Freudental Ein Bollwerk gegen Ausgrenzung und Hetze

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Das PKC feierte am Sonntag 30-jähriges Bestehen. Es sei eine wichtige Anlaufstelle, sagt der Festredner Thomas Schnabel. Nirgends verstehe man besser, was geschehen als an authentischen Orten. Genau das ist die ehemalige Synagoge.

Seit drei Jahrzehnten ist das Pädagogisch-Kulturelle Centrum ein Ort der Begegnung, des Gedenkens Foto: factum/Granville
Seit drei Jahrzehnten ist das Pädagogisch-Kulturelle Centrum ein Ort der Begegnung, des Gedenkens Foto: factum/Granville
Freudental – - Orte wie das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Freudental seien wichtig. Denn sie zeigten, dass Geschichte vor der eigenen Haustür passiere, sagt Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte.
Herr Schnabel, wenn Sie über das Thema „Vom Verdrängen zum Erinnern“ sprechen, stellt sich die Frage: haben wir denn etwas gelernt aus der Geschichte?
Das Geburtstagskind PKC beweist es doch, dass wir durchaus etwas aus der Geschichte gelernt haben.
Nämlich?
Dass es nichts bringt, Geschichte zu verdrängen. Dass es für das Individuum wie für die Gesellschaft existenziell ist, sich auch mit den weniger angenehmen Seiten der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und dass gerade durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte – und da sind wir wieder beim PKC – eine hohe Sensibilisierung für Ereignisse und gesellschaftliche Tendenzen da ist, die möglicherweise wieder in Richtung von Ausgrenzung, Diskriminierung, Hetze geht. Das sehen wir ja gerade im Moment.
Sie meinen die Pegida-Bewegung und die Reaktionen darauf?
Unter anderem. Aber ich denke auch an den Umgang mit Flüchtlingen.
Schaut die Gesellschaft anders auf Flüchtlinge, als sie es schon mal getan hat?
Es ist schwierig. Es gibt nicht einen Strang, der wirkt. Aber vielleicht hilft ein Blick nach Ludwigsburg und die Zentrale Stelle. Als sie 1958 gegründet wurde, wurden Kinder in der Schule verprügelt, wenn rauskam, dass der Vater oder die Mutter dort arbeiten. Der OB hat sich gegen die Stelle gestellt, es gab Briefe an die Staatsanwaltschaft Jerusalem, Außenstelle Ludwigsburg, die richtig zugestellt wurden. 2008 hat man den 50. Geburtstag im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses in Anwesenheit des Bundespräsidenten gefeiert. Man war stolz, und inzwischen ist die Zentrale Stelle Vorbild für die Aufarbeitung von Verbrechen in totalitären Staaten. Polen oder die lateinamerikanischen Länder, die ihre Militärjunta aufarbeiten, fragen in Ludwigsburg an, wie es geht.
Was sind die Verdienste des PKC und der Zentralen Stelle?
Wir können die Verbrechen der Nazis nicht wiedergutmachen. Ihr langfristiges Ziel war es, den Menschen ihre Heimat und ihre Namen zu nehmen. Das können wir ver­hindern. Denn wir geben den Menschen wieder Namen und machen sie zum Teil unserer Geschichte.