Esslingen Stadt sucht einen neuen Wirtschaftsförderer

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Martin Kuchler hat die Probezeit nicht überstanden. Am Tag nach der missglückten Präsentation von zwei Konzepten zur Stärkung des Standorts hat der Oberbürgermeister Jürgen Zieger ihn entlassen und mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Martin Kuchler hat erst am 1. Oktober in Esslingen angefangen. Foto: Horst Rudel/Archiv
Martin Kuchler hat erst am 1. Oktober in Esslingen angefangen.Foto: Horst Rudel/Archiv

Esslingen - Um 12 Uhr mittags ist Martin Kuchler am Dienstag zum Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger einbestellt worden. Doch schon am Morgen hatte der erst seit dem 1. Oktober in Esslingen arbeitende 55-Jährige geahnt, dass er nach dem Gespräch nicht mehr Wirtschaftsförderer der Stadt sein würde. So ist es gekommen.

In einer am Nachmittag verbreiteten Mitteilung der Stadt Esslingen heißt es wörtlich: „Das bestehende Arbeitsverhältnis zwischen der Stadt Esslingen und dem Leiter des Referats für Wirtschaftsförderung, Martin Kuchler, wird zum Ende März 2016 beendet.“ Kuchler ist sofort von allen seinen Aufgaben freigestellt worden. In einem persönlichen Gespräch habe der Oberbürgermeister Jürgen Zieger Kuchler über die im Einvernehmen mit den Fraktionsvorsitzenden erfolgte Entscheidung informiert. Geschäftsführend werde nun Frauke Hohl erneut die Leitung des Referates für Wirtschaftsförderung übernehmen.

Entlassung noch während der Probezeit

Die Entlassung noch während der Probezeit ist wohl nicht nur die Konsequenz aus dem Auftritt Kuchlers am Montagabend im Verwaltungsausschuss. Kuchler sei ein engagierter und fleißiger Mitarbeiter gewesen, der allerdings keinerlei Visionen für die Wirtschaftsförderung der Stadt entworfen habe, ist aus dem Rathaus zu hören. In der Ausschusssitzung hatte Kuchler seine Konzepte zur Wirtschaftsförderung und zur Neugestaltung des Biotechnologie-Gründerzentrums, dem so genannten Life Science Center, vorgestellt. Wie berichtet war er dabei von Sprechern aller Gemeinderatsfraktionen nicht nur für die eher nebulösen Inhalte seiner Papiere, sondern auch für sein persönliches Auftreten scharf kritisiert worden.

Die Trennung hatte sich schon angedeutet, als der SPD-Fraktionschef Andreas Koch in öffentlicher Sitzung das Fazit gezogen hatte: „Ich weiß das Thema Wirtschaftsförderung bei Ihnen noch nicht in guten Händen.“ Noch am Montag, so ist zu hören, hätten sich die Verwaltungsspitze und die Vertreter des Gemeinderats darauf geeinigt, sich von Kuchler zu trennen.

Kuchler verteidigt seine Arbeit

Der beurlaubte Wirtschaftsförderer hat am Dienstagmorgen seine Arbeit verteidigt. Erst Mitte November habe er den Auftrag für die beiden Konzepte erhalten. In den zwei Monaten habe er einfach nicht mehr leisten können. Zumindest für das Life Science Center habe er einen Vorschlag erarbeitet, „der bei dem vergifteten Thema allen Beteiligten die Möglichkeit eröffnet hätte, mit einem blauen Auge aus der Sache herauszukommen.“ Die Konzepte, so berichtet Kuchler, seien auf Wunsch des Oberbürgermeisters im öffentlichen Teil des Verwaltungsausschusses diskutiert worden. Er, Kuchler, habe dafür plädiert, seine Überlegungen nicht öffentlich mit den Ausschussmitgliedern zu besprechen.

Die Entlassung Kuchlers setzt die lange Liste der kurzfristigen Neubesetzungen und Neuausschreibungen in der Esslinger Stadtverwaltung fort. Für das Haupt- und Personalamt war die Verwaltung zunächst zwei Mal im Gemeinderat mit dem Versuch gescheitert, die Stelle intern zu besetzen. Der dann gewählte Stefan Baus kehrte bereits nach kurzer Zeit in die freie Wirtschaft zurück. Im vierten Anlauf ist Mitte Dezember 2015 Stephanie Walz zur neuen Personalamtsleiterin gewählt worden.

Häufige Suche nach Führungskräften

Ähnlich oft musste die Stadt einen Nachfolger für den erkrankten und mittlerweile gestorbenen Kulturreferenten Peter Kastner suchen. Barbara Maria Schierl wurde in der Probezeit entlassen, immerhin ein Jahr konnte sich Christine Mast auf dem Posten halten. Nun ist Benedikt Stegmayer der neue Kulturamtsleiter. Am Mittwoch will er im Kulturausschuss erläutern, wie er sich eine Kulturkonzeption vorstellt.

In den sich häufenden Personalverfahren sieht der Sprecher der Stadt Esslingen, Roland Karpentier, keinen Hinweis auf ein schwieriges Betriebsklima in der Stadtverwaltung. Auch in anderen Kommunen komme es immer wieder vor, dass Stellen mehrfach ausgeschrieben werden müssten, weil sich keine geeigneten Bewerber gemeldet hätten. Esslingen treffe es nur deshalb besonders, weil es sich beim Kulturreferat und jetzt bei der Wirtschaftsförderung um zwei wichtige, in die Öffentlichkeit hinein wirkende Stellen handele. Angesichts von 30 bis 35 Amtsleiter- und Geschäftsführer-Positionen gebe es in Esslingen keine übertrieben hohe Fluktuation.

Für den Bereich der Wirtschaftsförderung, so kündigte Roland Karpentier an, werde man sich in den kommenden Wochen intensive Gedanken machen, wie man in Zukunft geeignetere Kandidaten finden könne. Auch die aus dem Gemeinderat angeregte höhere Einstufung werde geprüft. Bisher ist die Esslinger Wirtschaftsförderung eine A-13-Stelle. Es gebe, so der Rathaussprecher, mittlerweile einige kleinere Städte in der Region, die ihren Wirtschaftsförderern mehr bezahlten. Da müsse man eventuell nachbessern.

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