Hexenverbrennung in Winnenden Folter und Feuertod wegen einer schlechten Suppe

Von Harald Beck 

Mysteriöse Geschichten gibt es auf der ganzen Welt. Einige gruselige und zum Teil wahre Geschichten aus dem Rems-Murr-Kreis stellen wir in loser Folge vor: Der Enkel schwärzt die Oma an und bringt sie auf den Scheiterhaufen.

Zeitgenössische Darstellung einer Hexenverbrennung Foto: dpa
Zeitgenössische Darstellung einer Hexenverbrennung Foto: dpa

Winnenden - Tod durch das Feuer – der „typische Hexentod“ ist hinlänglich bekannt. Die Hexenprozesse vergangener Jahrhunderte und ihre nicht gerade rechtsstaatlichen Methoden der Beweisführung samt Folter und Gottesurteil ebenfalls. Kaum bekannt ist dagegen, dass eine der wenigen angeblichen Hexen, die während des 16. und 17. Jahrhunderts im damaligen Herzogturm Württemberg tatsächlich verbrannt wurden, eine Winnenderin war – Maria Schneider.

Urteil: „Durch Feuer vom Leben zum Tod“

Dass in der Heimatstadt wenig darüber bekannt ist, das ist kein Wunder, denn die Aufzeichnungen, die in Winnenden vielleicht existiert haben, wurden spätestens beim großen Stadtbrand anno 1693 komplett vernichtet. Maria Schneider wurde aber bereits anno 1628 hingerichtet. Bei lebendigem Leib verbrannt, da ihre Richter mit dem Urteilsspruch „durch Feuer vom Leben zum Tod“ auch die letzte Milde verhindert hatten: Manche Leidensgenossinnen der gebürtigen Allmersbacherin hatten die Henker nämlich enthauptet, bevor sie diese zur Verbrennung auf den Scheiterhaufen brachten.

Enkel Jakob Endriss, gerade zwölf Jahre alt, hatte seine Großmutter Maria angeschwärzt. Die habe versucht, ihn mit einem Teller Suppe zu vergiften, lautete sein Vorwurf. Tatsächlich ist der junge Mann laut Gerichtsakten, die unter der Archivnummer A 209-2096 noch heute im Stuttgarter Hauptstaatsarchiv zu finden sind, kurz zuvor krank gewesen. Die Diagnose eines Backnanger Arztes: Lebensmittelvergiftung. Grund genug für die Obrigkeit, gegen die 65-Jährige zu ermitteln. Die streitet zunächst alles ab, sogar, dass sie dem Buben überhaupt Suppe gegeben hat. Habe sie doch, behauptet dagegen nicht nur ihr Enkel, der will sich sogar daran erinnern, die Suppe habe komisch geschmeckt. Außerdem habe die Alte ihm zuvor schon einige Male gedroht.

Schlechte Karten für Oma Schneider also, nachdem sie schon in der ersten Vernehmungsrunde bei einer Lüge ertappt worden war. Und die verschlechtern sich in der zweiten Phase der Untersuchung noch mehr. Die Ermittler entdecken nämlich, dass die Verdächtige in ihrem Heimatort Winnenden einen äußerst schlechten Ruf hat. Was zunächst überrascht, schließlich ist Maria mit dem Ex-Schultheiß Bernhard Schneider verheiratet und gehört zu den eher wohlhabenden Bürgern der Stadt. Die Hochzeit der beiden sei allerdings „merkwürdig hastig“ vor sich gegangen, weiß der Dorftratsch zu berichten. Außerdem wird gemunkelt, das Weib des Ex-Schultes habe mal ein Pferd dazu gebracht, seinen Reiter abzuwerfen. Das wiederum – so die damalige Logik – kann ja nur eine, die mit dem Teufel im Bunde steht.

Unter Folter gesteht Maria Schneider alles mögliche

Womit sich bestätigt, was zu beweisen war, denken sich wohl die Vertreter der weltlichen Gerichtsbarkeit. Sie beginnen den Fall auf ihre Art juristisch zu untermauern. Maria Schneider wird erneut zum „peinlichen Verhör“ geschleppt – zur Folter also. Diesmal wird sie nach allen Regeln dieser Kunst malträtiert. Schließlich gesteht sie nicht nur den versuchten Mord an ihrem Enkel Jakob, sondern gleich noch eine Reihe anderer Giftmorde. Selbstverständlich habe sie auch einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, bestätigt sie außerdem in der Folterkammer.

Alles zusammen reichte zum damaligen Zeitpunkt allemal für eine Verurteilung wegen Hexerei. Der Urteilsspruch lautet denn auch, die so grandios überführte Braut des Satans sei „mit Feuer vom Leben in den Tod zu bringen“ und dieses Urteil wurde kurz darauf in Winnenden in aller Öffentlichkeit vollstreckt.