Filderstadt-Sielmingen Mann stürzt aus Fenster in Flüchtlingsheim

Von Natalie Kanter 

Am Rande des Festes der Begegnung und des Dialogs in einem Asylbewerberheim in Filderstadt-Sielmingen soll ein 33-Jähriger versucht haben, einen 23-Jährigen zu töten. Zuvor soll es zu einem Streit zwischen den beiden gekommen sein.

Die Polizei ermittelt nach einem Streit zwischen Opfer und Täter. Foto: Natalie Kanter
Die Polizei ermittelt nach einem Streit zwischen Opfer und Täter. Foto: Natalie Kanter

Filderstadt - Ausgerechnet am Rande eines Fests der Begegnung und des Dialogs in einem Asylbewerberheim in Filderstadt-Sielmingen (Kreis Esslingen) kreist am Samstag ein Rettungshubschrauber über dem Gebäude, und Polizeiautos parken vor der Zufahrt. Polizisten laufen über das Gelände. Ein schwer verletzter Mann wird in eine Klinik geflogen. Er ist wohl von einem Landsmann, mit dem er in einem Zimmer wohnte, aus einem Fenster gestoßen worden. Der mutmaßliche Täter ist auf der Flucht, die Polizei ermittelt wegen versuchten Totschlags gegen ihn.

Laut den Ermittlern ist es kurz nach 13 Uhr zu einem Streit zwischen dem 23-jährigen Opfer und dem 33-jährigen mutmaßlichen Täter gekommen. Der Ältere soll den Jüngeren mit einem Messer angegriffen haben. Dieser wehrte die Attacke ab und erlitt dabei Schnittverletzungen an den Händen. Der 33-Jährige soll ihn daraufhin aus dem zweiten Stock des Gebäudes gestoßen haben. Das Opfer stürzte sechs Meter in die Tiefe. Die Kriminalpolizei Esslingen ermittelt. Worum es bei dem Streit ging, ist unklar.

„Wir wissen nicht, wie es dazu gekommen ist“, so lautete die erste Reaktion von Werner Weinmann, dem Sprecher des Arbeitskreises Asyl, auf das Geschehen. Er habe den Vorfall nicht beobachtet, sondern den Schwerverletzten später auf dem Boden liegen sehen. Er habe zunächst angenommen, dieser sei ohnmächtig geworden.

Zusammenleben in dem Haus nicht immer einfach

Trotz der Umstände fand das Begegnungsfest statt. In seiner Rede sprach Weinmann später davon, dass das Zusammenleben in dem Haus nicht immer einfach sei. „Es kommt immer wieder zu Streitereien unter den Bewohnern“, sagte er. Diese Konflikte aber würden von wenigen „schwarzen Schafen“ ausgehen. „98 Prozent der Leute sind froh, hier zu sein.“

In dem Wohnheim leben derzeit 133 Männer aus zehn Nationen. Sie stammen unter anderem aus Syrien, dem Iran, dem Irak, aus Afghanistan, Indien sowie aus dem Kosovo. Die meisten von ihnen sind in Viererzimmern untergebracht. Einige von ihnen haben laut Weinmann bereits neue Freundschaften zu Menschen aus Filderstadt geknüpft. Andere leben eher zurückgezogen. „Das ist sehr unterschiedlich“, sagte Weinmann. „Wir wünschen uns mehr Kontakt zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen.“

Auch deshalb hatte der Arbeitskreis zu dem Fest am Samstag eingeladen. Die 35 Mitarbeiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Integration von Flüchtlingen zu fördern. Das Organisationsteam hatte ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, um den Besuchern einen Einblick in das Haus an der Seestraße und das Leben der Flüchtlinge zu bieten. Patenschaften von Bürgern sollen es den Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, erleichtern, im Alltag zurechtzukommen. So begleiten Helfer die Neuankömmlinge etwa bei Behördengängen. Der Verein sucht auch Wohnungen für Flüchtlinge, die ein befristetes Bleiberecht erhalten haben.

Brücke zwischen den Kulturen

Die Veranstaltung sollte ein Brücke schlagen zwischen unterschiedlichen Kulturen und Sprachen. Viele der Bewohner hatten sich ins Zeug gelegt, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Manch einer hatte fünf Stunden in der Küche gestanden, um Köstlichkeiten aus seiner Heimat für das Büfett zuzubereiten. Auch deshalb wurde das Fest nicht abgesagt.

Filderstadts Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker sprach in ihrer Rede über die Willkommenskultur für Flüchtlinge in Filderstadt. Die Rathauschefin lud die Männer des Hauses an der Seestraße ein, sich an Aktionen der Stadt zu beteiligen. In Filderstadt leben ihren Angaben zufolge Menschen aus 114 Nationen. Jeder vierte Filderstadter habe keine deutsche Wurzeln, sagte sie.