Gewerkschaft zu Stuttgart 21 Lokführer kritisieren den schrägen Bahnhof

Von Thomas Braun 

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hält ein Bahnsteiggefälle im geplanten Tiefbahnhof von über 15 Promille für gefährlich. Die Bahn sieht das anders.

Der ICE-Bahnhof Ingolstadt-Nord ist noch stärker geneigt als der S-21-Bahnhof. Foto: Bahn
Der ICE-Bahnhof Ingolstadt-Nord ist noch stärker geneigt als der S-21-Bahnhof.Foto: Bahn

Stuttgart - Vor der Volksabstimmung am 27. November, bei der es um den Ausstieg des Landes aus der Mitfinanzierung des Bahnprojekts Stuttgart 21 geht, wird vor allem über die Kosten debattiert. Eisenbahnpraktiker wie die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) lenken derweil noch einmal den Blick auf Sicherheitsaspekte durch die extreme Gleisneigung im neuen Tiefbahnhof. Die GDL warnt davor, die Verantwortung für Zugstopps, Bremsmanöver oder gar Unfälle durch wegrollende Züge auf die Zugführer abzuwälzen.

Zur Erinnerung: die vom Eisenbahnbundesamt (Eba) genehmigte Planfeststellung für die unterirdische Durchgangsstation aus dem Jahr 2005 erlaubt es der Bahn, bei Stuttgart 21 Bahnsteige mit einem Gefälle von mehr als 15 Promille anzulegen - auf der Bahnsteiglänge von rund 400 Metern entspricht dies einem Gefälle von etwa sechs Metern. Der Stuttgarter Tiefbahnhof liegt republikweit auf Platz zwei hinter der Station Ingolstadt-Nord, die 20 Promille Gefälle aufweist.

Nationale Richtlinien wurden verschärft

Das Eba berief sich bei Genehmigung des Stuttgarter Tiefbahnhofs auf eine Soll-Vorschrift aus der deutschen Eisenbahnbetriebsordnung. Dort hieß es: "Die Neigung von Gleisen an Fahrgastbahnsteigen soll 2,5 Promille nicht übersteigen." Für Stuttgart 21 machte die Bonner Genehmigungsbehörde eine Ausnahme von der Regel.

2007 allerdings hat die Europäische Union bei der Überarbeitung ihrer technischen Vorschriften für den europaweiten Eisenbahnverkehr, der sogenannten TSI-Infrastruktur, die nationale Richtlinie verschärft: Das Wörtchen "soll" wurde durch "darf" ersetzt - und damit wurden eigentlich Ausnahmeregelungen unmöglich gemacht. So aber wäre das Konzept für den Tiefbahnhof massiv gefährdet gewesen.