösch, ich verstehe nicht, welche Forderungen der Initiativen nicht zu erfüllen wären? Sie sind m. E. bescheiden und vernünftig genug formuliert. Bitten äußern Sie sich klar dazu, was man NICHT 1:1 übernehmen könnte? Davon abgesehen, dass das Gedenken in Stuttgart seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigt wurde, sollten die Zuschüsse schon realistisch erhöht werden. Dazu kann (nicht nur) die Industrie das Ihrige beitragen: Anstatt ihre fetten Gewinne in sinnlose Großveranstaltungen zu stecken, sollten sie hier Verantwortung übernehmen. Fragen Sie doch mal heute Stuttgarter Schüler, was sie noch über die NS-Zeit wissen, speziell in Stuttgart? Es ist dringend geboten, dem Vergessen entgegen zu wirken. Zeitzeugen gibt es nur noch wenige.

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