Energiewende Kritiker: Land opfert viel Wald für Windräder

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Der Bau von Windrädern führt zu Konflikten zwischen Parteien, Verbänden und Behörden. Die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ wirft der landeseigenen ForstBW vor, einen „überhasteten Auskauf“ des ökologisch wertvollen Waldes zu betreiben.

Im Wald sollen nicht so viele Windräder in den Himmel wachsen. Foto: dpa
Im Wald sollen nicht so viele Windräder in den Himmel wachsen.Foto: dpa

Stuttgart - Seit mehr Windräder im Land aufgerichtet werden, müssen sich manche Parteien, Verbände und Behörden im großen Spagat üben. Die Grünen oder der Naturschutzbund zum Beispiel: sie wollen die Natur schützen und gleichzeitig die Energiewende schaffen – das führt zu Zielkonflikten. Auch der Landesbetrieb ForstBW, der für eine Milliarde Bäume oder 330 000 Hektar Staatswald zuständig ist, hat bei der Windkraft mit diesen sich widerstrebenden Aufgaben zu tun. Die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ ist der Meinung, ForstBW betreibe einen „überhasteten Ausverkauf“ des ökologisch wertvollen Waldes, um die Landesregierung bei ihren Ausbauzielen zu unterstützen und um die eigenen Kassen zu füllen. Die BI der Windkraftgegner hat im Frühjahr 2015 eine Petition an den Landtag gestellt. Ende Januar wird darüber entschieden.

Lukrativ ist das Geschäft mit der Windkraft allemal. Laut den Geschäftsberichten macht ForstBW mit der herkömmlichen Bewirtschaftung des Waldes einen Gewinn von etwa 130 Euro pro Hektar und Jahr; die Pacht für Windräder soll hingegen zwischen 20 000 und 60 000 Euro pro Hektar und Jahr betragen. Seit die grün-rote Regierung 2012 das Planungsrecht geändert hat, um Windräder schneller zu ermöglichen, hat ForstBW 55 Pachtverträge für etwa 200 Windräder abgeschlossen, wie Ulrich Arzberger, der Sprecher des Ministeriums für Ländlichen Raum, mitteilt. In dieser Größenordnung werden also in den nächsten Jahren Anlagen in den Wäldern gebaut werden. Gewerbliche Investoren machen 43 Prozent der Vertragspartner von ForstBW aus, große Energieunternehmen 28 Prozent. Knapp 30 Prozent der Verträge wurden mit Stadtwerken und Bürgerenergiegenossenschaften geschlossen. Zum Vergleich: im Moment sind in ganz Baden-Württemberg gut 400 Anlagen in Betrieb; Ziel sind 1100 Räder bis 2020.

Profitable Pachteinnahmen

Die Windkraftgegner sind laut ihrer Petition der Ansicht, dass die Landesregierung den Staatswald voreilig zur Verfügung stellt. Denn eigentlich „darf Wald nur nachrangig für Windkraft genutzt werden, wenn außerhalb von Wäldern nicht ausreichend verträgliche Standorte vorhanden sind“, sagt Michael Haueis von der BI „Pro Schurwald“. ForstBW biete dagegen „offensiv und vorrangig“ Flächen an, und zwar teils, bevor die Regionalverbände das Waldstück für die Windkraft zugelassen haben.

Außerdem halten die Windkraftgegner die Forstverwaltung für befangen: ForstBW profitiere nämlich von der hohen Pacht, sei aber gleichzeitig die Genehmigungsbehörde für die erforderliche – Achtung, furchtbares Wort – Waldumwandlungsgenehmigung. Außerdem sehen die Gegner die Kriterien, nach denen ForstBW aus allen Bewerbern die geeigneten auswählt, als unzureichend an: Zu 70 Prozent zählt in dem Bewertungsverfahren der Preis; die Qualität der technischen und finanziellen Projektvorbereitung wird nur zu 30 Prozent berücksichtigt. So bekämen selbst Projektierer den Zuschlag, die insolvenzgefährdet oder in Bestechungsskandale verwickelt seien, kritisiert Haueis. Auch hätten Bürgerenergiegenossenschaften bei diesem Verfahren kaum eine Chance. Tatsächlich wurden bisher nur zwei oder drei der 55 Flächen allein, also ohne Kooperationspartner, an Bürger vergeben.

