Gurlitt-Schwager aus Kornwestheim Picassos und Renoirs unter den Werken

Von SIR/dpa 

Der Schwager von Cornelius Gurlitt lebt in Kornwestheim. Am Wochenende hat er sich an die Polizei gewandt, weil er sich um 22 Gemälde sorgt, die in seiner Wohnung hängen. Jetzt sollen sich Kunsthistoriker die Werke ansehen.

Bilder von Dix, Picasso oder Matisse lagerten in der Wohnung von Cornelius Gurlitt in München. Jetzt weitet sich der Fall auf Kornwestheim aus. Foto: dpa
Bilder von Dix, Picasso oder Matisse lagerten in der Wohnung von Cornelius Gurlitt in München. Jetzt weitet sich der Fall auf Kornwestheim aus.Foto: dpa

Der Schwager von Cornelius Gurlitt lebt in Kornwestheim. Am Wochenende hat er sich an die Polizei gewandt, weil er sich um 22 Gemälde sorgt, die in seiner Wohnung hängen. Jetzt sollen sich Kunsthistoriker die Werke ansehen.

Stuttgart/Kornwestheim - Der in München entdeckte Kunstschatz ist möglicherweise größer als bisher angenommen. Die am Wochenende in Kornwestheim bei Stuttgart auf Bitten des Besitzers in Sicherheit gebrachten 22 wertvollen Kunstwerke werden nach Auskunft des Landeskriminalamtes (LKA) vom Montag nun geprüft, auch mit Hilfe von Kunsthistorikern. Anzeichen für eine mögliche Straftat sehen die Ermittler derzeit weiter nicht. LKA-Sprecherin Inka Buckmiller hofft, dass im Laufe der Woche mehr Klarheit herrsche.

Bei dem Besitzer handelt es sich nach dpa-Informationen um einen 80 Jahre alten ehemaligen Kunsthändler. Vier Gemälde soll er von seinem Schwager Cornelius Gurlitt erhalten haben. Ob und wie sie im Zusammenhang mit dem Münchner Kunstfund stehen, war zunächst unklar.

Der 80-Jährige hatte die Gemälde - darunter sind den Informationen zufolge Bildnisse von Pablo Picasso und Pierre-Auguste Renoir - in seiner Kornwestheimer Wohnung verwahrt. Die Kunstwerke waren am Samstag von der Polizei abgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht worden. Buckmiller wies ausdrücklich darauf hin, dass es sich dabei nicht um eine Beschlagnahmung gehandelt habe.

Gurlitt soll rechtmäßiger Eigentümer sein

Vor kurzem war bekanntgeworden, dass Kunsthändler-Sohn Gurlitt 1406 Werke jahrelang in einer Wohnung in München aufbewahrt hatte. Nach Medienberichten geht der Zoll davon aus, dass ihm ein Großteil des verlorengeglaubten Kunstschatzes rechtmäßig gehört.

Nach dem spektakulären Kunstfund bekräftigte die Bundesregierung ihr Vorhaben, die Klärung der Besitzverhältnisse zu beschleunigen. „Wir wollen das vorantreiben, und wir werden noch in dieser Woche weitere Einzelheiten zum Prozedere bekanntgeben können“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Eine Liste der Werke mit unklarer Erwerbsgeschichte solle umgehend veröffentlicht werden. Seibert schränkte allerdings ein, das Aufklärungsinteresse der Öffentlichkeit und die Interessen der Justiz müssten miteinander in Einklang gebracht werden. „Wir müssen ein rechtsstaatliches Verfahren finden.“

Eine öffentliche Auflistung der Gemälde soll Klarheit darüber schaffen, ob einzelne Werke von den Nationalsozialisten geraubt oder verfolgten Juden zu Spottpreisen abgehandelt wurden. Deshalb hatte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bereits am Wochenende zugesagt, die Herkunftsrecherche zügig voranzubringen.

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