Hoaxmap zu Flüchtlingen Eine Karte voll widerlegter Gerüchte

Die Hoaxmap sammelt nachweislich widerlegte Gerüchte über Flüchtlinge – etwa die von zwei Mädchen erfundene Verfolgung in Kirchheim/Teck. Sie ist Teil eines Meinungskampfs, der paradoxerweise mit Fakten geführt wird.

Die Hoaxmap sammelt nachweislich widerlegte Falschmeldungen zu Straftaten oder Fehlverhalten von Flüchtlingen im deutschsprachigen Raum. Foto: Hoaxmap / Screenshot
Die Hoaxmap sammelt nachweislich widerlegte Falschmeldungen zu Straftaten oder Fehlverhalten von Flüchtlingen im deutschsprachigen Raum.Foto: Hoaxmap / Screenshot

Stuttgart - Die von zwei Mädchen aus Kirchheim/Teck erfundene Verfolgung durch Asylbewerber schlug in der Region Stuttgart große Wellen. Sie war ein Hoax, also eine Falschmeldung. Solche Falschmeldungen tragen – neben tatsächlich begangenen Straftaten und Fehlverhalten von Flüchtlingen – dazu bei, die Stimmung gegenüber Flüchtlingen zu vergiften.

Anfang der Woche ging die Hoaxmap online. Sie sammelt nachweislich widerlegte Falschmeldungen wie die aus Kirchheim/Teck. Es gebe heutzutage „an jeder virtuellen Straßenecke Gerüchte über Flüchtlinge, die gefühlt an Intensität zugenommen haben“, sagt Karolina Schwarz. Die Leipzigerin hat die Hoaxmap erstellt; im Impressum von hoaxmap.org ist der Mainzer Rapper und Aktivist David Häußer angegeben. Häußer hat zuletzt unter anderem gegen das Logo der Mainzer Firma Ernst Neger mobilisiert.

Stand 12. Februar listet die Hoaxmap laut eigenen Angaben 209 Falschmeldungen zur Flüchtlingskriminalität aus dem deutschsprachigen Raum auf – samt Hinweis auf eine Originalquelle, in der die Meldung widerlegt wird; meist werden Medien-, seltener Polizeiberichte als Quelle angegeben. Die Meldungen habe sie per Webrecherche oder auf Hinweis von Internetnutzern gefunden, berichtet die Hoaxmap-Betreiberin Karolina Schwarz.

Falschmeldungen aus der Region Stuttgart

Aus dem Raum Stuttgart listet die Seite aktuell das bereits genannte Beispiel der erfundenen Verfolgung durch Asylbewerber sowie eine Verleumdung von Flüchtlingen via Facebook in Weilheim/Teck. Nicht aufgeführt ist etwa ein Fall aus Weil der Stadt, wo viele afrikanische Asylbewerber untergebracht sind. Dort gab es das Gerücht, dass mehrere Afrikaner einen „Deutschen“ am Bahnhof verprügelt hätten und die Polizei den Vorfall vertuschen würde. Auf Nachfrage der Redaktion wussten weder Polizei noch Bundespolizei etwas von solch einem Vorfall.

Eine Sprecherin des für die Landkreise Böblingen und Ludwigsburg zuständigen Polizeipräsidiums sagte, sie wisse von keinem Fall, in dem die Polizei erst ermittelt habe und der sich im Nachhinein als Finte herausgestellt hätte. Die Gerüchteküche brodelt natürlich trotzdem. In einer Gemeinderatssitzung in Tamm sei der Bürgermeister gefragt worden, ob es stimme, dass in einer Asylunterkunft dort ein Polizeibeamter erstochen worden sei, berichtet die Sprecherin. Der Bürgermeister habe sofort dementiert. „Den Fall gibt es gar nicht, wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, weiß die Polizei nicht“, sagt die Polizeisprecherin.

Meinungskampf mit Fakten

Die Hoaxmap ist Teil des politischen Meinungskampfs zum Thema Flüchtlinge im Internet, der auch mit scheinbar neutralen Fakten geführt wird. Im Sommer vergangenen Jahres wurde eine aus rechten Kreisen stammende Karte eifrig diskutiert, auf der etliche Nutzer die Standorte von Flüchtlingsheimen in ihrer Nähe eingetragen hatten – Crowdsourcing nennt man diese Methode, gemeinschaftlich Inhalte zu erstellen.

Zwar veröffentlichen die meisten Stadtverwaltungen auch auf ihren Websites die Standorte von Flüchtlingsunterkünften. Die Karte zielte offenkundig auf den besonderen optischen Effekt, den die schiere Menge der auf einer Deutschlandkarte gesammelt verzeichneten Unterkünfte erzielen soll.

Google hat die Karte angesichts der Aufregung gelöscht; eine von der politischen Gegenseite angelegte Kopie der Karte, die lediglich einen anderen Titel trägt („Helft mit! Helft Menschen in Not!“), ist weiterhin online.

Neben solchen Darstellungen gibt es natürlich zahllose Gerüchte, auch bewusst gegen Flüchtlinge gerichtet und gezielt gestreut, die durchs Netz wandern. Dagegen ist beispielsweise der in Wien eingetragene Verein Mimikama aktiv, der auf seiner Website etliche Beispiele versammelt.