Gewerkschaft zu Stuttgart 21 Lokführer kritisieren den schrägen Bahnhof
Thomas Braun, 30.10.2011 08:35 Uhr
Der ICE-Bahnhof Ingolstadt-Nord ist noch stärker geneigt als der S-21-Bahnhof. Foto: Bahn
Der ICE-Bahnhof Ingolstadt-Nord ist noch stärker geneigt als der S-21-Bahnhof. Foto: Bahn
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Stuttgart - Vor der Volksabstimmung am 27. November, bei der es um den Ausstieg des Landes aus der Mitfinanzierung des Bahnprojekts Stuttgart 21 geht, wird vor allem über die Kosten debattiert. Eisenbahnpraktiker wie die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) lenken derweil noch einmal den Blick auf Sicherheitsaspekte durch die extreme Gleisneigung im neuen Tiefbahnhof. Die GDL warnt davor, die Verantwortung für Zugstopps, Bremsmanöver oder gar Unfälle durch wegrollende Züge auf die Zugführer abzuwälzen.

Zur Erinnerung: die vom Eisenbahnbundesamt (Eba) genehmigte Planfeststellung für die unterirdische Durchgangsstation aus dem Jahr 2005 erlaubt es der Bahn, bei Stuttgart 21 Bahnsteige mit einem Gefälle von mehr als 15 Promille anzulegen - auf der Bahnsteiglänge von rund 400 Metern entspricht dies einem Gefälle von etwa sechs Metern. Der Stuttgarter Tiefbahnhof liegt republikweit auf Platz zwei hinter der Station Ingolstadt-Nord, die 20 Promille Gefälle aufweist.

Nationale Richtlinien wurden verschärft

Das Eba berief sich bei Genehmigung des Stuttgarter Tiefbahnhofs auf eine Soll-Vorschrift aus der deutschen Eisenbahnbetriebsordnung. Dort hieß es: "Die Neigung von Gleisen an Fahrgastbahnsteigen soll 2,5 Promille nicht übersteigen." Für Stuttgart 21 machte die Bonner Genehmigungsbehörde eine Ausnahme von der Regel.

2007 allerdings hat die Europäische Union bei der Überarbeitung ihrer technischen Vorschriften für den europaweiten Eisenbahnverkehr, der sogenannten TSI-Infrastruktur, die nationale Richtlinie verschärft: Das Wörtchen "soll" wurde durch "darf" ersetzt - und damit wurden eigentlich Ausnahmeregelungen unmöglich gemacht. So aber wäre das Konzept für den Tiefbahnhof massiv gefährdet gewesen.

Kommentare (242)
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NOV
11
Dipl.-Ing. Laurenz Scholten, 00:22 Uhr

"Menschliches Versagen, so der Sprecher, lasse sich niemals ganz auszuschließen."

Dieser letzte Satz des Artikels trifft des Pudels Kern: Die Bahn wälzt die Verantwortung auf die Lokführer ab, die in Stuttgart21 eben besonders vorsichtig sein müssen, damit in diesem gefährlichen Schrägbahnhof nichts passiert. Und natürlich werden die Lokführer auch extra vorsichtig sein. Aber: Bei rund 600 Zugfahrten pro Tag - also rund 200.000 Zugfahren pro Jahr - ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand einen menschlichen Fehler macht oder ein Bremsversagen auftritt. Ich verstehe die Sorgen der Lokführer, denn im Unglücksfall gilt immer: Die Kleinen hängt man, die Mächtigen waschen ihre Hände in Unschuld. Dieser gefährliche Bahnhof darf nicht gebaut werden!

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NOV
09
Beobachtung, 21:36 Uhr

Seltene Ereignisse

@Burghard Korneffel, Sie schrieben "Bahnsteighälfte hinweg und schießt ins Gleisbett. Die Größe dieses Winkels hängt vom Verhältnis Querneigung zu Längsneigung ab. Auf http://www.trac.biz/html/neigung.html gibt es viele Bilder, welche den Sachverhalt anschaulich erläutern. Das Verhalten der Wägelchen wird durch Naturgesetze bestimmt, die von Sir Isaac Newton (1642 - 1726) entdeckt wurden. " Und von den Annahmen, die man macht, z.B. die Vernachlässigung der Rollreibung, obwohl der Boden im Bahnhof extra mit einem sehr rollhemmenden Belag ausgestattet wird. "Die Bahnmanager können vieles, aber nicht das Wirken der Naturgesetze verbieten." Ja, aber man kann die Bahnsteige so gestalten, dass neben dem erhöhten Rollwiderstand auch Bemöbelung (Bänke, Glaßkästen, etc.) in der Bahnsteigmitte verhindern, dass dort etwas durchrollen kann. Sie werden argumentieren, dass es immer noch ein paar wenige freie Möglichkeiten gäbe. Ja, aber die ständen dann in einem fast rechten Winkel zum Längsgefälle, womit diese keine signifikanten Beitrag zur beschleunigung mehr liefert. " - - - - Vor ein oder zwei Jahren setzte sich ein Kinderwagen auf einem Bahnsteig selbstständig in Bewegung und kippte auf das Gleis. Die Lok schob den Kinderwagen trotz sofortigen Bremsens noch ein Stück vor sich her. Riesen Glück, das Baby wurde nicht oder nur leicht verletzt. Der Vorfall ging durch alle Medien. So selten sind solche Vorfälle nicht." Nun ja, offenbar in ganz Deutschland (oder war es im Ausland) in den lezten 10 (oder mehr) jahren genau einmal, weil Sie wissen ja nur von diesem einen Vorfall zu berichten. Und wie ich schon schrieb, viele Bahnsteige haben heutzutage ein Quer-Gefälle direkt zu den Gleisen hin, damit Regenwasser abläuft. Mit S21 ist das ungleich gefährlicher, und trotzdem passiert das nur einmal alle 10 Jahre, oder noch seltener...

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NOV
07
Burghard Korneffel, 22:57 Uhr

Naturgesetze wirken, ob es uns passt oder nicht. Wer sie leugnet, riskiert, nicht mehr für ernst genommen zu werden.

@Beobachtung: Ab einem gewissen Winkel läuft das in Bewegung geratenen Wägelchen über die quer geneigte Bahnsteighälfte hinweg und schießt ins Gleisbett. Die Größe dieses Winkels hängt vom Verhältnis Querneigung zu Längsneigung ab. Auf http://www.trac.biz/html/neigung.html gibt es viele Bilder, welche den Sachverhalt anschaulich erläutern. Das Verhalten der Wägelchen wird durch Naturgesetze bestimmt, die von Sir Isaac Newton (1642 - 1726) entdeckt wurden. Die Bahnmanager können vieles, aber nicht das Wirken der Naturgesetze verbieten. - - - - Vor ein oder zwei Jahren setzte sich ein Kinderwagen auf einem Bahnsteig selbstständig in Bewegung und kippte auf das Gleis. Die Lok schob den Kinderwagen trotz sofortigen Bremsens noch ein Stück vor sich her. Riesen Glück, das Baby wurde nicht oder nur leicht verletzt. Der Vorfall ging durch alle Medien. So selten sind solche Vorfälle nicht.

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