Fildertunnel für Stuttgart 21 Tunnelbauer haben doppelt Grund zum Feiern

Der Stadtbahntunnel der U12 in Münster ist am Freitag durchbrochen worden. Davon ist der Fildertunnel für Stuttgart 21 noch weit entfernt. Dort feierte man die ersten 1000 Meter – die Bohrmaschine arbeitet zurzeit unter dem Fasanenhof.

Augenscheinlich zufrieden mit ihrer Arbeit tritt Tunnelpatin Waltraud Ulshöfer durch das von ihr zuvor mit einem Bagger geschlagene Loch im U-12-Tunnel.. Foto:  
Augenscheinlich zufrieden mit ihrer Arbeit tritt Tunnelpatin Waltraud Ulshöfer durch das von ihr zuvor mit einem Bagger geschlagene Loch im U-12-Tunnel..Foto:  

Stuttgart - Im äußersten Süden der Landeshauptstadt und im Nordosten, im Fasanenhof und in Münster, ist der Freitag für Tunnelbauer ein Festtag gewesen. Während auf den Fildern gefeiert wurde, dass die S-21-Röhre in Richtung City die ersten 1000 Meter erreicht hat, sind die Mineure in Münster schon deutlich weiter. Dort ist der Tunnel, durch den von 2016 an die Stadtbahnzüge der Linie U 12 fahren sollen, nun in Gänze ausgebrochen. Waltraud Ulshöfer, Gattin von OB Fritz Kuhn und Patin des Tunnels in Münster, hat am Nachmittag symbolisch die letzten Brocken aus dem Weg geräumt.

100 000 Kubikmeter Erde sind bisher angefallen

Davon kann Matthias Breidenstein nur träumen. Der Projektleiter des 9468 Meter langen Fildertunnels steht am Vormittag mit einem Schild in der Hand auf einem Parkplatz im Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost und versichert, dass 45 Meter unter seinen Füßen jene Tunnelbohrmaschine arbeitet, die sich nach langer Anlaufphase seit dem 27. Januar durch den Untergrund fräst. Die Stelle ist nicht nur wegen der 1000-Meter-Marke bemerkenswert. Dort sollen von 2021 an Züge der Bahn durchrauschen, U 6-Stadtbahnen der SSB tun es heute schon. Die beiden Röhren trennt 29 Meter Erdreich. „Wir sind stolz, dass wir nun diese Marke erreicht haben“, sagt Breidenstein. Die Tunnelbohrmaschine arbeite kontinuierlich mit gelegentlichen Standzeiten, wenn etwa das Förderband wieder verlängert werden müsse, das die abgegrabene Erde heraustransportiere. Gut 100 000 Kubikmeter sind in der Röhre angefallen, die bis kurz vor den Kreisverkehr Heigelinstraße reicht. Abgefahren wird der Aushub von Lastwagen, die auf den öffentlichen Straßen unterwegs sind. Den Antrag, eine temporäre Ausfahrt von der Autobahn 8 aufs Baustellengelände herstellen zu dürfen, hat die Bahn noch nicht eingereicht. Immerhin sein man sich nun aber mit dem Eisenbahn-Bundesamt, dem Regierungspräsidium und der Stadt einig über das weitere Verfahren.

U12 fährt von 2016 an von Remseck nach Dürrlewang

Genehmigungen müssen sich die Mineure der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) nicht mehr einholen. Ihr Geschäft in Münster ist gemacht. Am späten Nachmittag feierten sie zusammen mit der Tunnelpatin Waltraud Ulshöfer den Durchschlag des Tunnels, durch den U-12-Züge vom Hallschlag ins Neckartal gelangen. Gut 200 Meter lang ist der bergmännische Teil der Röhre, daran schließen sich am Anfang und am Ende noch Abschnitte an, die in offener Bauweise entstehen. Auf der gesamten Tunnellänge planen die SSB bis Ende des Jahres den Rohbau abzuschließen, dann rücken die Gleisbauer an sowie die Fachleute für die Signale und die weitere notwendige technische Ausrüstung.

Bei der Feier in der Baugrube erinnerte der SSB-Vorstand Wolfgang Arnold an den schweren Arbeitsunfall, der sich zu Beginn der Arbeiten ereignet hatte, als ein Arbeiter zum Teil verschüttet wurde. So etwas zeige die Grenzen des menschlichen Tuns auf. Der Chef des städtischen Nahverkehrsunternehmen richtete den Blick auch nach vorne und forderte die politisch Verantwortlichen – bei aller Dankbarkeit für das schon geflossene Geld – auf, möglichst rasch eine Anschlussregelung für das auslaufende Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zu schaffen. Dass dieses Geld gut angelegt sei, machte Arnold an den Zahlen der U 12 deutlich. Den 2013 eröffneten Abschnitt bis zur Haltestelle Hallschlag nutzen im Schnitt fast 6000 Fahrgäste täglich – nahezu eine Verdreifachung im Vergleich zu den Zeiten, als die Strecke noch von Bussen bedient wurde.