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7 KommentareKommentar schreiben

Energiewende: Es ist längst bewiesen, dass Windkraft weder Kraftwerke ersetzt, noch CO2 reduziert und dass immer ein Grundlastwerk zur zuverlässigen Stromerzeugung bereit sein muss. Trotzdem will unsere 'Grüne' Regierung unbeirrt an den Plänen festhalten und bis zu 1100 Windräder in Baden-Württemberg, dem windschwächsten Bundesland Deutschlands, aufstellen. Wie heißt es so schön in Ihrem Artikel: "Lukrativ ist die Windkraft allemal ". Ja, stimmt, zumindest für einige wenige ist dieser höchstsubventionierte Zufallsstrom lukrativ. Für Mensch, Tier und Natur weniger. Aber wen interessiert das !

Wer produziert die meisten klimaschädlichen Gase?: Ganz abgesehen davon, dass keiner von den eigentlichen Feinden der Klimaerwärmung sprechen will, kann nirgens so viel CO2 mit der Vermeidung der fossilen Brennstoffe, Öl-Gas-Kohle, eingespart werden, wie mit der Vermeidung von Massentierhaltung. Das ist eine bewiesene Tatsache, aber ein so heißes Eisen, dass sich kein Naturschutzverband geschweigen denn die Politiker wagen, das auch nur anzudeuten. Wer die Welt retten will, verzichtet auf tierische Produkte und vernichtet keine schwachwindigen Wälder mit schwachsinnigen Windkraftanlagen.

Gegenüberstellung: Ob etwas stört oder nicht, sollte doch eine Frage des Nutzens sein? Windkraft kann nachweislich kein Kraftwerk ersetzen! Beispiel gefällig? Seit gestern morgen 5 Uhr liegt die Windstromeinspeisung ALLER WKA in Baden-Württemberg unter 1% ! Es ist nämlich Flaute im Land. Kein Wind - kein Strom. Kann man laufend nachlesen bei transnetbw.de. 26.000 Windräder in Deutschland konnten bis heute kein einziges Kraftwerk ersetzen.

Windräder: Wenn viel Geld zu verdienen ist, schreckt die ForstBW, die Grünen, die SPD und auch Privateigentümer vor nichts zurück. Auf einmal soll Wald gerodet werden, der Jahrzehnte lang im Landschaftsschutzgebiet war. Windräder sollen bis auf 450 m Abstand an einen Wohnort (Aichwald-Aichschieß) installiert werden. Nur ein Rotmilan oder eine Kolonie Juchtenkäfer können dies verhindern. Die Menschenkolonie wird bei der Betrachtung ignoriert. Was für ein Wahnsinn !!!

Wald: Der Wunsch von den "siedlungsfernen und windhöffigen Höhenlagen" auf dem Schurwald ist und bleibt eine Mär. Mehrere Messungen haben gezeigt, dass dort zu wenig Wind weht, die Standorte sind deshalb eingestellt worden. Am Standort GP03 jedoch, der alten BW-Deponie, wurde der Wert von gemessenen 5,3 auf 5,7 Meter/Sekunde hochgerechnet – bis dato hatten Befürworter die vertretbare Untergrenze bei 6,0 Meter/Sekunde fixiert. Übrigens muss auch bei dem Depot angrenzender Wald für zwei Windräder gerodet werden, weil die Fläche sonst nicht ausreicht – ein Fakt, der erst jüngst bei einer Bürgerinfo publik wurde. Zur Überraschung aller engagierten Bürger. Und siedlungsfern? Auf dem dicht bevölkerten Schurwald? Ja, wenn 1,1 Kilometer Abstand siedlungsfern ist, dann stimmt das. So nah sollen vier Windkraftanlagen im Format des Stuttgarter Fernsehturms an den Schorndorfer Ortsteil Unterberken heranreichen. Zwei von ihnen stehen, wie gesagt, im Wald. Aber hier geht es auch immer noch um Menschen. Daher fordere ich Sach- und Rechtsgutachten durch unabhängige Sachverständige, welche die unsinnigen Erkenntnisse, die bisher eine Wirtschaftlichkeit und Unbedenklichkeit herbeizaubern, schlichtweg widerlegen. Die kämen dann auch dem Wald zugute.

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