Feste Ein Ja mit gelegentlichem Murren

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Der Bezirksbeirat hat fast alle Großveranstaltungen im Zentrum durchgewunken. Nur ein Kunstfestival ist fraglich, und dem Bohnenviertelfest droht Ungemach.

Aus dem einstigen Fest für die Bewohner des Bohnenviertels ist längst ein Treffen für Besucher aus der ganzen Region geworden. Foto: Michael Steinert
Aus dem einstigen Fest für die Bewohner des Bohnenviertels ist längst ein Treffen für Besucher aus der ganzen Region geworden.Foto: Michael Steinert

S-Mitte - Weniger wäre mehr – „darin sind sich alle Beteiligten einig“, sagt Veronika Kienzle. Abgesehen von der Bezirksvorsteherin und Mitarbeitern des Rathauses waren Bedienstete der Landesverwaltung beteiligt daran, Wünsche von Veranstaltern über die Plätze des Stadtzentrums zu verteilen. Des Landes deswegen, weil beispielsweise der Schlossplatz teilweise in städtischem, teilweise im Eigentum des Landes sind. Der Karlsplatz gehört gänzlich dem Land. Die Stadt hat lediglich ein Nutzungsrecht.

35 Veranstaltungen nur im Umkreis von wenigen hundert Meter um den Schlossplatz sind in der Liste für 2016 vermerkt. Teilweise sie selbst, teilweise ihre Folgen beklagen allen voran die Bezirksbeiräte regelmäßig. Zuletzt empörte sie, dass auf dem Karlsplatz eine Kastanie einging, weil ein Transporter sie angefahren hatte.

Derzeit nervt die Lokalpolitiker der Zustand des Rasens, nachdem die Eisbahn auf dem Schlossplatz abgebaut wurde. Oder besser gesagt der Nichtzustand, denn das Grün ist verendet. Zurück blieb dort nur matschige Erde.

Vieles ist unstrittig oder wäre nicht zu verbieten

Die mal mehr, mal weniger gelungenen Feste, Festivals und Aktionstage sind jedenfalls steter Anlass von Unmut. Eben deshalb listet das Ordnungsamt sie seit 2006 zum Jahresbeginn auf und legt sie erst dem Bezirksbeirat, dann dem Gemeinderat zur Genehmigung vor. Vieles ist unstrittig oder wäre trotz Unmut aus Tradition oder anderen Erwägungen nicht zu verbieten. Der Faschingsumzug, das Weindorf, der Fischmarkt, die CSD-Parade oder der Weihnachtsmarkt fallen in diese Kategorien – in welche, bleibt Ansichtssache.

Allerdings dürfen sich auch die Veranstalter von Altgewohntem nicht allzu sicher sein, von neuen Regularien verschont zu bleiben. Das offenbarte bei der jüngsten Beratung das Beispiel Bohnenviertelfest. Das „ist beim letzten Mal völlig aus dem Ruder gelaufen“, meint der Stadtist Sebastian Erdle. Auch Heinrich Huth (SPD) will das Fest „noch einmal ausführlich diskutieren“. Das ist sogar aus amtlicher Sicht nötig: „Wir müssen sicher mal schauen, ob die alten Auflagen noch taugen“, sagt Dorothea Koller, die Leiterin des Ordnungsamts, „das ist ziemlich aus der Form geraten.“ Heißt: Die Größe eines Festes für die Quartiersbewohner, als das es einst genehmigt war, ist längst gesprengt.

Neu in der Liste sind 2016 ein Velothon genanntes Radrennen, für das weiträumig Straßen gesperrt werden müssten, ein rollendes Oldtimermuseum, das Deutsche Chorfest, eine Schnauferl-Rallye und ein Pivi getauftes Kunstprojekt, allesamt einmalige Veranstaltungen, allesamt auf dem Schlossplatz. Das Kunstprojekt missfiel den Lokalpolitikern wegen einer Auf- und Abbauzeit von zusammen sechs Wochen. Alles in allem wäre der Platz vor dem Kunstmuseum, das auch der Veranstalter ist, dreieinhalb Monate lang belegt. Vor einer Genehmigung soll nähere Auskunft eingeholt werden. Alle anderen Wünsche winkte der Bezirksbeirat ohne zu Murren durch.

Die Zahl der Anfragen ist weit höher

„Anfrage bekommen wir viel mehr“, sagt Koller, „aber es ist immerhin gelungen, die Zahl der Veranstaltungen über die Jahre konstant zu halten“. Allerdings spiegelt deren reine Zahl nicht die real sichtbaren Ereignisse. In Tagen gerechnet, summiert sich die tatsächliche Platzbelegung einschließlich Standzeit plus Auf- und Abbau auf um die 250 im Jahr. Überdies sind nur Großereignisse aufgelistet. Hinzu kommt außerdem eine unbekannte Zahl politischer Veranstaltungen. Solche Anfragen darf das Ordnungsamt nur in seltenen Ausnahmefällen mit einem Nein beantworten. Schließlich „ist das Versammlungsrecht ein Grundrecht“, sagt Koller. Erfahrungsgemäß sind rund 300 Versammlungen zu erwarten.

In der Liste fehlt der Platz, um den in den vergangenen Jahren immer wieder gestritten wurde: der Kronprinzplatz. Er zählt nicht zu den zentralen Veranstaltungsplätzen. Aber er ist der einzige, auf dem die Stadt Werberummel erlaubt und ihn als solchen auch per Broschüre bewirbt. Immer wieder haben Anwohner dagegen protestiert. Sie werden 2016 zwar weniger Reklame zu erdulden haben, Ruhe herrscht trotzdem nicht – sondern Baulärm. Der Platz wird saniert.

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