Feinstaubalarm Feinstaub ist fast um das Dreifache zu hoch

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Trotz des Alarms ist am Dienstag am Stuttgarter Neckartor ein weit über dem Limit liegender Spitzenwert von 141 Mikrogramm gemessen worden. Der Autoverkehr ist dagegen nur um drei Prozent zurückgegangen.

So isch’s no au wieder... Foto: Kostas Koufogiorgos
So isch’s no au wieder...Foto: Kostas Koufogiorgos

Stuttgart - Trotz des von Stadt und Land ausgerufenen freiwilligen Feinstaubalarms ist der Feinstaubwert in Stuttgart am Dienstag erneut stark gestiegen. Mit 141 Mikrogramm je Kubikmeter Luft wurde am Neckartor ein neuer Spitzenwert registriert, der fast um das Dreifache über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Mikrogramm liegt. Am Montag hatte der Spitzenpegel bei 89 Mikrogramm gelegen. Der Alarm gilt wegen des austauscharmen Wetters noch mindestens bis Freitag um 24 Uhr, Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

„Angesichts der anhaltend hohen Belastung wird der Feinstaubalarm leider noch nicht ernst genug genommen“, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann. Es müssten mehr Fahrgemeinschaften gebildet werden. Wichtig sei auch, dass mehr Pendler auf Bus und Bahn umstiegen.

Autoverkehr ist um drei Prozent gesunken

Erste Daten aus der Stuttgarter Verkehrsleitzentrale zeigen, dass der Autoverkehr an den ersten beiden Alarmtagen um drei Prozent zurückgegangen ist. Dabei sei der ein- und ausfahrende Verkehr mit Vorjahreszahlen verglichen worden. Als erfreulich gilt aus Sicht des Landes, dass der Online-Ticketverkauf im Nahverkehr angezogen habe. Bei den SSB sei der Absatz am Montag um 1500 Fahrkarten (15 Prozent) gestiegen. Hinsichtlich der als Shuttle zwischen Wasen und Innenstadt eingesetzten Stadtbahnlinie U 11 sprachen die SSB von einer „klitzekleinen Steigerung“.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rechnet bis zum Wochenende mit einem weiteren Anstieg des gesundheitsgefährdenden Schadstoffs. Die   Weltgesundheitsorganisation (WHO) dringe darauf, den Feinstaubgrenzwert auf 25 Mikrogramm zu senken. Falls nach zwei bis drei Alarmen feststehe, dass das Prinzip Freiwilligkeit nicht funktioniere, müsse es vor 2018 wechselweise Fahrverbote für Autos mit geraden und ungeraden Kennzeichen geben. „Die Fahrverbotskontrollen können dann die Verkehrsteilnehmer weitgehend selbst erledigen“, so der BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer.

SPD kritisiert den grünen OB

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert Vorfahrt für den Nahverkehr. „Großstädte wie Zürich und München zeigen, dass ein großer Teil der Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn gebracht werden kann“, sagt der VCD-Landesvorsitzende Matthias Lieb.

„Wir brauchen einen leistungsfähigeren Nahverkehr“, sagt auch Martin Körner, SPD-Fraktionschef im Gemeinderat. Im Entwurf des Nahverkehrsplans sei davon nichts zu entdecken. Die darin enthaltene Kernbotschaft von Oberbürgermeister Fritz Kuhn besage, dass alles beim Alten bleibe. Auch Hannes Rockenbauch, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus, kritisiert das Stadtoberhaupt. „Die zu hohen Feinstaubwerte offenbaren den Bankrott der Umwelt- und Verkehrspolitik unseres grünen Oberbürgermeisters.“

CDU will als Konsequenz mehr Straßen

Die Grünen im Gemeinderat begrüßen, „dass tagesaktuelle Feinstaubwerte veröffentlicht werden“. Außerdem hoffe man weiterhin auf die Einsicht der Verkehrsteilnehmer. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz setzt hingegen auf mehr Straßen. „Wir brauchen den Rosensteintunnel und die Filderauffahrt, um Verkehr aus der Stadt herauszuhalten.“ Es gebe eine Akzeptanz für den Feinstaubalarm. Viele Bürger müssten das Auto aber wegen geschäftlicher Verpflichtungen benutzen.

Die FDP hält den Feinstaubalarm für ein „durchsichtiges Manöver der grünen Rathausspitze“. Die „Taktik der Verantwortlichen“ sei offensichtlich, so FDP-Kreischef Armin Serwani: „Erst eine unwirksame Empfehlung, dann unwirksame eingeschränkte Fahrverbote, und am Ende soll Stuttgart autofrei sein.“