Filderstadt Diese Jugendlichen sprühen Toleranz an die Wand

Von Thomas Krämer 

In Filderstadt haben sich Jugendliche ihre Überzeugung aus der Seele gesprüht: Glaube verbindet. Das soll ihr neues Graffito an der Garagenwand der Kirchengemeinde in Bonlanden aller Welt mitteilen.

Hautfarbe spielt keine Rolle – auch das soll das neue Graffito sagen. Foto: Thomas Krämer
Hautfarbe spielt keine Rolle – auch das soll das neue Graffito sagen. Foto: Thomas Krämer

Filderstadt - „Glaube verbindet“ steht in großen Buchstaben auf einem Graffito, das seit Samstag die Wand einer Garage an der Liebfrauen-Kirche der katholischen Gemeinde Bonlanden ziert. Doch wer derzeit Nachrichten schaut, könnte zum Schluss kommen, dass Glaube trennt. Schließlich gehen vielerorts in der Welt Menschen aufeinander los, nur weil sie an einen anderen Gott glauben – zumindest wird das als Begründung gegeben.

Mehr über die Religion der anderen erfahren

Mit dem verbindenden Graffiti – das nach Worten von Esra Cebeci von der Filderstädter DITIB-Gemeinde alles sagt – wollen die Mitglieder des interreligiösen Jugendkreises genau das gegenteilige Zeichen setzen und ihr Verständnis vom Miteinander der Religionen zum Ausdruck bringen. „Gegründet wurde der Zusammenschluss im April 2015 auf Anregung des interreligiösen Gesprächskreises Filderstadt“, sagt Bettina Kupferschmidt von der katholischen Gemeinde Liebfrauen. Ziel sei nicht nur das persönliche Kennenlernen der in ihren Gemeinden aktiven Jugendarbeiter gewesen, sondern auch, mehr über andere Religionen zu erfahren. „Dabei haben wir festgestellt, dass sich Christentum und Islam nur in Kleinigkeiten unterscheiden“, betont Tobias Walter von der Liebfrauen-Gemeinde und wird mit dieser Aussage von Nedim Güngör von der Filderstädter DITIB-Gemeinde unterstützt. „Bibel und Koran haben viele Gemeinsamkeiten, wir glauben an einen Gott“ sagt er und ergänzt, dass Toleranz und Respekt sehr wichtig seien.

Salomon Assefaw aus Bonlanden hat das Projekt fachlich begleitet. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt der Sozial- und Kunsttherapeut. Nur wenige Sitzungen seien notwendig gewesen, um Ideen für den Inhalt zu sammeln, das Graffiti zu strukturieren und vorzubereiten.

Kirche und Moschee als gemeinsames Gebäude

Dargestellt sind darauf nun die Arche Noah, die nach Worten der Mit-Sprüherin Madeleine Rothenbach sowohl im Islam als auch im Christentum eine Rolle spielt. Die Friedenstaube am Himmel stehe als Symbol für den Frieden „und war uns sehr wichtig“, wie sie ergänzt. Im Zentrum des Graffito ist eine Weltkugel, die von verschiedenfarbigen Händen gehalten wird und zeigen soll, dass Hautfarbe keine Rolle spielt. Darüber sind eine christliche Kirche und eine Moschee zu sehen – „als ein gemeinsames Gebäude, wie es an einigen Plätzen in der Welt auch wirklich existiert“, sagt Nedim Güngör. Es soll das Zusammenleben symbolisieren, „wir haben schließlich nur eine Welt“, ergänzt der Jugendarbeiter. Schließlich schweben über allem auf dem Graffiti das Kreuz, der Halbmond und der Davidsstern, „auch wenn leider kein Jude bei uns mitmacht“, wie die Gruppe bedauert.

Überhaupt würden sich die Mitglieder der Initiative freuen, wenn Jugendliche anderer Gemeinden aus Filderstadt sich dem interreligiösen Jugendkreis anschließen würden. Denn die Vertreter der Alewiten sowie der evangelischen Kirche seien bei den Treffen trotz Einladung nicht mehr dabei. „Informationen über den Kreis und zukünftige Aktivitäten bekommt man beim Pfarrbüro von Liebfrauen in Bonlanden“, sagt Kupferschmidt. Als nächstes, verrät sie, wolle sich der Kreis mit Extremismus befassen.