Ein Besuch bei Werner Mang in Lindau Wer hässlich ist, muss leiden

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Was tun bei einer krummen Nase? Wenn man als Jugendlicher von den Mitschülern deswegen gemobbt wird? Manche lassen sich dann operieren. Die Bundesregierung will Schönheits-OPs bei Minderjährigen jetzt verbieten. Werner Mang von der Bodenseeklinik in Lindau ist dagegen.

Werner Mang untersucht die Nase seine Patientin. Foto: Eva-Maria  Manz
Werner Mang untersucht die Nase seine Patientin.Foto: Eva-Maria Manz

Lindau/Ulm - Sie findet sich hässlich. Katharina Meier* aus Ulm ist ein 16-jähriges, schüchternes Mädchen, das sich nichts so sehr wünscht, wie von einem Jungen an der Bushaltestelle geküsst zu werden. Stattdessen steht sie morgens lange vor dem Spiegel, zieht sich die strubbligen Haare weit in die Stirn, schminkt die Augen schwarz. Doch es hilft alles nichts: die Nase kann sie nicht verstecken. Die sitzt mitten im Gesicht. Und sie ist groß, lang und krumm.

„Hexe!“, rufen manche Jungs in ihrer Klasse. „Höcker-Langnase“ ist das Wort, das Werner Mang für den Fall Katharina Meier wählt, als die zum ersten Mal in seiner Praxis am Bodensee sitzt.

Das war vor fünf Jahren, und damals lag bereits eine lange Leidenszeit hinter Katharina. Die Spitznamen aus der Schule hat das Mädchen längst verdrängt, sie einfach aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Denn für ihr großes Problem gab es eine Lösung: eine kleine Nase. Die ist kerzengerade und unauffällig. Katharina hat sie von Professor Doktor Mang bekommen und betrachtet sie als Geschenk. Aber ihre neue Nase hat es nicht gratis gegeben, 8000 Euro kostete die Operation in der Bodenseeklinik in Lindau.

Die Eltern konnten so viel Geld damals nur mit Mühe zusammenkratzen. Doch sie waren entschlossen zu helfen, denn sie hatten am eigenen Leib erfahren, was es heißt, mit einer großen Nase geboren zu sein. Katharinas Mutter ließ sich ihre bereits mit 20 Jahren operieren. Der Vater steht zu seinem Hakenzinken. Als Mann sei das nicht so schlimm, findet er.

Die große Koalition plant ein Verbot

Als die Tochter 16 ist, spürt er instinktiv, dass ihre Sorgen nicht mit denen eines normalen Teenagers vergleichbar sind. Jede Jugendliche fühlt sich manchmal unattraktiv, das weiß der Vater. Doch Katharina ist zutiefst verunsichert, bis zur Verstörung verschüchtert, traut sich nicht aus sich heraus. Dann kommt auch noch die Scheidung der Eltern. Eine neue Nase als Entschädigung? Nein, so einfach sei das natürlich nicht. Es habe so viele Gründe gegeben, sich für die Operation zu entscheiden, sagt der Vater.

Geht es nach den Gesundheitsexperten der großen Koalition in Berlin, werden Operationen wie die von Katharina Meier bald nicht mehr möglich sein. Schönheitseingriffe ohne medizinische Ursache soll es für Minderjährige nicht mehr geben. Damit wollen die Politiker verhindern, dass die Kinder reicher Eltern zum Geburtstag eine Brustvergrößerung geschenkt bekommen.

Werner Mang ist bekannt als der Arzt der Schönen und Reichen. Trotzdem versichert er: „Solche Eltern kenne ich nicht.“ Das Ansinnen der schwarz-roten Koalition hält Werner Mang für übertriebene Regelungswut. Das sei „eine Entmündigung der Eltern“, die in den meisten Fällen die allergrößten Bedenken hätte, wenn es um das Wohl ihrer Kinder gehe, sagt er.