Energiewende in der Region Auch in der Region wird das Stromnetz erweitert

Thomas Faltin, 15.08.2012 21:28 Uhr

Stuttgart - Am Mittwoch haben die vier Betreiber der deutschen Übertragungsleitungen ihren überarbeiteten Entwurf für den Ausbau der Stromnetze in Deutschland veröffentlicht – für die Region Stuttgart hat sich nichts geändert. Es bleibt dabei: Um die Energiewende zu schaffen, soll eine 60 Kilometer lange neue Leitung von Ebersbach im Kreis Göppingen nach Hüttlingen in den Ostalbkreis gebaut werden. Zwei Leitungen – von Neckarwestheim nach Stuttgart-Mühlhausen sowie von Ludwigsburg-Hoheneck nach Reutlingen – müssen auf den heutigen Trassen auf 380 Kilovolt erweitert werden . Diese beiden Arbeiten laufen bereits.

Vor allem der Strom von den vielen neuen Windkraftanlagen an den Küsten und auf See muss in neuen Leitungen in den Süden transportiert werden. Dafür sind bis zum Jahr 2022 vier weitere Stromautobahnen vorgesehen. Gleich zwei Stränge enden in Baden-Württemberg. Einer führt von Niedersachsen über Nordrhein-Westfalen bis nach Philippsburg; der andere kommt von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg, wo er sich teilt und bis Neckarwestheim sowie bis Aalen reicht.

Landesweit müssen 330 Kilometer neue Leitungen entstehen

Insgesamt müssen im Land 330 Kilometer Leitungen gebaut werden. Eine dieser neuen Verbindungen soll quasi den Strom in die Region Stuttgart bringen, der durch die Stilllegung des Kernkraftwerks Neckarwestheim bis 2022 fehlen wird, sagte Angela Brötel, die Sprecherin von Transnet-BW. Das Unternehmen gehört neben 50-Hertz, Tennet und Amprion zu den vier Betreibern der großen Übertragungsnetze.

Eine konkrete Trasse für die Verbindung von Ebersbach nach Hüttlingen gibt es noch nicht. Derzeit werde eine Vorab-Machbarkeitsstudie angefertigt, die von einer Freileitung ausgeht, so Angela Brötel. Schon im ersten Entwurf des Netzentwicklungsplanes, den die vier Betreiber im Mai vorgestellt haben, wird aber eine eher schwierige Umsetzung befürchtet. Einerseits müsse die Schwäbische Alb überquert werden, wodurch viele Anforderungen des Landschaftsschutzes und des Naturschutzes berücksichtigt werden müssten. Andererseits führe die Trasse, egal wie sie letztlich verläuft, durch dicht besiedeltes Gebiet. Es werde deshalb sicherlich zu „Reibungen mit dem Schutzgut Mensch“ kommen, wie das im Branchenjargon heißt.

Inbetriebnahme der Trasse im Jahr 2022

Das eigentliche Genehmigungsverfahren für die Trasse steht noch aus; die Inbetriebnahme ist für 2022 vorgesehen. Die Gemeinde Ebersbach, auf deren Markung die Leitung ihren Ausgangsort hat, ist bisher über das Vorhaben nicht informiert gewesen, wie Bürgermeister Sepp Vogler mitteilte.

Bei der Verbindung von Großgartach im Landkreis Heilbronn nach Mühlhausen wird die 25 Kilometer lange Teilstrecke ab Neckarwestheim von 220 auf 380 Kilovolt ausgebaut; dabei werden die Strommasten teils erneuert, teils werden die Leitungen ausgetauscht. Lediglich bei Aldingen werde geringfügig von der heutigen Trasse abgewichen, so Transnet-BW. Auf der Trasse von Ludwigsburg nach Reutlingen wird an die bestehenden Masten eine 380-kV-Leitung gehängt. Diese beiden Maßnahmen sollen im Jahr 2013 abgeschlossen sein.

2100 Eingaben zum ersten Entwurf des Netzplans

Seit dem ersten Netzentwicklungsplan hatten die Bürger von Mai bis Juli Gelegenheit, sich zu den Vorhaben zu äußern. Etwa 2100 Eingaben sind bundesweit eingegangen. Der zweite Entwurf beantwortet nun Verständnisfragen. Viele Bürger fürchten in den Eingaben um ihre Gesundheit, wenn eine Leitung in ihrer Nähe auf 380 Kilovolt, die höchste Netzstärke, erweitert werde. Andere erkundigen sich, warum die Leitungen nicht als Erdkabel verlegt werden.

Das aber wäre sehr viel teurer, weil große Bodenbewegungen nötig seien und weil das Überqueren von Flusstälern sehr aufwendig sei, so die Netzbetreiber. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat vor Kurzem Zahlen genannt: Der Ausbau des Stromnetzes koste bis 2022 bundesweit rund 20 Milliarden Euro – bei einem Verkabelungsgrad von nur 20 Prozent werden die Kosten auf 36 Milliarden Euro hochschnellen. „Hier wird es noch Diskussionen geben müssen“, sagte er lapidar. Grundsätzlich hält Untersteller den derzeitigen Netzentwicklungsplan für „belastbar und realistisch“.

Der Plan muss jetzt noch mehrere Stationen durchlaufen, darunter eine Umweltprüfung und eine Entscheidung der Bundesregierung. Betroffene Bürger können im Planfeststellungsverfahren für jede Trasse ihre Einwendungen vorbringen.