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Gerichtsverhandlung Auf das Brüllen folgt Betatschen

Oliver Hillinger, 20.02.2013 14:28 Uhr

Schorndorf - Eine junge Frau sitzt zusammengekauert auf dem Zeugenstuhl und kämpft damit, erzählen zu müssen. Im Grunde, so hat die 22-Jährige vor dem Amtsgericht Schorndorf gesagt, sei es bei ihr dasselbe gewesen wie bei anderen weiblichen Lehrlingen, die in den Jahren zwischen 2007 und 2011 in der fraglichen Konditorei eine Ausbildung gemacht haben. Sie sei von dem 49-jährigen früheren Lehrmeister mal angebrüllt, mal gegen ihren Willen angefasst und gestreichelt worden. Die Berührungen seien ihr überaus unangenehm , die Beschimpfungen seien unflätig gewesen, es sollen Ausdrücke wie „Arschlöcher“ und „Dubbel“ gefallen sein. Mehr als einmal sei sie den Tränen nahe gewesen. Im Frühjahr 2011 hatte sie sich nach längerem Zögern mit drei Anderen entschlossen, ihren Vertrag zu kündigen. „Man musste ihm einfach zeigen, dass es so nicht geht“, sagt die heute 22-Jährige vor Gericht.

Es ist fraglich, ob das Strafbefehlsverfahren die richtige Wahl gewesen ist. Die Kritik eines Verteidigers

Mit dieser Aussage häufen sich die Vorwürfe gegen den 49-jährigen Konditorenmeister. Er wehrt sich, wie berichtet, gegen einen Strafbefehl, mit dem er gegen Zahlung von 18 000 Euro die Gerichtsverhandlung hätte abwenden können. Nach wie vor äußert sich der Mann, der bis vor kurzem eine führende Position im Prüfungsausschuss seiner Handwerksinnung einnahm, nicht zu den Vorwürfen. Er hat lediglich zu Beginn der Verhandlung eine Erklärung seines behandelnden Psychologen verlesen lassen, wie belastend und geschäftsschädigend das Verfahren für ihn sei. Die Innung hat ihn inzwischen von seinen Aufgaben entbunden und ihm die Berechtigung entzogen, weibliche Lehrlinge einzustellen. Bei der Handwerkskammer sollen sechs seiner früheren Auszubildenden das sexuell übergriffige Verhalten des Meisters bezeugt haben, vier von ihnen haben vor dem Amtsgericht ausgesagt. Die Vorwürfe lauten ähnlich: Der 49-jährige habe sich absichtlich eng an ihnen vorbeigedrängt, habe ihnen in den Nacken gehaucht und in einem Fall sogar unter die Kleidung gegriffen. Anzügliche Bemerkungen sollen an der Tagesordnung gewesen sein, hatten die jungen Frauen an vorigen Verhandlungstagen berichtet.