Energiewende Niedrige Börsenpreise treiben EEG-Umlage

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Wie hoch fällt die Umlage für erneuerbare Energien 2017 aus? Das werden die Übertragungsnetzbetreiber am Freitag beantworten. Im Vorfeld kocht von verschiedenen Seiten die Diskussion über Sinn und Ablauf der Energiewende hoch.

Die Experten streiten darüber, was die Energiewende kostet und was  es kosten würde, wenn es sie nicht gäbe. Foto: dpa
Die Experten streiten darüber, was die Energiewende kostet und was es kosten würde, wenn es sie nicht gäbe.Foto: dpa

Stuttgart - Insgesamt 520 Milliarden Euro. Mit dieser Zahl hat die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in dieser Woche – kurz vor Veröffentlichung der EEG-Umlagenhöhe für das Jahr 2017 – die Schlagzeilen zum Thema erneuerbare Energien geprägt. Die von Arbeitgeberverbänden getragene Denkfabrik hatte eine Studie in Auftrag gegeben, die die Kosten der Energiewende bis zum Jahr 2025 errechnen sollte. Das Ergebnis ist die eingangs erwähnte Summe. Heruntergebrochen auf eine vierköpfige Familie ergeben sich Kosten von 25 000 Euro – davon alleine 18 000 Euro, die in den Jahren 2016 bis 2025 anfallen. Das entspricht dem Einstiegsmodell eines VW Golf und birgt entsprechenden Zündstoff.

Zur Berechnung zählt das beauftragte Institut, das Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomik (Dice), direkte und indirekte Kosten der Energiewende zusammen. Zu den direkten zählen die Wissenschaftler unter Führung von Dice-Chef Justus Haucap, früher Vorsitzender der Monopolkommission, die EEG- und die KWK-Umlage, also die Abgaben, die Stromverbraucher für die Förderung erneuerbarer Energie und von Kraft-Wärme-Kopplung (wie Fernwärme- oder Blockheizkraftwerke) bezahlen müssen. Sie machen zwischen 2000 und 2025 mit insgesamt 425 Milliarden Euro den ­Löwenanteil aus.

Experte sieht Energiewende außer Kontrolle

Zu den indirekten Kosten zählt das Dice unter anderem Kosten für den Netzausbau, die Haftung für den Ausbau von Windenergieanlagen auf dem Meer, Kosten für netzstützende Maßnahmen und für negative Strompreise, die immer dann entstehen können, wenn es – etwa bei starkem Wind – zu viel Strom auf dem Markt gibt.

„Die Energiewende ist und bleibt außer Kontrolle“, bewertete INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr das Ergebnis der Studie, die „zum ersten Mal überhaupt eine Gesamtkostenrechnung der Energiewende“ aufstelle. Vor drei Jahren hatte der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) mit der öffentlich geäußerten Prognose geschockt, die Kosten der Energiewende könnten sich „bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts auf rund eine Billion Euro summieren“.

Allerdings stößt die Studie auch auf energische Kritik – und das nicht nur von Profiteuren der Energiewende. So rügt beispielsweise ein Sprecher von Agora Energiewende, einer Denkfabrik, die vom heutigen Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums Rainer Baake gegründet wurde, die Dice-Studie berücksichtige nicht, welche Kosten die Stromerzeugung nach sich ziehen würde, wenn es keine Energiewende gäbe. Zudem sei es nicht legitim, die Summe der EEG-Umlagenzahlungen als Indikator zu nehmen. Schließlich steige die Umlage im Gegenzug zum Sinken des Strompreises. Und dass der sinkt, liegt nicht zuletzt am preisdämpfenden Effekt des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Auch bei dem aktuellen Anstieg kommt ein großer Teil – nach Agora-Schätzung mindestens 50 Prozent – des Umlagenanstiegs aus dem Sinken des Marktpreises. Für die Verbraucher ist das insofern eine gute Nachricht, als der Anstieg der EEG-Umlage kein Grund für eine höhere Stromrechnung sein darf. Schließlich ist im Gegenzug der Strombezug billiger geworden.

Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft legt Gegenentwurf vor

Eine Art Gegenentwurf zu der Studie des Dice hat ebenfalls in dieser Woche das Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) vorgelegt. Im Auftrag des Ökostromanbieters Greenpeace Energy hat das Institut bereits zum wiederholten Mal die „Konventionelle-Energien-Umlage“ errechnet, mit der es die versteckten Kosten hinter Strom aus Kohle, Atom und Gas aufdecken will. Einberechnet sind dabei Kosten der Förderung dieser Energiearten – wie Steuervergünstigungen oder die Kosten für die Endlagersuche – sowie externe Kosten durch Umwelt- und Klimaschäden: Würden diese Kosten, die bis jetzt vom Steuerzahler beglichen werden, ebenfalls alsUmlage auf alle Stromkunden umgelegt, läge diese Abgabe zwischen 9,4 und 10,8 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich höher als die EEG-Umlage, die derzeit mit 6,35 Cent pro Kilowatt­stunde zu Buche schlägt.