Esslingen Verheerendes Beben in magischer Gegend

Von hol 

Der Intendant der Württembergischen Landesbühne, Friedrich Schirmer, und seine Frau Andrea Güstrau engagieren sich seit Jahren für ein Kloster in Nepal. Auch dort sind die Zerstörungen gewaltig.

Ein Bild aus besseren Tagen: das noch unzerstörte Kloster  Serlo. Foto:  
Ein Bild aus besseren Tagen: das noch unzerstörte Kloster Serlo.Foto:  

Esslingen/Nepal - Die Nachrichten, die den Intendanten der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB), Friedrich Schirmer, und seine Frau Andrea Güstrau in diesen Tagen aus Nepal erreichen, sind niederschmetternd. Seit 2001 reist Andrea Güstrau jährlich ein bis zwei Mal ins nepalesische Kloster Serlo in Rinpoche, einem kleinen Bergdorf 150 Kilometer östlich von Kathmandu abseits der Tourismusströme, und pflegt dort einen tief freundschaftlichen Kontakt mit dem Abt Tulku Pema Tharchhin Lama Rinpoche. Seit vier Jahren begleitet sie Friedrich Schirmer – wann immer er kann. Doch wenn Andrea Güstrau und Friedrich Schirmer das nächste Mal nach Nepal reisen, wird nicht mehr viel so sein wie es bisher gewesen ist.

Das erste Erdbeben in Nepal hatte das Kloster und die beiden von Schirmer und Güstrau betreuten Hilfsprojekte bereits deutlich beschädigt. Vieles aber, so die zunächst erfreulichen Nachrichten aus Nepal, hätte durchaus wieder repariert werden können. Doch dann kam der Dienstag und das zweite Beben, dessen Epizentrum nur 15 Kilometer vom Kloster Serlo entfernt gelegen hat.

Die Schäden am Kloster sind verheerend

Die Schäden im angrenzenden Ort Jumbesi sind verheerend –, und auch das Kloster kann nicht mehr betreten werden: Das Wohnhaus für die rund 100 jungen Mönche, die Küche und die Gompa, also die Kirche, in deren oberer Etage sich auch Wohn- und Unterrichtsräume befunden haben, müssen neu gebaut werden. Ein Jugendzentrum im benachbarten Bhakanje, für dessen Bau Friedrich Schirmer und Andrea Güstrau in den vergangenen drei Jahren Spenden gesammelt und den Aufbau intensiv begleitet haben, ist eine Woche vor der offiziellen Eröffnung zumindest teilweise eingestürzt. „Dieses Ausmaß an Zerstörung macht mich sprachlos“, sagt Andrea Güstrau. Nach dem ersten Beben habe sie noch die Hoffnung gehabt, dass diese „wunderbaren Menschen, die mit Ernsthaftigkeit, Ruhe, aber auch mit Humor unter einfachsten Bedingungen leben, mit maßvoller, stetiger Unterstützung von uns die Situation aus eigener Kraft hätten bewältigen“ könnten. Doch jetzt weiß sie, dass es ohne massive finanzielle Hilfe von außen nicht gelingen wird, die Folgen der Naturkatastrophe zu bewältigen.

Eine Kette von Zufällen

Ein Zufall hat Andrea Güstrau nach Nepal gebracht. Zwar hatte die Ärztin schon immer einen inneren Bezug zur tibetischen Medizin. Doch nach Nepal gekommen ist sie unmittelbar nach ihrem Studium nur, weil eine Freundin, die sich eigentlich an einem Entwicklungshilfeprojekt in Nepal beteiligen wollte, eine Stelle bekommen hatte und der Platz im Team frei wurde. Ziel der Reise war es, sich mit tibetischen Ärzten auszutauschen, voneinander zu lernen und die Gesundheit der Landbevölkerung zu erhöhen. „Es gibt viele Bereiche im Gesundheitswesen, da ist die westliche Medizin der tibetischen überlegen“, sagt Andrea Güstrau. „Aber mit Hilfe der tibetischen Medizin kann es hervorragend gelingen, das Energiesystem der Menschen auszubalancieren und etwa Bluthochdruck oder Zuckererkrankungen in den Griff zu bekommen.“

Schon damals lernte sie das Kloster Serlo kennen – und hält seither intensiven Kontakt. Der klassischen Entwicklungshilfe steht Andrea Güstrau kritisch gegenüber: „Ich habe gelernt, dass es nicht hilft, fertige Ideen in ärmere Länder zu exportieren. Wichtig ist es vielmehr, sich gegenseitig zuzuhören, voneinander zu lernen und gemeinsam Projekte zu entwickeln.“

„Das Kloster erinnert mich an Hogwarts – ohne Mädchen“

2011 ist Friedrich Schirmer nach anfänglichen Zweifeln, ob er als 60-Jähriger die strapaziösen Wanderungen im Himalaja-Gebiet überhaupt noch schaffen kann, das erste Mal dabei. „Es war vom ersten Moment an eine magische Gegend“, erzählt er und fügt lächelnd hinzu: „Das Kloster selber erinnert mich an Hogwarts – allerdings ohne Mädchen.“

Und wieder ist es Zufall, dass gleich beim ersten Besuch ein erstes Projekt entsteht. Schirmer und Güstrau springen zunächst als Übersetzer und schließlich auch als engagierte Mitstreiter bei landwirtschaftlichen projekten ein. Es geht um einfache Bewässerungssysteme, um die richtige Terrassierung, und die Schirmers helfen finanziell, damit das Kloster Trenntoiletten bauen kann. „Geruch entsteht erst, wenn Kot und Urin zusammenkommen“, erläutert Schirmer. „Dabei sind beides für sich genommen wertvolle Düngestoffe.“ Mit großer Offenheit und Neugier hätten die Menschen auf die Vorschläge reagiert und voller Energie sich an die Umsetzung des Projekts gemacht.

Doch jetzt hat das Erdbeben die Trenntoiletten wieder zerstört. Allerdings, da ist Andrea Güstrau optimistisch: Ganz am Anfang müsse man jetzt nicht wieder anfangen. Denn das Wissen um die Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen sei mittlerweile vorhanden. Was fehlt, ist Geld. Spenden – natürlich gegen Spendenbescheinigung – lassen Güstrau und Schirmer, die mit der kleinen Organisation Medhimal zusammenarbeiten, direkt ohne jeglichen Abzug und in bar zum Kloster transportieren. Friedrich Schirmer: „Ich verspreche, dass jeder Euro dort ankommt.“

Die Hilfe kommt direkt bei den Betroffenen an

Ansprechpartner
Die Hilfe für das Kloster in Serlo ist für Andrea Güstrau und Friedrich Schirmer eine Herzensangelegenheit. Wer Näheres über das Projekt und die Folgen des Erdbebens erfahren will, kann sich entweder direkt an Friedrich Schirmer, Telefon 01 71/3 30 72 56, per mail an friedel.schirmer@t-online.de oder an Andrea Güstrau unter 01 71/6 90 72 98, per Mail an guestrau@hotmail.com wenden.

Spenden
Momentan zieht die nepalesische Regierung alle Hilfsgelder, die sich nicht auf langjährig bestehende Patenschaften beziehen, zentral ein. Deshalb lassen Friedrich Schirmer und Andrea Güstrau zusammen mit der kleinen Organisation Medihimal das Geld in bar zum Kloster Serlo bringen. Damit wird gewährleistet, dass die Hilfe zu 100 Prozent bei den direkt Betroffenen ankommt.

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