Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte Plaudern mit Patrice vom Romy S.

Von Ina Schäfer 

Was im Club passiert, bleibt im Club – von wegen! Bei unseren Gute-Nacht-Geschichten wird ausgeplaudert, was das Zeug hält. Stuttgarter DJs, Barkeeper und Türsteher bekommen absolute Sprecherlaubnis und hauen uns die derbsten Nightlife-Storys um die Ohren. Na, dann gut’s Nächtle! Dieses Mal: Patrice Grad vom Romy S.

Patrice Grad ist ein Allrounder, seit acht Jahren kümmert er sich im Romy S. um fast alles - bis auf die Bar. Foto: Tanja Simoncev 18 Bilder
Patrice Grad ist ein Allrounder, seit acht Jahren kümmert er sich im Romy S. um fast alles - bis auf die Bar.Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Patrice Grad einfach nur als Booker zu bezeichnen, wäre stark untertrieben. Für den Club Romy S. an der Lange Straße in Stuttgarts Mitte macht er eigentlich alles: DJs buchen und am Abend betreuen, Grafik basteln, Gästeliste führen, Webseite verwalten - sogar die Flyer legt er selbst aus und die Plakate werden selbst von ihm aufgehängt - Ehrensache! Und wenn ihr mal euer Hab und Gut im Rausche der Partynacht im Romy S. vergessen habt? Kein Thema, Patrice hat euren Kram hundert pro gefunden. "Eigentlich mache ich im Romy S. alles, bis auf die Bar", sagt er und lacht. Seit acht Jahren ist er nun schon im Team, davor hat er im Wohlfahrt gearbeitet, im Colibri und im M1, eine richtige Nachteule also.

Was er an seinem Job am liebsten mag ist die Vielseitigkeit, das Hinarbeiten aufs Wochenende, an dem sein Plan aufgehen soll. Den ganzen Tag im Büro sitzen oder an der Druckmaschine wie früher? No Way. "Wer hat schon einen Job, zu dem man Freunde einladen kann", sagt er. Gerne feiert der 43-Jährige mit, wenn die Party gut läuft und die Leute top sind. Und wenn er doch mal nach Hause fährt, bevor die Lichter im Club angehen, "dann liegt das Handy auf jeden Fall neben meinem Bett". So richtig abschalten, kann man bei so einer Herzensangelegenheit natürlich nicht. Außerdem: Zuhause verpasst man die besten Geschichten, die nur im Club passieren. Patrice, hau raus!

Lost and Found

Die Leute vergessen ja die unmöglichsten Sachen in so einer Nacht. Einen einzelnen Stöckelschuh in Größe 36, Ipad, Schminke. Einmal hat mich nach einer Partynacht einer unserer Resident-DJs angerufen und gesagt, dass eine Freundin ihren Geldbeutel bei uns verloren hat. Ich bin dann zu unseren Fundsachen gegangen und da lag er tatsächlich drin - glücklicherweise mit dem kompletten Inhalt wie Personalausweis, EC-Karte, Geld und so weiter. Am Ende hat sich herausgestellt, dass das der Geldbeutel ist, den sie ein Jahr zuvor in der Romy verloren hat! Der andere ist bisher leider nicht mehr aufgetaucht...

Blackout

Vor einiger Zeit wurde ich von einem - vermeintlichen - Gast angerufen, der meinte, seine Jacke bei uns liegen gelassen zu haben. Ich habe danach gesucht, sie aber nicht finden können. Er ist daraufhin richtig ausfallend geworden, hat uns beschimpft und mit einem Anwalt gedroht. Am Ende hat er noch einmal angerufen und sich ganz kleinlaut entschuldigt: Seine Freundin hat ihm erklärt, dass sie in dieser Nacht gar nicht im Romy S. waren sondern im Climax.

Rock'n'Roll, Baby!

Wir haben internationale Acts im Romy S. Manche sind Stammgäste, man kennt sich. Aber oft ist es auch wirklich spannend und überraschend, wen man da am Flughafen abholt. Die meisten sind nett und umgänglich, doch einmal musste ich wirklich eine harte Erfahrung machen. Wir hatten einen Live-Act aus Frankreich eingeladen. Das waren drei Jungs, die direkt vom Festival Sonar aus Barcelona nach Stuttgart gekommen waren. Die waren, als sie bei uns angekommen sind, wirklich schon gut bedient. So gut, dass der Soundcheck statt einer halben Stunde vier Stunden gedauert hat. Ich hatte wirklich Bauchschmerzen als ich sie ins Hotel gefahren habe, ob das in der Nacht gut geht. Doch weit gefehlt - es war ein super Abend und eine schöne Party! Am Morgen habe ich sie direkt ins Taxi zum Flughafen gesetzt und dachte, alles sei nochmal gut gegangen. Am Montag allerdings bekam ich einen Anruf von einem Angestellten des Hotels. "Wir senden Ihnen Videomaterial zu", meinte er nur. Was war passiert? Die Jungs sind gar nicht zum Flughafen gefahren sondern ins Hotel. Dort haben sie die Bilder abgehängt und mit Asche und Wasser die Wände mit einem riesigen Graffito bemalt. Sie hatten wohl doch noch das Bedürfnis den Rock'n'Roll auszuleben. Immerhin waren sie dann so nett und haben den Schaden bezahlt.

Lexy-Love

Im Wohlfahrt hat mal Lexy bei uns aufgelegt. Irgendwann ist er panisch auf mich zugerannt und hat gesagt, dass seine Tasche mit all seinen Platten geklaut worden ist. Wir haben überall danach gesucht, aber nichts gefunden. Später in der Nacht war eine private Afterhour, und auf der hat tatsächlich der Platten-Dieb mit seinem Diebesgut geprahlt! In der Tasche waren nämlich nicht nur die Platten sondern auch die Boxershorts von Lexy... "Ich hab Lexys Boxershorts, ich hab Lexys Boxershorts", hat er gebrüllt. Das war ein richtiger Hardcore-Fan. Wir sind dann hingefahren und haben sie uns wieder geholt.