Free-Palästina-Demo in Stuttgart Rund 2000 Teilnehmer protestieren gegen Israel

Von ceb/dpa 

Rund 2000 Menschen sind am Freitag in Stuttgart gegen die israelischen Angriffe im Gazastreifen auf die Straße gegangen. Die Proteste verliefen in der Landeshauptstadt ruhig – wie auch bei weiteren Kundgebungen in anderen deutschen Städten.

Bei der Free-Palästina-Demo in Stuttgart protestierten rund 2000 Menschen gegen Israels Angriffe auf den Gaza-Streifen.

 Foto: Achim Zweygarth 41 Bilder
Bei der Free-Palästina-Demo in Stuttgart protestierten rund 2000 Menschen gegen Israels Angriffe auf den Gaza-Streifen. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - In ganz Deutschland haben am Freitag Tausende Menschen gegen die israelischen Angriffe auf die Palästinensergebiete demonstriert. „Gegen das Massaker in Gaza“ war die Veranstaltung in Stuttgart überschrieben. Die Organisatoren, mehrere palästinensische Gemeinschaften, das Palästinakomittee Stuttgart und der Arabische Kulturclub, hatten etwa 2500 Teilnehmer erwartet. Gekommen waren zwar ein paar Hundert weniger, die Polizei war dennoch mit einem Großaufgebot im Einsatz, hielt sich aber meist im Hintergrund.

Gegen 16.30 Uhr hatte sich die Menge auf dem Schlossplatz versammelt. Abgesehen von einem kurzen Tumult verlief schon der Beginn der Veranstaltung ruhig. Die Polizei musste eingreifen, als mehrere Demoteilnehmer auf eine Gruppe zugingen, die Israel-Flaggen schwenkten. Beharrlich wurde darauf hingewiesen, dass Parolen nur in deutscher Sprache skandiert werden sollten. Zu hören war der Ruf „Freiheit für Palästina“, aber auch „Kindermörder Israel“. Vereinzelt waren anti-israelische Karikaturen zu sehen, die juristisch am Rande der Volksverhetzung gewesen sein dürften. Gewalttätige Auseinandersetzungen gab es nicht.

Auch in anderen deutschen Großstädten waren am Freitag zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen zu protestieren. An der Demonstration in Berlin beteiligten sich rund 1200 Menschen. Doch die befürchteten antisemitischen Parolen waren nicht zu hören. Auch dort hatte die Polizei Auflagen erteilt: Das Töten oder Verletzen von Menschen dürfe nicht verherrlicht werden. Es durften keine Gegenstände verbrannt werden.

Verbände distanzieren sich von antisemitischen Parolen

Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, verteidigte auf einer Gegenkundgebung in Berlin die Angriffe seines Landes auf den Gazastreifen. „Es ist unser Recht und unsere Pflicht, uns zu verteidigen gegen Provokationen.“

Mehrere islamische Verbände distanzierten sich derweil von judenfeindlichen Parolen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung mittels friedlicher Demonstrationen dürfe nicht missbraucht werden, um Antisemitismus zu predigen, teilte die Kurdische Gemeinde Deutschland mit. Die Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nurhan Soykan, sagte im „Deutschlandradio Kultur“: „Wir haben uns immer davon distanziert, Juden im Allgemeinen anzugreifen und zu beleidigen. Aber es muss auch möglich sein, die israelische Politik, genauso wie die Politik anderer Länder, kritisieren zu dürfen.“

In Essen nahm die Polizei vier Männer mit Migrationshintergrund fest, die für eine Anschlagsdrohung gegen die als Kulturinstitut genutzte Alte Synagoge verantwortlich sein sollen. Sie wurden nach einer Vernehmung wieder freigelassen, sagte ein Polizeisprecher. Es gehe nun darum, die Ernsthaftigkeit ihrer bei Facebook veröffentlichten Drohung einzuschätzen.

Sprachbarriere ist ein Problem für die Polizei

Am Freitag wurde zudem ein Angriff auf einen jungen Mann mit Kippa bekannt. Der 18-Jährige wurde in Berlin Opfer eines möglicherweise antisemitischen Angriffs. Ein Fremder habe ihm nach Polizeiangaben am Donnerstag ins Gesicht geschlagen, anschließend zertrat der Angreifer die auf den Boden gefallene Brille des Opfers.

Am Rande der Demonstrationen, die am Dienstag und am vergangenen Samstag in Stuttgart veranstaltet worden waren, war es noch zu Rangeleien gekommen. Auch Kritik an der Polizei war laut geworden. Im Internet kursiert ein Bericht, wonach aus einem Polizeiwagen israelfeindliche Parolen gerufen worden seien. Die Polizei bestätigt, dass sie einen Vertreter der Veranstalter an den Lautsprecher gelassen habe. „Das haben wir schon bei anderen Demos gemacht. Wir haben jemanden den Lautsprecher benutzen lassen, weil er mit einer Durchsage zur Beruhigung beitragen sollte“, erläutert Polizeisprecher Stefan Keilbach. Ein Problem ergebe sich, wenn eine zweifelhafte Durchsage in einer anderen Sprache erfolge. „Wir werden das nicht mehr zulassen“, sagt Keilbach.

