Esslingen Cool, winterfest und politisch aktiv

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Die Kuhle Wampe gibt es seit 34 Jahren. Trotz mancher Nachwuchssorgen funktioniert das Leben des Motorradclubs. Die Biker engagieren sich im Kampf gegen Neonazis, und in der offenen Zweiradwerkstatt wird mittwochs immer noch munter geschraubt.

Achim Hierl (links) schraubt in der Wampe-Werkstatt an seinem Moped.  Thomas Maier gibt seinem Kumpel Tipps. Foto: Horst Rudel
Achim Hierl (links) schraubt in der Wampe-Werkstatt an seinem Moped. Thomas Maier gibt seinem Kumpel Tipps.Foto: Horst Rudel

Esslingen - Nichts für Schönwetterfahrer ist die nun zu Ende gehende Motorradsaison gewesen. Mehr als einmal sind die Biker des Esslinger Motorradclubs Kuhle Wampe in den vergangenen Wochen und Monaten ordentlich nass geworden. Doch die „Wampen“, wie die Angehörigen des Motorradclubs auch genannt werden, sind nicht aus Zucker und schwingen sich auch bei Wind und Regen auf das Moped. Manches hat sich verändert in den 34 Jahren seit der Gründung, beispielsweise die früher verpönten und heute gängigen Windschutzscheiben an den Maschinen. Anderes ist gleich geblieben, etwa das antifaschistische Profil der Kuhlen Wampe.

Zeichen gesetzt gegen Nazi-Rockerclubs

So engagiert sich der Club unter anderem im Esslinger Bündnis gegen Rechtsextremismus. Und wenn der Verein Kreis Göppingen nazifrei zu Aktionen aufruft, dann zeigen die Motorradfahrer eindeutig Flagge. Thomas Maier erinnert sich an die Anfänge des Clubs, der im Jahr 1980 als der bundesweit dritte Wampen-Zusammenschluss gegründet worden ist. „Der Grund für uns war, dass in dieser Zeit immer mehr Nazi-Rockerclubs entstanden sind. Nach dem Motto ,wir fahren mit Hirn durch die Gegend‘ wollten wir gegen diese Entwicklung ein Zeichen setzen“, erzählt Maier. „Wir sind ein antifaschistischer Motorradclub.“

Die Esslinger Wampen sind reifer und damit auch flexibler geworden. Das Gros der Biker ist zwischen 45 und 50 Jahre alt, viele von ihnen haben Familien gegründet und somit vielerlei Verpflichtungen. Die früher obligatorischen antifaschistischen Rundfahrten an jedem 8. Mai zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus beispielsweise sind längst keine Pflichttermine mehr. Zwar hat die Zahl der Mitstreiter nach einer Delle vor einigen Jahren nun wieder ein mittleres Niveau erreicht. Doch räumen die Wampen ein, dass sie dennoch ein Nachwuchsproblem haben.

Zahl der Motorradzulassungen gestiegen

„Es gab zwei Generationen, die vom Roller direkt auf das Cabrio umgestiegen sind“, erklärt Maier. Wenn sich die Aussteiger dann irgendwann entschließen, sich wieder auf ein Motorrad zu setzen, dann seien diese Fahrer meist nicht die Zielgruppe der Kuhlen Wampe mit ihrem politischen Anspruch. Nicht dass es zu wenig Motorradfahrer gäbe: Den Zahlen des Landratsamts zufolge ist die Zahl der angemeldeten Motorräder im Kreis Esslingen von knapp 27 000 im Jahr 2008 auf zuletzt mehr als 30 000 gestiegen.

Bei allem politischen Engagement ist für die Wampen, die sich selbst als „die etwas anderen Motorradfahrer“ bezeichnen, Motorradfahren doch vor allem auch ein Freizeitvergnügen. Der Spaß steht auch bei diesem Club im Vordergrund. Man trifft sich in den Clubräumen im Esslinger Komma. Dort, in der Maille 5-9, befindet sich auch die offene Zweiradwerkstatt, in der Biker mit zwei linken Händen mittwochs von 19 Uhr an Hilfestellung bekommen. Nicht nur Motorradfahrern, auch Radlern greift der Club unter die Arme. Wer die Hilfe in Anspruch nimmt, berappt fünf Euro, Nichtverdiener zahlen drei Euro. Thomas Maier: „Und wenn wir merken, dass einer gar kein Geld hat, dann sagen wir: ,Komm, du kriegst noch eine Wurst dazu.‘“ Denn bei schönem Wetter wird im Hinterhof gegrillt.

Beim Pinguintreffen wird tapfer gefroren

Aber nicht nur im Sommer ist die Kuhle Wampe draußen. Stets im Februar beweisen die Clubs in ganz Deutschland, dass sie keine Warmduscher sind. Wer mit seinem Moped zum Pinguintreffen fährt, schläft tapfer im Zelt, auch wenn die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt liegen. Thomas Maier, der inzwischen schon mal den Bus von Zell zu den Clubabenden in der Esslinger Innenstadt nimmt, formuliert es so: „Einmal im Jahr musst du spüren, dass du noch lebst.“