Gesundheit E-Zigaretten verdampfen ein giftiges Gemisch

Von  

Bei Jugendlichen werden E-Zigaretten und E-Shishas immer beliebter. Doch Forscher warnen: die Inhaltsstoffe können der Gesundheit schaden. Sie kritisieren die Werbung, die auch auf junge Kunden zielt.

Stinkt nicht, aber verdampft problematische Substanzen: die E-Zigarette Foto: Mauritius
Stinkt nicht, aber verdampft problematische Substanzen: die E-ZigaretteFoto: Mauritius

Heidelberg - Sie kommen in allen nur denkbaren Geschmacksrichtungen: Gummibärchen oder Kaugummi für die Kinder, Tiramisu oder Schokolade für die einige Jahre älteren Jugendlichen, und Kaffee oder Eierlikör für die höheren Semester – die Hersteller der E-Zigaretten bedienen jeden Geschmack. Ebenso gibt es die elektrischen Verdampfer in verschiedenen Designs. Sie werden mit glitzernden Strasssteinen besetzt angeboten oder mit Herzchenmotiven bedruckt. Außerdem werden E-Zigaretten immer häufiger mit Zusatzfunktionen bestückt: So hat ein holländisches Unternehmen beispielsweise eine E-Zigarette entwickelt, mit der man nicht nur rauchen, sondern über Bluetooth auch telefonieren oder Musik hören kann.

„Mit derartigen Produkten versuchen die Hersteller, Kinder und Jugendliche als Kunden zu erreichen“, sagte Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg bei der diesjährigen Konferenz für Tabakkontrolle. Und passend dazu würden die bunten E-Zigaretten beispielsweise an Tankstellen direkt neben den Süßigkeiten angeboten, erklärte die Leiterin der Stabsstelle für Krebsprävention am DKFZ.

„Weltweit werden E-Zigaretten immer beliebter“, warnte Wolfgang Schober vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit in München bei der Konferenz. Knapp sechs Prozent der deutschen Bevölkerung hätten das elektrische Pendant zur Zigarette bereits einmal in den Fingern gehabt. In der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen habe fast jeder Dritte mindestens einmal eine E-Zigarette ausprobiert. Darunter seien auch viele Jugendliche, die noch nie zu einer herkömmlichen Zigarette gegriffen hätten. E-Zigaretten würden in dieser Altersgruppe immer beliebter. Auch die E-Shishas – eine Variante der E-Zigaretten – sehe man immer häufiger vor Schulen oder bei Treffpunkten von Kindern und Jugendlichen. „E-Zigaretten werden als cooles Lifestyle-Produkt verkauft“, sagte Verena Viarisio, wissenschaftliche Mitarbeiterin am DKFZ. Man versuche sich damit auch von den stinkenden Rauchern abzugrenzen.

Beim Inhalieren könnte manche Substanz gefährlich sein

Diese Entwicklung ist fatal, denn die E-Zigaretten sind keineswegs so harmlos, wie sie immer beworben werden. Da waren sich die Experten bei der Konferenz einig. Wissenschaftler des DKFZ und des bayerischen Gesundheitsamtes haben zahlreiche Studien zur Gesundheitsgefährdung ausgewertet. Sie kamen dabei zu dem Ergebnis, dass sich diese aus drei Faktoren ergibt: Erstens besteht die elektronische Vernebelungsmaschine aus einem vielfältigen Giftgemisch. Hinzu kommt das Nutzerverhalten und die Technik des Geräts, denn je nach Gusto kann man die Dampf-Zigaretten mit mehr oder weniger Aromen oder Nikotin bestücken und damit das gesundheitsgefährdende Risiko erhöhen. Und drittens gelangt je nach Gerätetyp unterschiedlich viel der schädlichen Substanzen in den Körper.

