Ein Plädoyer Hundehalter - eine verfolgte Minderheit
Frank Buchmeier, 10.03.2010 11:04 Uhr
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Siesta im Schlossgarten: fünf Hunde sind unangeleint. Das macht 250 Euro Bußgeld plus Bearbeitungsgebühr. Foto: Steffen Burger
Siesta im Schlossgarten: fünf Hunde sind unangeleint. Das macht 250 Euro Bußgeld plus Bearbeitungsgebühr. Foto: Steffen Burger
""Muss man sich in die Hose machen, wenn mal ein Hund an einem hochspringt?""
Rhetorische Frage in der „Süddeutschen“

Stuttgart - Stuttgart ist die deutsche Metropole mit den höchsten Feinstaubwerten und der geringsten Hundedichte. Europäische Umweltgesetze werden seit Jahren von den Regierenden so gut wie möglich ignoriert, doch wenn eine Rentnerin fünf Minuten mit ihrem unangeleinten Chihuahua durch einen Park schleicht, ist sie 50 Euro Verwarnungsgeld plus 23,50 Euro Bearbeitungsgebühren los. Für diesen Tarif kann man wahlweise sieben Mal eine Bierflasche auf dem Gehweg zerdeppern oder seinen Wagen drei Mal auf einem Behindertenparkplatz abstellen. Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht.

Baden-Württemberg lässt wegen rechtlicher Bedenken millionenschwere Betrüger laufen, die ihre Penunzen illegal in der Schweiz gehortet haben. Gleichzeitig engagiert die Landeshauptstadt für 300.000 Euro eine Privatfirma, um säumige Hundesteuerzahler ausfindig zu machen. Die Spitzel ziehen von Tür zu Tür und fordern Bürger auf, ihre Nachbarn zu denunzieren. Unterm Strich kommt bei diesem deutsch-demokratischen Vorgehen nichts raus - außer mieser Stimmungsmache gegen die Minderheit von Hundehaltern.

Tatsache ist: mit Ausnahme von Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und eben Deutschland kassiert kein europäischer Staat eine Hundeabgabe. Selbstverständlich ist hierzulande der Steuersatz am höchsten - weltweit. In einer 2006 veröffentlichten Studie der Göttinger Volkswirtschaftsprofessorin Renate Ohr heißt es: "Ausgaben zur Beseitigung irgendwelcher Belastungen, die der Gesellschaft durch die Hundehaltung entstehen, machen nur einen Bruchteil des Hundesteueraufkommens aus, so dass die Hundesteuer vor allem zur Deckung anderer Staatsaufwendungen beiträgt." Katzensteuer oder Pferdesteuer gibt's nicht, obwohl Katzen Sandkästen als Toiletten missbrauchen und Pferde mit ihren Hufen Waldwege umpflügen.

Kompromissbereitschaft stößt auf Hausmeister-Gehabe


Was bekomme ich für die 108 Euro, die ich für meinen Vierbeiner jährlich an die Kommune überweise? Nichts. Stattdessen muss ich das hausmeisterhafte Gehabe der Stadtverwaltung ertragen, die mich mit Verboten und Pflichten überzieht. Brav spure ich. In Let's-Putz-Manier klaube ich die Haufen auf, die mein treuer Gefährte am Wegesrand hinterlässt und schleppe die schwarzen Kotbeutel bis zum nächsten öffentlichen Mülleimer (von denen es aufgrund der Sparzwänge viel zu wenige gibt).

Kommentare (48)
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MRZ
22
Flüchtling, 12:27 Uhr

Hund und...

Heute bin ich durch Zufall auf diesen herrlichen Artikel gestoßen. Die Schreibe trifft den Punkt. Letztes Jahr war ich nach langer Abwesenheit auf Familienbesuch in Stuttgart. Der Hund war natürlich dabei - kein Frage. Ich weiß nun wieder weshalb ich vor Jahren "dem Ländle" den Rücken gekehrt habe... böses Blut scheint in den Genen der meisten dort fest verankert zu sein.

MRZ
16
Gert Walliser, 13:37 Uhr

Aktion für mehr Hunde-Rechte

@Dagmar: Es gibt schon eine Bürger-Initiative, die sich um Hundeauslaufflächen in Stuttgart bemüht: www.stuttgart-fuer-hunde.de . Dort gibt es auch Infos über schon vorhandene Hundeauslaufbereiche. Diese von mir ins Leben gerufene Aktion hat schon einige Unterstützer, aber angesichts von ca. 11.000 in Stuttgart lebenden Hunden sind das noch entschieden zu wenige. Daher sind wir für jede Unterstützung dankbar. In ein paar Wochen werden wir mit einer Unterschriften-Aktion starten und dann mit den verantwortlichen Politikern in Kontakt treten. Ganz besonders würden wir uns freuen, wenn sich der Autor des Plädoyers bei uns melden würde, denn wir scheinen auf der gleichen Wellenlänge zu sein.

MRZ
15
Stefan, 13:04 Uhr

Führerschein für Hundehalter

Ich habe selbst einen Hund und ich finde in dem Artikel steckt viel Wahrheit. Hundesteuer und Ordnungsgelder für Hundehaufen stehen in keinem gesunden Verhältnis zu vergleichbaren abgaben. Ich finde den Artikel aber auch polemisch. Es ist zwar richtig, es gibt sehr viel wichtigere Probleme im Straßenverkehr zu lösen als Hundehaufen zu beseitigen aber Kriminalität und Hundehaufen lassen sich auch nicht vergleichen. Und das Problem von Glasscherben im Park ist insbesondere für meinen Hund ein größeres als ein Hundehaufen das jemals für einen Menschen sein kann. Wie auch immer, eine Pistole ist auch ungefählich außer in den falschen Händen. ein hund ist potentiell gefählich weil man nie den Halter dahinter kennt und man muß die Angst der Mitbürger vor Hunden respektieren und ernst nehmen. Daher finde ich einen Hundeführerschein für sehr viel praktikabler. Ein Wesenstest bei Hunden.. was soll der schon aussagen. Ein Wesenstest bei hundehalter gibt auskunft darüber, was er für einen Hund haben wird..

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