Ein Tag in der Erfinderberatungsstelle Unter Tüftlern

Von David Sahay 

Der Weg von einer Idee zu einem erfolgreichen Produkt ist steinig. In Stuttgarts Erfinderberatung nehmen viele Anlauf. Wer strauchelt und wer springt?

Der Erfindergeist steht im und wabert durch den Raum. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Erfindergeist steht im und wabert durch den Raum. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der erste Besucher an diesem Donnerstag im Frühling verschwindet so schnell, wie er gekommen war. Zurück lässt der junge Mann aus Karlsruhe nur ein Blatt Papier auf dem Tresen am Empfang. Am Morgen hatte er gleich als Erster den Zettel für die Anmeldung zur Erfinderberatung ausgefüllt. Das kostenlose Angebot im Infozentrum für Patente hilft Erfindern, Existenzgründern und kleinen Unternehmen seit 109 Jahren dabei, ihre Ideen zu schützen.

Auf dem Weg von der Idee zu einem erfolgreichen Produkt kann die Beratung ein Sprungbrett sein. Für viele endet aber bereits die Recherche in der Datenbank in einer Sackgasse. Immer donnerstags liegen Enthusiasmus und Enttäuschung hier so besonders dicht beieinander. Dabei haben große Ideen in diesem Winkel im Haus der Wirtschaft grundsätzlich ihren Platz: Sechs Meter hohe Decken mit riesigen Fenstern lassen die lichtdurchflutete Halle wie eine Kathedrale der Denker wirken. Spätestens der Blick in einen der zehn Computer holte den junge Karlsruher jedoch auf den Boden der Tatsachen zurück: Seine Idee hatte schon jemand anders, sie ist bereits patentiert. In Bernd Häußlers kleines Büro im Nebenzimmer gelangte er daher nie.

Häußler schafft seit 20 Jahren im Infozentrum Patente, leitet die Erfinderberatung und das Recherchezentrum. Die Datenbanken in den Computern mit Millionen Erfindungen nutzt er wie ein Fisch das Wasser. Am Morgen steht er in der Mitte der Halle und lässt den Blick über die Besucher schweifen, die an den Computern nach ihren Einfällen suchen. Die Profis erkennt man daran, dass sie allein recherchieren. Bei Anfängern sitzen Mitarbeiter mit Namensschild daneben und erklären, wie man recherchiert.

Näher am Problem als an der Lösung

Natürlich hofft jeder, seine Idee nicht zu finden. Wer etwas patentiert, sichert sich ein Monopol: Für maximal 20 Jahre darf niemand die Erfindung nachahmen – doch Geistesblitze sind rar. Der französische Schriftsteller Victor Hugo behauptete: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Die meisten Ideen sind ihrer Zeit allerdings hinterher.

Das liegt nicht zuletzt daran, wie viele Ideen es gibt: Allein im vergangenen Jahr wurden 14 374 Patente von Anmeldern aus Baden-Württemberg geschützt. „50 Prozent der Einfälle findet man in 15 Minuten, es hat sie schon gegeben“, erklärt Häußler. „Manchmal sogar mehrfach.“

Auch die Erfindung des jungen Manns mit der Wartenummer 1 ist bereits patentiert gewesen: Er wollte Salzwasser mit der Energie der Sonne verdampfen und so Süßwasser gewinnen. Schon nach wenigen Minuten fand er seine Idee in der Datenbank. Noch bevor Häußler seine Bürotür für den Tüftler öffnen konnte, war der Traum geplatzt. Die meisten anderen an diesem Tag werden mehr Glück haben.