„E-Zigaretten gehören nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen. Sie sind gesundheitsgefährdend“, betonte Schober. Denn beim Einatmen von E-Zigaretten-Dampf wird ein giftiger Chemie-Cocktail inhaliert. Problematisch ist vor allem der Hauptinhaltsstoff Propylenglykol, der industriell auch als Frostschutzmittel eingesetzt wird. Dieses Mittel dient als Vernebelungssubstanz. Flüssig wird es zwar als ungiftig eingestuft und ist als E 1520 für Aromen und Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, doch vernebelt reizt die Substanz beim Inhalieren die Atemwege. Personen, die an ihrem Arbeitsplatz regelmäßig einem Propylenglykoldampf ausgesetzt sind, haben Atembeschwerden oder Lungenfunktionsstörungen. Zusätzlich zu dieser Trägersubstanz, die beim Rauchen elektrisch verdampft wird, kommen diverse Aromastoffe. Diese Substanzen sind in Lebensmitteln zugelassen und daher in ihrer ursprünglichen Form harmlos. „Dies bedeutet aber keinesfalls, dass sie auch bei der Inhalation ungefährlich sind“, so Schober. So könne beispielsweise die süßliche, butterähnliche Substanz Diacetyl beim Einatmen schwere Entzündungen in den Atemwegen verursachen. Viele der Aromen könnten bei der Vernebelung Allergien auslösen, und auch ein Krebs erregendes Risiko könne nicht ausgeschlossen werden. Häufig werde, so Schober, den E-Zigaretten auch Nikotin zugesetzt. Allerdings nicht in Form von Tabak, sondern gelöst in dem Liquid. Das Nikotin werde dafür aus den Tabakpflanzen extrahiert. Bei diesem Verfahren könnten Nitrosamine entstehen, die als Verunreinigung zusätzlich in dem Liquid enthalten seien. Diese Stoffe gelten beim Menschen als Krebs erregend.

Was bei Temperaturen von 280 Grad entstehen kann

Auch die unterschiedlichen Geräte haben einen Einfluss auf das Gesundheitsrisiko. Die Produkte der sogenannten ersten Generation sehen im Prinzip aus wie Tabakzigaretten. Sie bestehen aus einer Batterie mit geringer Spannung, einem Verdampfer und einer kleinen Kartusche für das Liquid, das verdampft wird. Die Geräte der zweiten Generation sind mit einer größeren Batterie ausgestattet: Eine stärkere Spannung bewirkt, dass das Heizelement stärker erhitzt wird, und damit verdampft bei jedem Atemzug mehr Liquid – und damit auch mehr Aerosol samt den schädlichen Stoffen und dem Nikotin. Bei den E-Zigartetten der dritten Generation gibt es diverse Modifikationen. Mit einer hohen Batteriespannung bis zu sechs Volt werden hohe Verdampfungstemperaturen erreicht – und damit steigt das Risiko, dass Krebs erregende Substanzen frei werden. Bei Temperaturen ab 280 Grad entstehen beispielsweise aus Propylenglykol und Glycerin Krebs erregende Carbonyle. „Zum Schutz der erwachsenen Konsumenten, die sich für diese Geräte entscheiden, sollten technische Mindeststandards eingeführt werden“, forderte Schober.

Zudem hängt das Gesundheitsrisiko vom Verhalten des E-Rauchers ab. Wer stärker inhaliere, nehme auch mehr Aerosole und damit Schadstoffe auf, sagte Schober. Geübte Konsumenten steigen schnell auf die Geräte der zweiten und dritten Generation um und stellen sich ihr Liquidgemisch selbst zusammen – nicht selten bestellen sie dieses im Internet und können in diesem unübersichtlichen Spektrum kaum beurteilen, was sie tatsächlich vernebeln.