Im neuen Streckenabschnitt, der an der bisherigen U-12-Endhaltestelle Hallschlag beginnt und an der Aubrücke ans bestehende Stadtbahnnetz anknüpft, entsteht an der Kreuzung Löwentor-/Bottroper Straße eine neue Haltestelle. Die U 12, die jüngste der SSB-Linien, soll nach Abschluss aller Bauarbeiten von 2016 an von Remseck (Kreis Ludwigsburg) via Hallschlag und Europaviertel (neue Haltestelle Budapester Platz) bis in den Vaihinger Stadtteil Dürrlewang fahren. Ob die Strecke in einem eröffnet wird, ist noch unklar.

93 Kommentare Kommentar schreiben

der Beitrag eines Kritikers - ebenso hochaktuell wie hochinteressant: Anbei ein aktueller Beitrag eines der führenden S21-Kritiker vor dem Hintergrund der Fragwürdigkeit des Rückbaus vorhandener- und der zukünftigen Verunmöglichung von stufenweise ausbaufähiger neuer- Infrastruktur bzw. von zukünftigen Infrastruktur-Optionen. +++ Veröffentlicht am 23.03.2015 +++ Vortrag von Dr. Christoph Engelhardt am 18.03.2015 in Stuttgart-Sillenbuch +++ S21 Lehren für die Demokratie - Teil 1: +++ https://www.youtube.com/watch?v=N1ZTUD56H6c&feature=youtu.be +++ S21 Lehren für die Demokratie - Teil 2 +++ https://www.youtube.com/watch?v=PG2XtPlvkz0&feature=youtu.be

Einige besonders interessante Bautätigkeiten: In der letzten Woche hat sich Suse weitere 186 m in den Berg gebohrt. ___________ Die Bahn startet mit bergmännischer Bauweise am Tunnel Imberg. Link: http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/no_cache/aktuell/newsdetail/news/bahn-startet-mit-bergmaennischer-bauweise-am-tunnel-imberg/newsParameter/detail/News/datum/20150324/ und https://www.youtube.com/watch?v=rED_FQ5x6II _____________ Die Baulogistik-Straße ist in weiten Teilen fertiggestellt: http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/no_cache/aktuell/newsdetail/news/weitere-baustrassen-schliessen-bauflaechen-im-mittleren-schlossgarten-und-in-der-jaegerstrasse-an-da/newsParameter/detail/News/datum/20150324/ und https://www.youtube.com/watch?v=U1cTHmKa3DA sowie https://www.youtube.com/watch?v=aq7ztBPzbiI und https://www.youtube.com/watch?v=xttEe70gZ08 ____________ Interessant der Baufortschritt bei der Haltestelle Mittnachtstraße, Link: https://www.youtube.com/watch?v=hOPVYstOJjI und am Nordkopf, Baugrube 1: Link: https://www.youtube.com/watch?v=Ia_OdmTpmDQ ___________ In Baugrube 16 werden die Gründungspfähle eingebracht: https://www.youtube.com/watch?v=9SSoE-oiSK0 und nicht zuletzt ist das folgende Video zu empfehlen: „rund um den Hbf“: https://www.youtube.com/watch?v=x3EhaLKJaxs

aber kein Ersatzteil für Weiche auf Lager: es wäre erstmal wichtiger die aktuelle Infrastruktur befahrbar zu halten. S-Bahntunnel in Stuttgart wahrscheinlich bis Mittwochabend gesperrt nur weil ein Ersatzteil für eine Weiche nicht auf Lager ist. Zum Glück gibts noch die Gäubahnstrecke und im Kopfbahnhof oben genug Platz um S-Bahnzüge aufzunehmen.

Die S 21 Gegner: die immer noch den Baufortschritt von S 21 leugnen ,sollten sich mal auf das Gelände rund um den Hauptbahnhof begeben ,um sich mal vor Ort zu informieren was der Sachstand ist .Ich vermute mal das die meisten die hier so posten nicht von Stuttgart sind ,geschweige denn besagtes Gelände rund um den Hauptbahnhof aktuell kennen !