Ohnehin sei die Sprachbarriere ein Problem: „Wir müssen ja erst mal herausfinden, ob Straftaten vorliegen, etwa volksverhetzende Parolen gerufen werden oder auf Plakaten stehen.“ Unter anderem deswegen habe die Polizei eine Dolmetscherin engagiert. Zudem begleite ein Staatsanwalt die Demo, der Straftaten erkennen soll.

Pro-israelische Veranstaltung in Pforzheim

In den israelitischen Gemeinden beobachtet man das Demogeschehen aufmerksam vor dem Hintergrund von antisemitischen Parolen und vereinzelten Übergriffen. Lars Neuberger, der Vorstandsreferent der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, weist in diesem Zusammenhang auf eine Veranstaltung der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg am 29. Juli, hin. In einer Diskussion würden dort der Konflikt, die Proteste und der Antisemitismus analysiert. Die Veranstalter haben beobachtet, dass sich in die Kritik an Israel antisemitische Parolen mischen.

Unterdessen werden auch in der Region erste pro-israelische Demonstrationen angekündigt. Am Freitag rief die Organisation „Herzen für Israel“ zur Kundgebung in Pforzheim auf. Laut einem Sprecher der Organisation waren rund 15 Menschen zusammengekommen, die Veranstaltung sei von der Bevölkerung aufmerksam und überwiegend wohlwollend verfolgt worden. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Stuttgart und Mittlerer Neckar kündigte für Donnerstag, 31. Juli eine Versammlung an.

 

  Artikel teilen
9 Kommentare Kommentar schreiben

Wie besorgt man doch ist...: ...ob irgendwo auch nur eine antisemitische Äußerung zu hören war! Das scheint wohl das Allerschlimmste zu sein! Viel schlimmer als die Massenmorde in Gaza!

Antisemitismus in Stuttgart: Ich bin erstaunt und verärgert darüber, dass die Stuttgarter Zeitung zwar 41 Fotos dieser antiisraelischen Kundgebung zeigt, es jedoch nicht für nötig erachtet, auch die zahlreichen antisemistischen Schilder und Transparente zu dokumentieren.

Simon Klein, 19:43 Uhr: Hallo, geht's noch? Verteilen Sie jetzt Land? Fragen Sie mal die Jordanier was Sie davon halten (ja ich weiss dass 50% Palästinenser sind, die wurden vertrieben und leben deshalb da!) und fragen sie die Palästinenser die in Gaza/Westjordanland wohnen ob sie nochmal "umziehen" wollen - ist ja egal, die können doch woanders wohnen, ihre Häuser beschlagnahmen und zerstören lassen etc... oder? Gaza ist auch nicht besatzungsfrei nur weil es keine Siedlungen mehr dort gibt - Gaza unterliegt völkerrechtlich geshen weiterhin einer Blokade, der Luftraum wird ständig kontrolliert, das Brummen der Drohnen ist ständig zu hören, die Gewässer von Gaza sind auch blockiert, 3 Km dürfen die Fischer rausfahren und mehr nicht, die Grenzübergänge sind auch zu und nur sehr spärlich und mit viel bürokratischem Aufwand können diese passiert werden, den Flughafen den die EU vor Jahren gesponsert hat wurde von der israelischen Luftwaffe zerbombt. Die Demonstration am Freitag verlief sehr gut, eine der Forderungen war die Blockade endlich aufzuheben. Diese hätte schon vor Jahren aufgehoben werden sollen. Der Waffenstillstand wurde 2012 auch von der israelischen Regierung unterzeichnet, darin wurde auch die Aufhebung der Blockade festgelegt - passiert ist nichts! Die Blockade blieb bestehen.

Einspruch Herr Klein,...: ... kurzfristig und i.M. kann ich zustimmen, aber im historischen Kontext hängen da jede Menge "Westmächte" incl. ihrer Religionsdeutungen sehr tief drin. Damals die Briten, die Franzosen und vor allem die Deutschen. Heute eher die USA und deren Allierte. Hypothetisch angedacht, was wäre im heutigen Israel passiert, hätte Rommel mit seinen Truppen Jerusalem erreicht? Die Judenverfolgung wäre wohl mindestens so grauenvoll wie bei uns begangen worden. Ich würde mir wünschen, das alle 192 Staaten der UNO einen palästinensischen Staat anerkennen, und dann frei von religiösen Dogmen (mir ist bewußt, ein frommer Wunsch) Jerusalem, Bethlehem und das Land untereinander aufteilen. Ich kann und will mich nicht entscheiden was ich grauenhafter finde, Kinder als Schutzschilder zu missbrauchen, oder sie im Bombenhagel dem sicheren Tod auszusetzen. Albert Einstein sagte sinngemäss, er würde nicht wissen, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen werden würde, sicher seih er sich aber, das der vierte wieder mit Steinen und Stöcken vonstatten gehe.

Journalistische Meister: Journalismus ist das keiner - wer hat geredet , was hat ergesagt - Fehlanzeige Interessant wäre schon gewesen welche Positionen die Protestierenden Gruppen einnehmen. Solche "Randgruppen" sind der Stz aber eh kein Wort wert. Unter der Bildserie steht überall - es gab Auschreitungen - glatte Lüge Furchtbare Manipulationsschreibe

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.