17 Kommentare Kommentar schreiben

Seit kurzem berichten deutsche Medien offensiv über eine aktuelle Harvard-Studie und den Inhaltsstoff bzw. das Liquid-Aroma Diacetyl, welches in Verdacht steht eine sog. „Popkorn-Lunge“ auszulösen. Auch hier wird abermals aus einer kleinen Mücke ein großer Elefant gemacht. Ungeachtet der Tatsache, dass diese Thematik allen seriösen und namhaften großen deutschen Liquid-Herstellern seit etlichen Jahren bekannt ist und nahezu alle aus genau diesem Grund ausdrücklich auf die Verwendung solcher Stoffe verzichten, möchten wir Ihnen hiermit trotzdem gerne ausführlich darlegen, warum diese Medienberichte erstens vollständig überzogen sind und zweitens vielmehr wohl nur dem Zweck dienen sollen, Nutzer von e-Zigaretten und die Bevölkerung noch tiefer zu verunsichern. Eine Tabaklobby- bzw. Pharmalobby-gesteuerte Verbreitung solcher Berichte ist hierbei nicht von der Hand zu weisen, sondern vieles deutet sogar besonders darauf hin, dass e-Zigaretten Nutzer entweder lieber wieder rauchen sollen, oder besser noch statt einer e-Zigarette lieber die Nikotinprodukte der Pharmakonzerne verwenden sollen. Das Nikotin in solchen Produkten ist natürlich nicht schädlich... aber das ist ein anderes Thema. Auch Anti-Raucher-Organisationen und Institutionen wie dem DKFZ rund um die wohl größte e-Zigaretten Gegnerin Fr. Dr. Martina Pötschke-Langer spielen solche Berichte natürlich in die Hände um das Thema „e-Zigarette“ weitergehend zu dramatisieren. Zunächst stellen wir nach Sichtung der benannten Harvard-Studie (Quelle) fest, dass diese in den USA durchgeführt worden ist, bei welcher man aus über 7.000 in den USA verkauften Liquids ganze 51 Liquids „ausgewählt“ und diese dann getestet hat. Es handelte sich laut Studienbericht sogar um eine bewusste Selektion von einzelnen Liquids! Bereits bei dieser "Selektion" ist eine Manipulation der Studienergebnisse nicht auszuschließen sondern vielmehr zu erwarten. Seriöse deutsche Liquidhersteller verzichten jedoch explizit auf die Verwendung solcher Aromastoffe, da diese sich des benannten Risikos einer „Popkorn-Lunge“ o.ä. durchaus bewusst sind, wie z.B. der Hersteller von Happy Liquid, welcher Inhaltsstoffe und Aromen vor Verwendung auf Lungenverträglichkeit ausführlich untersucht

Unverantlich: Sehr geehrte Frau Volz, Nein, E-Zigaretten verdampfen KEIN giftiges Gemisch! Welche Schäden, welche Vergiftungsfälle sind Ihnen denn bekannt, wieviel Opfer sind zu beklagen? Tausende? Millionen, wie bei denTabakzigaretten? 20? Wenigstens einer? Nein? Ist Ihnen gar nicht aufgefallen, dass es bei diesem Kongress um eine ziemlich wichtige Sache ging? Ein Viertel der Bevölkerung raucht, mit den ganzen bösen Folgen, die auch Ihnen bekannt sein dürften, es gibt ein, laut Dr.Pötschke-Langer, "vergleichsweise harmloses Produkt", dass als Alternative zum Rauchen dient. Kurz vor der gesetzlichen Regelung geht es um wirtschaftliche Interessenslagen und Ideologien. Interessante Dinge des Kongresses haben Sie weggelassen: die Verbindungen zur Pharmaindustrie etwa, die Ausladung der Verbrauchervertretung, die ZIS-Studie zum Verbraucherverhalten... Sie berichten von Gummibärchenaroma und rosafarbenen Strasssteinchen, das ist völlig irrelevant, denn das Jugendschutzgesetz ist auf dem Weg. E-Zigaretten gibt es, um Erwachsenen den Nikotingenuss zu ermöglichen, ohne die Gifte der Tabakzigarette zu sich zu nehmen. Der überwiegende Teil der Dampfer sind ehemalige Raucher oder Raucher, die den Tabakkonsum einschränken wollen. "Harm reduction", also Schadensverringerung durch die E-Zigarette wird in letzter Zeit weltweit diskutiert, weil die Studienlage das nahelegt und weil nach 10 Jahren Nutzung keine Schädigungen bekannt sind, bei vielen Millionen Nutzern. E-Zigaretten können Leben retten! Sie können von Tabaksucht befreien und den daraus folgenden Erkrankungen. Die Tabakindustrie, die Pharmaindustrie und der Finanzminister sind darüber nicht erfreut. Da sollte man als Journalist schon genauer hinhören. E-Zigaretten können Leben retten! Millionen Leben. Leider tragen Sie, Frau Volz, entgegen jeder jounalistischen Sorgfaltspflicht dazu bei, dass viele mögliche Umsteiger von E-Zigaretten abgehalten werden, diese weniger schädliche Alternative in freier Entscheidung zu erkunden. Frau Volz, Sie tragen Verantwortung!