>> Kenner des Geländes rund um den Hauptbahnhof <<: Im Schloßgarten neben unserem vorhandenem echten Haupt-Bahnhofs gibt es zum Beispiel einen Biergarten, bei welchem zum Saisonstart seit Freitag seit reichlich einer Woche wieder frisch gezapftes Bier vom Faß erstanden werden kann. Dies als ein echtes "Insider-Wissen" eines echten Stuttgarters. Ansonsten werden in diesem Bereich angeblich "neue" Abwasser-Kanäle gebaut. Merke: "neu" ja, aber leider nur im Sinne einer Verschlimmbesserung!

Konzept für weitere Stammstrecke-21: besser oberirdisch statt unterirdisch: >> (...). Eine dritte Stammstrecke für die Stuttgarter Stadtbahn kann nach Lage der Dinge (Kosten, Technik) nur an der Oberfläche gebaut werden. Das zieht aber den Einsatz von Niederflurfahrzeugen im Verlauf der dritten Stammstrecke zwingend nach sich. Die dritte Stammstrecke soll die beiden vorhandenen Stammstrecken zunächst mal entlasten. Hierzu werden einige bestehende Außenäste der Stuttgarter Stadtbahn an die dritte Stammstrecke angebunden. Hierbei handelt es sich um diejenigen Außenäste, die straßenbahnähnlich ausgebaut sind (z.B. Eugensplatz, Hackstraße, Hölderlinplatz, Nordbahnhofstraße). Darüber hinaus gibt es bei der dritten Stammstrecke die Option, auch den einen oder anderen neuen Außenast zu bauen, der mit dem Hochflursystem bisher nicht möglich war (z.B. Rotebühlstraße-Westbahnhof, Cityring). (...). << __________________________________________________________________________________ http://s21irrtum.blogspot.de/2015/03/hochflur-stadtbahn-ludwigsburg-als.html

Es tut sich auch was in den Genehmigungen. Ohne eine abschließende Stellungnahme der Feuerwehr und dem RP soll nun das Brandschutzkonzept durchgewunken werden. Schade, daß sich bei diesem Thema die StZ noch nicht aufgeschaltet hat. Jedenfalls sollen noch offene Fragen bzw. nichtgelöste Probleme in einem Ausführungsplan nach der Genehmigung erörtert werden. Wird man sich nicht einig, hat man zwar einen genehmigten Bau, jedoch keine Betriebserlaubnis, Züge fahren zu lassen. Man steuert also genau auf daselbe Fiasko wie beim Berliner Flughafen zu. Die 3. deutsche Blamage ist somit vorprogrammiert. ... Interessant dabei, wie sich der Brandschutz-Beauftragte der Bahn, Herr Bieger, selbst ausbügelt. Er rechnete dem Stuttgarter Gemeinderat vor, daß von einer Entfluchtung von ca. 4.500 Personen pro Bahnsteig ausgegangen werden kann mit Zügen von 7 Dostos-Wagen mit 300 m Länge. Daraus erschließt sich, daß mit solchen Zügen keine Doppelbelegungen durchgeführt werden können und somit im gepl. Tiefbahnhof im Gegensatz der ursprünglichen Planung von 11 Doppelbelegungen nur 38 Züge fahren können. Andrerseits können Züge mit 7 Dostos-Wagen die Steigungen in um Stuttgart von 25 Promille nicht bezwingen. Diese Widersprüchlichkeit ist nach wie vor vorhanden. Dazu kommt, daß Herr Bieger mit aller Macht die Fahrgast-Kapazität der Züge herunterrechnen will, um die Evakuierungszahlen von 4 in Doppelbelegung zusammentreffende Regio-Zügen mit je 5 Dostos auf ein für sie erträgliches Maß relativieren zu können. ... Wie schon früher der bekannte PR-Märchenerzähler "Eisenbahner Pro" schrieb, daß Fahrgäste beim Eintreffen in Stgt Hbf am besten sitzen bleiben sollen, um die PSA nicht zu belasten, geht die Bahn von halb vollen Zügen aus, um die Evakuierungszahlen nicht zu strapazieren. Sie ignoriert die heute an der Tagesordnung befindlichen Verspätungen ebenso wie den starken Wochenendverkehr und das nicht nur zum Fußballspiel oder im Sommer. Überdeutlich zu sehen, wie die Bahn immer mehr in Erklärungsnot gerät, Behörden und Politik dieses perverse Spiel immer noch mitmachen. --- Deshalb: Oben bleiben und am Leben bleiben!

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