Einzelhandel in Ludwigsburg Die Innenstadt will hipper werden

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Seit der Neueröffnung des Marstall-Centers klagen viele Einzelhändler in der City über rückläufige Kundschaft. Doch die vielen derzeit leer stehenden Läden täuschen: neue Konzepte stehen schon in den Startlöchern.

Ist der Blick in die Zukunft düster oder rosig? Der Luis-Vorsitzende Carsten Gieck vor dem einzigen unvermieteten leer stehenden Geschäft in der Seestraße. Foto: factum/Weise
Ist der Blick in die Zukunft düster oder rosig? Der Luis-Vorsitzende Carsten Gieck vor dem einzigen unvermieteten leer stehenden Geschäft in der Seestraße. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Wer dieser Tage durch die Seestraße läuft, könnte den Eindruck bekommen, dass hier das große Ladensterben eingesetzt hat: Hinter immer mehr Glasfassaden herrscht Leere, oder die Fenster sind gleich mit Papier verhängt. Ist das nun also die Folge davon, dass vor knapp einem Jahr das Marstall-Center in der Unterstadt neu eröffnet hat und auf einen Schlag 70 neue Geschäfte auf einer Fläche von 25 700 Quadratmetern für die Ludwigsburger Konsumgesellschaft zur Verfügung standen? Stirbt jetzt der Einzelhandel in der Ludwigsburger Innenstadt einen langsamen Tod?

Das sieht Carsten Gieck, der Vorsitzende des Luis, des Ludwigsburger Innenstadtvereins, natürlich nicht so. „Es gibt immer Leute, die laut klagen. Aber man muss die Situation als Chance sehen“, sagt er. Im Übrigen täusche der Eindruck: Wirkliche Leerstände, also unvermietete Läden in der Seestraße gebe es derzeit nur einen. Bei allen anderen derzeit geschlossenen Geschäften werde schon wieder fleißig an neuen Geschäftsideen gebastelt. „In drei Wochen sieht es hier schon wieder ganz anders aus“, sagt der Luis-Chef.

Die Breuninger-Erweiterung als Damokles-Schwert

Was Gieck jedoch nicht abstreiten kann und will, ist, dass der Einzelhandel in der Ludwigsburger Innenstadt einen grundlegenden Wandel durchläuft. Da ist zum einen der Druck durch den Online-Handel. Zum anderen machen auch das Wetter, die sich verschiebenden Jahreszeiten, den Händlern mit ihren traditionellen Winter- und Sommerschlussverkäufen zu schaffen. Das ist jedoch überall so und kein spezielles Ludwigsburg-Problem.

Problematischer sind da schon das Marstall sowie die geplante Breuninger-Erweiterung, die wie ein Damokles-schwert drohend über dem Einzelhandel der Innenstadt schwebt. Doch auch hier gibt sich Gieck optimistisch: Der Gemeinderat und auch die Region werde der Erweiterung nicht zustimmen. Und das Marstall habe, zumindest in der Außenwirkung, einen positiven Effekt auf die Ludwigsburger Unterstadt gehabt. Zu lange habe der Einzelhandel dort brachgelegen, „das hat sich wie bei einem faulen Apfel die Stadt hochgefressen“, sagt er. Gleichwohl habe das Marstall für den Einzelhandel eine Frequenzverschiebung gebracht. „Die Händler müssen jetzt ihre Konzepte hinterfragen. Wer nicht in Bewegung bleibt, geht unter.“

Individuelle Konzepte für die Innenstadt

Die Seestraße sei ein gutes Beispiel dafür: Von der reinen Einkaufsstraße entwickle sie sich zu einer Straße mit „Aufenthaltsqualität“ und Außengastronomie. Neu dazugekommen sind ein Weinladen, ein Concept-Store, auch ein interkulturelles Café soll bald kommen. „Wir brauchen individuelle Konzepte, die sich vom Mainstream der Einkaufszentren abheben“, sagt Gieck und nennt die Calwer Passage in Stuttgart als ein gutes Beispiel. Mehr Pop-up-Stores, sprich kurzfristige Läden in Zwischennutzung, und Start-ups seien gefragt. Kurzum: Die Konsummaterialisten können ruhig weiter ins Marstall oder zu Breuninger gehen, aber die Hipster sollen ihr Geld bitte in der Innenstadt lassen.

Die Stadt ist ähnlich optimistisch: Der Einzelhandel in Ludwigsburg habe sich entgegen der allgemeinen Tendenz in den meisten Städten positiv entwickelt. Der Seestraße fehle jedoch ein großer Frequenzbringer, deswegen müsse sie ihr Profil schärfen. Luis und die Wirtschaftsförderung der Stadt arbeiteten mit den Ladeninhabern und Eigentümern an den Themen Erreichbarkeit, Orientierung, Wiedererkennung und Kundenbindung. Der Stadtsprecher Peter Spear muss jedoch in Bezug auf die Umgebung des Marstalls einräumen, dass „beim Angebot am Reithausplatz und der unteren Kirchstraße noch Steigerungspotenzial in Bezug auf die Wertigkeit des Konzepts besteht“.

Inwiefern sich die Erwartungen des Marstall-Centers erfüllt haben, was die Kundenfrequenz angeht, kann die Center-Leitung in dieser Woche urlaubsbedingt nicht kommentieren. Man verweist dort auf die baldige Pressekonferenz zum einjährigen Bestehen.