Genau auf den Punkt: Super und genau richtig geschrieben! So ist es und nicht anders!

Horizonterweiterung: Nahezu alle handelsüblichen Inhalatoren enthalten das "Frostschutzmittel" Propylenglykol. Wer mit Desinformation gegen E-Zigaretten argumentieren muss, hat sich aus meiner Sicht ins wissenschaftliche Abseits begeben, in diesem Fall die Vertreterin der Tabakkontrollstelle der WHO am DKFZ. P.S. Zum Beispiel enthält das Nikotinprodukt "Nicorette Spray" laut Waschzettel exakt dieselben Substanzen (Nikotin, Propylenglykol, Glycerin, Aroma), wie handelsübliche Liquids – plus einige weitere Zusätze.

E-Zigarette: Guten Tag, dies ist ein weiterer Artikel, der sich in die lange Reihe unreflektierter, einfach nach dem Maul div. Institutionen geschriebenen, einreiht. Tausende haben ihn inzw. gelesen. Der eine mag Frau Volz als Praktikantin einstufen, aber die große Mehrheit sieht die Kampagne des DKFZ u. WHO dahinter...und die StZ. als Handlanger bzw. willfähriges Medium. Wenn Frau Folz bereit wäre zu recherchieren, und zwar in "beide" Richtungen, wäre dieser Artikel nie erschienen. Das Ziel ist Stimmungsmache unter den Nichtrauchern/-interessierten um bestehende Gesetzesvorlagen durchwinken zu können. Ich spreche aus der Sicht der E-Zigaretten User, und "wir" halten uns an Fakten und Forschungsergebisse wie sie z.B. für "jeden" hier nachzulesen ist http://blog.rursus.de/2014/05/zukuenftige-halb-und-unwahrheiten-zur-e-zigarette/ Nächstes Jahr wird ein Film ins Kino kommen, der das wahre Gesicht hinter einer Frau Volz, DKFZ, WHO etc. zeigen wird. "A Billion Lives" by Aaron Biebert. Aber auch dann wird sich die Schlange der Apotheker aufs widerwärtigste winden. MfG T.M.

"Wissen"?: Das witzigste an diesem - ja, was ist es eigentlich? Ein Kommentar? Die persönliche Meinung der Autorin? Das in Kurzform wiedergegebene Protokoll einer 2-tägigen Konferenz der vereinigten Gesundheitsprediger? Eine Pressemitteilung vom DKFZ? - also das witzigste ist, dass dieses unsägliche Pamphlet unter der Rubrik "Wissen" veröffentlicht ist. Ein Zeitungsartikel sollte es hoffentlich nicht werden. Und Satire doch wohl auch nicht ...? Ich habe selten einen derart einseitigen, manipulativen, ja geradezu bösartigen Aufsatz wie den vorliegenden gelesen. "Stinkende Raucher", "Giftgemisch", Lügen über kinderverführende Dampfgerätehersteller verbreiten - das ist schon starker Tobak, Frau Volz. Von Reflektion, Recherche und Verantwortungsbewusstsein keine Spur. Sie hauen einem unbedarftem Leser, der vielleicht auch noch Raucher ist, die nackte Propaganda, halbe und ganze Unwahrheiten der selbsternannten "Experten" des DKFZ um die Ohren, dass es keine helle Freude mehr ist. Derjenige Raucher, der bei solch einer ausschließlich negativen Darstellung nicht stutzig wird, sondern glaubt, was in Ihrer Zeitung steht, der wird im Leben nicht auf die sehr viel weniger schädliche Alternative seines Rauchvergnügens umsteigen. Nein, der wird weiterrauchen, bis ihm sein Arzt die Rote Karte zeigt – oder noch darüber hinaus. Das ist wahrhaft teuflisch.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.