Göppingen Denunziert und zu Tode gequält

Von Klaus Nonnenmacher 

Am 20. Januar 1939 ist Johann Gahr in Göppingen bei einem Verhör zu Tode gekommen. An sein Schicksal erinnert vor der heutigen Jugendarrestanstalt ein Stolperstein. Dort findet zum 75. Todestag eine Gedenkfeier statt.

Der Stolperstein vor dem Marstall. Foto: www.stolpersteine-gp.de
Der Stolperstein vor dem Marstall. Foto: www.stolpersteine-gp.de

Göppingen - Am 20. Januar 1939 ist Johann Gahr im damaligen Oberamtsgefängnis Göppingen bei einem Verhör zu Tode gekommen. Seit einigen Jahren erinnert an Stolperstein vor dem Gebäude, der heutigen Jugendarrestanstalt im Göppinger Marstall an sein Schicksal. Am Montag um 20 Uhr, zum 75. Jahrestag des Todestags Johann Gahrs, veranstaltet die Antifaschistische Gruppe Göppingen gemeinsam mit der Kreisvereinigung des VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgen des Naziregimes – Bund der Antifaschisten) dort eine Gedenkfeier. Neben der Landessprecherin des VVN-BdA, Janka Kluge, werden auch die Enkelin Gahrs, Sonja Müller, und Klaus Maier-Rubner von der Stolpersteininitiative Göppingen sprechen.

Ein Gegner der Nationalsozialisten

Maier-Rubner hat recherchiert, dass der Betriebsobmann der Faurndauer Schuhfabrik sich bereits 1922 gegen die Nationalsozialisten gestellt hatte. Damals war ein bewaffneter Trupp , darunter auch Rudolf Hess, von München nach Göppingen gereist, um dort aufzutrumpfen. Die handfesten Auseinandersetzungen sind noch heute als Schlacht am Walfischkeller bekannt. Gahr, der auch Mitglied der Kommunistischen Partei war, soll den Arbeiterwiderstand damals maßgeblich koordiniert haben und sich auch später mehrmals den Nationalsozialisten entgegengestellt haben. 1933 war er zehn Monate in Haft.

Belastendes Buch wurde Gahr untergeschoben

Nun hat Klaus Maier-Rubner jüngst herausgefunden, dass Gahr offenbar nicht nur im Gefängnis zu Tode geprügelt, sondern zuvor denunziert worden war. Ein Donzdorfer hatte beobachtet, wie der damals 58 Jahre alte Gahr eine antifaschistische Aufklärungsschrift, ein sogenanntes Braunbuch weitergegeben hatte und ihn bei der Gestapo angezeigt. „Dieser Mann stammte aus ganz ärmlichen Verhältnissen, bekam aber kurz darauf eine Arbeitsstelle bei der Stadt“, so Maier-Rubner. Offenbar habe aber der Denunziant das belastende Buch Gahr untergeschoben. Auch Gahrs Ehefrau Margarete war verhaftet worden. Sie verbracht 77 Monate in Gefängnissen und Konzentrationslagern.