Förderung für Weil der Stadt Land zahlt 1,5 Millionen Euro für „Hesse-Bahn-Brücke“

Von Kathrin Klette 

Bei Bürgermeister Thilo Schreiber hält sich der Jubel in Grenzen. Die Freude der Befürworter ist groß.

Die Gegner der Hesse-Bahn befürchten, dass sie den S-Bahn-Verkehr aus dem Takt bringen könnte. Foto: dpa
Die Gegner der Hesse-Bahn befürchten, dass sie den S-Bahn-Verkehr aus dem Takt bringen könnte. Foto: dpa

Weil der Stadt - Mit etwa 1,5 Millionen Euro unterstützt das Land Baden-Württemberg die Stadt Weil der Stadt beim Bau einer Eisenbahnbrücke und der Sicherung von zwei Bahnübergängen – und damit die Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn. Während sich in der Keplerstadt die Freude darüber in Grenzen hält – immerhin hätte die Stadt die Brücke lieber gar nicht erst gebaut und hatte sogar dagegen geklagt (wir berichteten) –, strahlen die ­Befürworter der Hesse-Bahn, darunter die Grünen-Politiker und Landtagsabgeordneten Thekla Walker und Bernd Murschel ­sowie der Landkreis Calw.

Für den Weiler Bürgermeister Thilo Schreiber kommt die Zusage für den Antrag nicht überraschend, schließlich entspricht die Summe genau den 50 Prozent, mit denen nach dem Gesetz mit dem wohlklingenden Namen Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) entsprechende Projekte gefördert werden. Ein Grund zum Feiern ist das für ihn aber nicht gerade. Denn: „Früher waren es noch 75 Prozent Förderung, von daher ist das für uns eher enttäuschend“, sagte er. Die drei Projekte, also die Brücke und die beiden Bahnübergänge, kosten insgesamt vermutlich um die drei Millionen Euro.

Ersatz für die Südumfahrung

Bekanntlich sträuben sich vor allem Renningen und Weil der Stadt gegen die Reak­tivierung der Hermann-Hesse-Bahn, weil diese nach Wunsch des Kreises Calw nicht in Weil der Stadt enden, sondern bis ­Renningen weiterfahren soll. Gegner des Projekts befürchten, dass dadurch der ­S-Bahn-Verkehr aus dem Takt geraten könnte, Renningen möchte zudem unbedingt verhindern, dass die Haltestelle Malms­heim unter den Plänen leidet.

Dass die Keplerstadt sich nun quasi finanziell an der Hesse-Bahn beteiligen soll, hat einen Grund: Vor 14 Jahren feierte der damalige Weiler Bürgermeister Hans-Josef Straub mit dem Verkehrsminister Ulrich Müller die Eröffnung der Südumfahrung (B 295). Für diese Umgehungsstraße musste die Stadt jedoch einen Teil der Schwarzwaldbahn abbrechen und sagte damals zu, im Falle einer Reaktivierung eine Brücke über die Straße zu bauen.

Als dann die Forderung nach dieser Brücke kam, zog die Stadt vor Gericht, auch um ihren Protest gegen das Gesamtprojekt deutlich zu machen. Die Klage wurde vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim im ­Dezember 2016 abgewiesen. Der Gemeinderat entschied daraufhin, nicht gegen die Entscheidung vorzugehen.

Befürworter sehen sich bestätigt

Bei den Befürwortern sorgt der Bescheid der Landesregierung natürlich für strahlende Augen. Für den Calwer Landrat Helmut Riegger zeigt die Förderung für die Brücke „einmal mehr, welche Bedeutung das Verkehrsministerium dem Projekt beimisst“. Es sei sehr erfreulich, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Thekla Walker und Bernd Murschel, dass im Zuge des LGVFG „allein vier Projekte im Kreis Böblingen in das Programm aufgenommen werden konnten, die eine Verbesserung der Sicherheit an Bahnübergängen zum Ziel haben“. Mit dem Förderbescheid für Weil der Stadt sei „eine weitere Hürde bei der Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn nach Calw“ genommen worden.

Insgesamt unterstützt das Land den Kreis Böblingen mit einem Zuschuss von mehr als 5,5 Millionen Euro. Auch Projekte im Rahmen des Ausbaus der Schönbuchbahn werden dabei bedacht.