Gewässer in Stuttgart Mehr Bäche im Stadtbild, aber keine Prestigeprojekte

Heike Armbruster, 24.01.2013 12:09 Uhr

Stuttgart - „Die Stadt wäre gut beraten, wenn sie die Flüsse in den Vororten Stuttgarts auf die Prioritätenliste nimmt und sie so gestaltet, dass sie zu Naherholungszielen werden“, sagt Ulrich Wecker, der Geschäftsführer des Haus- und Grundbesitzervereins Stuttgart. „Es würde Stuttgart insgesamt guttun, wenn etwa Nesenbach, Körsch und Glems wieder als Teil der Stadt verstanden und entsprechend in das Stadtbild eingebunden wären“, begründet auch Klaus Lang, der Vorsitzende von Haus und Grund Stuttgart, die Forderung des Vereins nach einem Gesamtkonzept für die Renaturierung der Bachläufe, und danach, sich dabei nicht vornehmlich auf den Neckar zu konzentrieren.

Den Nesenbach in der Innenstadt ans Tageslicht zurückzuholen, erscheint unverhältnismäßig aufwendig, sollte aber von der Verwaltung ergebnisoffen geprüft werden. Ulrich Wecker, Geschäftsführer des Haus- und Grundbesitzervereins

Anlass für die Initiative des Vereins war ein Vortrag des Architekten Roland Ostertag. Ostertag setzt sich schon länger für die Offenlegung des Nesenbachs ein. Er ist nicht der Erste. In den 1980er Jahren wurden im Rahmen eines Architekturforums mehrere Vorschläge erarbeitet, wie dies gehen könnte. 2001 gab es dann den Wettbewerb „Wasser in der Stadt“. Haus und Grund fordert explizit ein Konzept, das nicht nur die Innenstadt im Blick hat, sondern die Gesamtstadt mit den Bächen Körsch und Glems sowie den zahlreichen Seen im Stadtgebiet – neben den Parkseen beispielsweise auch den Tachensee in Weilimdorf und den Buberlesweiher in Botnang.

„Den Nesenbach in der Innenstadt ans Tageslicht zurückzuholen erscheint unverhältnismäßig aufwendig, sollte aber von der Verwaltung ergebnisoffen geprüft werden“, betont Geschäftsführer Wecker. Eine Idee, wie das im Fall des Nesenbachs aus­sehen könnte, hat der Landschaftsarchitekt Bernhard Geiger zusammen mit Kollegen bereits 1974 präsentiert. Geiger hat in einem Wettbewerb für die Bundesgartenschau 1977 ausgearbeitet, wie der Nesenbach zu einem Spielbach renaturiert werden könnte. Eine kleine Kläranlage sollte für Kinder demonstrieren, wie Abwasser aufbereitet werden kann. „Das Projekt wurde ernsthaft diskutiert. Warum es nicht realisiert wurde, haben wir nie erfahren“, sagt Geiger. Er ist überzeugt, dass sich ein solcher Spielbach noch heute im Schlossgarten anlegen ließe.

Stadtverwaltung betont, es gibt Konzepte für die Gewässer

Haus und Grund geht es vor allem darum, dass alle Bewohner Stuttgarts profitieren. „Wir wollen nicht nur ein Prestigeprojekt, etwa am Landtag, sondern mehr Lebens- und Wohnqualität für die Menschen in den Vororten“, sagt Wecker.Bei der Stadt ist man über den Vorstoß von Haus und Grund überrascht. „Es gibt für jeden Gewässerlauf in der Stadt ein Konzept“, betont Wolfgang Maier vom Amt für Stadtplanung und -erneuerung. „Selbstverständlich haben wir nicht nur den Neckar im Blick, wir sind aber froh, dass wir jetzt erstmals die Mittel haben, am Neckar etwas zu gestalten.“ Jedes Jahr werde ein Bachabschnitt wieder an die Natur zurückgegeben, jüngst etwa der Feuerbach im Bereich Zazenhausen.

Man könne vielleicht über das Tempo streiten, sagt Maier, müsse allerdings auch bedenken, dass bei der Renaturierung der Gewässer sowohl Hochwasserschutzvorgaben als auch Kosten und natürlich die Verhandlungen mit Grundstückseigentümern die Umsetzung verzögerten.

Beim Nesenbach sei beispielsweise klar, dass ein durchgängiger Bachlauf von der Quelle in den Vaihinger Honigwiesen bis hin zur Mündung in den Neckar nicht mehr realisierbar sei. Für einzelne Abschnitte ­gebe es aber bereits Pläne.