Foodblogs aus der Region Stuttgart Männer kochen anders – Frauen auch

Von Ina Schäfer 

Süße Sünden, vegetarische Köstlichkeiten oder Schwäbisch-Mediterranes: Auf Foodblogs präsentieren Nutzer ihre Leidenschaft für gutes Essen. Wir stellen vier besonders spannende Blogger aus der Region Stuttgart vor.

Daniela Becker auf der Suche nach gesunden Alternativen. Foto: Daniela Becker
Daniela Becker auf der Suche nach gesunden Alternativen. Foto: Daniela Becker

Stuttgart - Männer kochen anders, sagt Alexander Hansen. Was er damit meint? „Vielleicht experimenteller, aufwendiger“, sagt er, „Ich glaube, Männer suchen im Kochen mehr Bestätigung als Frauen, sie möchten damit beeindrucken.“ Er selbst hat seinerzeit scheinbar auch beeindrucken können. Das erste nach Rezept gekochte Gericht (Chili sin Carne) hat er für eine Frau gekocht – mit dieser ist er heute verheiratet. Inzwischen hat er sein Repertoire deutlich erweitert, mehr noch: Seit vier Jahren betreibt der 34-Jährige den Foodblog „Chef Hansen“, auf dem er Rezepte, Kocherfahrungen und Fotos seiner Gerichte festhält. Dazu gibt’s kleine, amüsant aufgeschriebene Anekdoten. „Als ich angefangen habe, habe ich meine Ernährung umgestellt und versucht, mehr auf die Produkte zu achten“, sagt Hansen. Heute kauft er die meisten seiner Lebensmittel auf dem Wochenmarkt oder in Bauernhofläden in der Nähe seines Wohnorts Gärtringen. Auf seinem Blog bespricht er vor allem Rezepte, die leicht nachzukochen sind. „Ich hatte eine ‚Sterneküchenphase’, davon möchte ich weg. Heute mag ich eine gut gelaunte Küche, mit Zutaten, die jeder kriegt“, sagt er. „Deutsches Soulfood“, sagt er dazu. Das Kochen zum Beruf machen, will der Ingenieur nicht: „Dann müsste ich mir ja ein neues Hobby suchen.“

Flowers on my Plate

Daniela Becker ist durch ihre Großmutter zum Kochen gekommen. Genau wie sie war die Vegetarierin. „Sie hat mir beigebracht, dass man auch fleischlose Hauptgerichte kochen kann und nicht nur von Beilagen leben muss“, sagt Daniela Becker. Seit 2008 teilt sie ihre Rezepte auf ihrem Blog „Flowers on my plate“. Heute würde sie sich als Flexitarierin bezeichnen: Sie isst nur alle paar Wochen Fleisch, und nur vom Bio-Metzer. Die meisten der Rezepte auf ihrem Blog sind trotzdem fleischlos. „Ich bin neugierig darauf, gesunde Alternativen zu den klassischen Rezepten zu finden – und solche, die richtig gut schmecken“, sagt die 30-Jährige. Wenn sie kocht, muss es saisonal und wenn möglich regional sein. „Jede Jahreszeit hat ihre Schätzchen“, sagt sie. Das Gemüse ihrer Heimat Kirchheim/Teck sei vielfältiger, als manch einer denke. Ideen für Gerichte bekommt sie auch auf ihren Reisen. „Essen ist ein großer Bestandteil meiner Urlaube“, sagt sie. Vor Ort lässt sie sich für Rezepte inspirieren.

Stuttgart Cooking

Johannes Guggenberger stand schon mit sieben Jahren in der Küche und hat Bratkartoffeln gemacht. Aufgewachsen in einem Landgasthof in Österreich, war es „ganz normal, dass die Kinder mit helfen“, erzählt er. Guggenberger ist schließlich Koch geworden, seit fast 20 Jahren arbeitet er in einer ganz besonderen Küche: als Küchenleiter in der Justizvollzugsanstalt in Stammheim. Nach Feierabend wird Zuhause weitergekocht. „Schwäbisch-mediterran“, nennt er den Stil, den er auf seinem Blog „Stuttgart Cooking“ festhält. Mit seinen Fotos gibt er sich besonders viel Mühe. Liebevoll wird das Essen auf dem Teller drapiert und eine ganze Szenerie geschaffen. „Das ist zu einem richtigen Hobby geworden“, sagt der 50-Jährige. Stuttgart ­Cooking sollte ursprünglich ein verschlüsseltes Online-Archiv mit Rezepten für Freunde werden. Inzwischen ist er damit aber so erfolgreich, dass er bis zu tausend Besucher am Tag auf seiner Seite und mit Stuttgarter Märkte ein Kochbuch herausgegeben hat. Seine schwäbisch-mediterranen Gerichte kocht er aus regionalen Produkten. Zwar sind auch Klassiker darunter, aber: „Ein Koch will immer ein bisschen mehr drin rum rühren“, deshalb wandelt er Rezepte, die er in Kochbüchern findet, ab.

Coconut & Vanilla

Ihr Lieblingsgericht ist Kloß mit Soß, daran hat auch das schwäbische Exil nichts geändert. Lena Popp kommt aus Nürnberg. Für ihr Studium der Lebensmitteltechnologie ist sie nach Bad Cannstatt gezogen. Die frühkindliche Prägung durch die Küche ihrer urfränkischen Oma „hat sich aber festgesetzt“, sagt sie. Auf ihren Foodblog schlägt sich das jedoch nur selten nieder. Die Gerichte, die sie vorstellt, sind aus aller Welt. „Coconut & Vanilla“ hat sie vor vier Jahren gestartet, benannt nach ihrer Lieblingsnachspeise: Kokosnuss-Panna-Cotta mit Vanille. Viel Süßes gibt es auf ihrem Blog („Meine Leidenschaft fürs Kochen kam über das Backen“), aber auch gesundes Essen. Wie die anderen ihrer Kollegen achtet die 27-Jährige auf die Auswahl der Lebensmittel. Vieles macht sie selbst, Pasta, Marmelade oder Tomatensoße, die sie abfüllt. „Das ist der Reiz beim Kochen, dass man mit den eigenen Händen etwas machen kann und dabei sieht, wie es entsteht“, sagt sie. Inzwischen bestellt sie sogar ein kleines Feld in Mühlhausen.