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Gernot Gruber im Porträt Familie verpflichtet

Martin Tschepe, vom 25.07.2011 16:00 Uhr
Grün-Rot auf dem Pult und ein zufriedenes Lächeln: der Abgeordnete Gernot Gruber. Foto: Stoppel
Grün-Rot auf dem Pult und ein zufriedenes Lächeln: der Abgeordnete Gernot Gruber. Foto: Stoppel
"Bei der Taufe des Bruders will der Pfarrer, dass die Gemeinde singt. Gernot stimmt "Brüder zur Sonne zur Freiheit" an."
Gudrun Gruber, die Mutter des neuen Abgeordneten

Stuttgart - Furnierte Möbel, nicht der neueste Schrei. Aus einem der Schränke lässt sich ein Bett ausklappen - eine Option für lange Arbeitstage. Der Neue hat das Büro im Haus der Abgeordneten vor einigen Wochen bezogen: Gernot Gruber aus Backnang, Diplommathematiker, Politikwissenschaftler, Marathonläufer und Sozialdemokrat.

Auf dem Schreibtisch liegt ein einsamer Aktenordner. Im Regal stehen Laufschuhe, daneben lagern eine kurze Sporthose und ein Trikot. Gruber hat in den vergangenen Monaten das Training sträflich vernachlässigt. Vielleicht klappt's ja demnächst endlich mit einem Lauf von Stuttgart bis nach Backnang. An der Wand hängt ein großer Bilderrahmen mit Fotos: Gruber im Landtagswahlkampf, Gruber beim Joggen, Gruber mit Parteiprominenz. Einen großen Auftritt am Rednerpult im Landtag hat der gebürtige Murrhardter bisher nicht hingelegt. Das kommt bestimmt noch. Die Legislaturperiode ist jung.

Für die Genossen war es ein langer Weg bis nach Stuttgart. Nicht für Gernot Gruber persönlich. Der 48-Jährige hat erstmals kandidiert und im März auf Anhieb den Sprung ins Parlament geschafft. Die Backnanger SPD hatte im Landtag fast vier Jahrzehnte lang nichts mehr zu melden. Der bis dato letzte SPD-Mann aus dem ländlich geprägten Wahlkreis, in dem die CDU das Abonnement auf das Direktmandat hat, war auch ein Gruber: Giselher Gruber, des Vater des Neuen. Ihm war es 1972 gelungen, einen Sitz im Landesparlament zu erringen. Jetzt tritt der Filius in die Fußstapfen seines Vaters. Familie verpflichtet.

Klein-Gernot ließ sich selten unterkriegen

Gernot Gruber ist in einem durch und durch sozialdemokratisch geprägten Elternhaus aufgewachsen. Sein Vater Giselher Gruber war ein konfessionsloser Lehrer, Mitte der sechziger Jahre arbeitete er an einer Murrhardter Hauptschule. Die Familie wohnte damals im alten Schulhaus im 200-Seelen-Flecken Steinberg. Der Hausherr, Mitglied der SPD-nahen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, trug nur sehr selten Anzug und Krawatte, viel lieber einen roten Schal. Als Ortsvorsitzender seiner Partei wurde er von den Mitbürgern geachtet, aber auch misstrauisch beäugt. Ein bekennender Sozi auf dem Lande - das war vielen Menschen doch einigermaßen suspekt. Der Bub hat von klein auf erlebt, dass sein Papa ein Exot ist. Gernot und seine drei Geschwister Gislind, Gunhild und Gunter hatten es nicht immer einfach.

Der neue Mann im Landtag erinnert sich an manch eine Geschichte aus seiner Kindheit nicht so gerne. Klein-Gernot ließ sich indes selten unterkriegen. Einmal lief der Knirps im Fußballverein mit einer schwarzen Hose auf, obgleich der Trainer unmissverständlich klargemacht hatte: eine blaue muss es sein. Alle Mitspieler trugen vorschriftsmäßig blau, nur Gernot nicht. Sein in Berlin geborener Vater, in puncto Sparsamkeit ein überzeugter Schwabe, meinte, die schwarze Hose sei noch tadellos. Geld ausgeben für eine neue? Kommt gar nicht infrage. Der Trainer war stinksauer - und Gernot hatte den Ärger. "Dein Vater ist doch sonst nicht für die Schwarzen", ätzte der Übungsleiter, und das Kind musste wieder einmal schlucken.

Gernots Mutter erzählt besonders gerne die Familiengeschichte vom Tag der Taufe des kleinen Brüderchens Gunter im Jahr 1968. Die Zeremonie war im Gange, der Pfarrer forderte die Gemeinde auf, ein Kirchenlied zu singen. Und was tat der vierjährige Sohn, als er das Wort singen hörte? Ganz klar: Gernot stimmte "Brüder zur Sonne zur Freiheit" an - ein altes Lied der Arbeiterbewegung. Die Gemeinde war irritiert.

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Kommentare (1)
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JUL
25
18:07 Uhr, geschrieben von Jens
Die Sack-Reis-in-China-Saga
Es befremdet, dass in Zeiten eines nun schon Wochen andauernden Redakteursstreiks innerhalb einer Notausgabe von knapp über 20 Seiten ein solch uninteressantes Thema mit einer vollen Zeitungsseite ausgewalzt wird. Die schicksalhaft überhöhte Botschaft, dass es die Roten im Lande seit jeher nicht leicht haben und es nun gar innerhalb einer Generation schon der zweite Hinterbänkler einer Backnanger Familie in den Landtag geschafft hat, verblasst angesichts der Ereignisse des Wochenendes.
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