Krimikolumne

Harald J. Marburger: Totengräberspätzle Gangsterklamotte auf der Schwäbischen Alb

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Ein geköpfter Mafioso, zwei konkurrierende Bestatter und jede Menge Kokain mixt Harald Marburger in „Totengräberspätzle“ zu einer skurrilen Krimiklamotte.

Harald Marburger weiß, wovon er schreibt: Er ist auf der Alb aufgewachsen. Foto: Emons Verlag
Harald Marburger weiß, wovon er schreibt: Er ist auf der Alb aufgewachsen. Foto: Emons Verlag

Stuttgart - Was passiert, wenn die mafiöse Familie aus Sizilien den verstorbenen Don, vollgestopft mit Kokain zwecks Schmuggel, auf die Schwäbische Alb zur verlorenen Tochter schickt und die Leiche dort zwischen zwei miteinander konkurrierende Bestatter gerät? Das Chaos in Harald J. Marburgers „Totengräberspätzle“ ist sozusagen programmiert, nachdem im fernen Süditalien bei einer eher versehentlichen Schießerei die Führungsmannschaft der örtlichen Cosa Nostra einschließlich des Don Vincenzo massakriert wurde.

Übrig geblieben ist nämlich ein starkes Paket reinsten mexikanischen Kokains, das die überlebenden Clan-Mitglieder mit dem Don auf die Reise an die Schwäbische Alb schicken. Dort hat sich vor Jahrzehnten die verlorene Tochter Donna Elvira mit einer kleinen Pizzeria niedergelassen. Es kommt wie es kommen muss: Weil in Donna Elviras Heimatstädtchen Muggenpfuhl (schwäbisch für „Mückensumpf“) zwei Bestatter heftig miteinander konkurrieren, ist auf einmal die Leiche von Don Vincenzo verschwunden und mit ihm das Kokain. Das ruft allerlei sinistre Gestalten und mehr oder minder geistig bemittelte Polizisten auf den Plan.

Marburger ist mit „Totengräberspätzle“ eine hübsche, schwäbische Gangsterklamotte gelungen, die nur kleinere Längen aufweist. Das Geschehen wird alsbald abstrus und gelegentlich so trocken geschildert, dass der Leser den Staub vom Albtrauf wehen sieht. Da hängen Bahnhofsvorsteher plötzlich von der Decke, und zwei junge Liebende kommen sich in einem Sarg näher, in dem sie nicht allein sind...

In der Summe ist Marburgers Krimi eine Mischung aus TV-Serien wie „Six Feet Under“ und „Breaking Bad“ sowie Filmen wie „Brügge sehen und sterben“ oder auch „Pulp Fiction“. Der schwäbische Zungenschlag – die Handlung spielt im Wesentlichen in der Nähe von Sigmaringen – lässt den Leser immer mal wieder an die SWR-Erfolgsserie „Die Kirche bleibt im Dorf“ denken, und tatsächlich hätte „Totengräberspätzle“ wohl das Zeug dazu, zumindest als Film über die Leinwände der Stuttgarter Open-Air-Kinos zu flimmern.

Harald J. Marburger: Totengräberspätzle. Kriminalroman. Emons Verlag Köln 2017. Broschur, 432 Seiten, 12,90 Euro.