Hospizbewegung im Strohgäu Nachgefragt

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Der Gymnasiallehrer Florian Lämmle ist bei dem Ditzinger Projekt Glemstown einer der drei Lehrer im Organisationsteam gewesen. Er
freut sich über die Entscheidung der Schüler, den Gewinn an das stationäre Hospiz in Leonberg zu spenden.

So erfolgreich der Staat in der Ditzinger Glemsaue gewirtschaftet hat – als Beispiel für echte Staatenlenker und Rathauschefs tauge das Projekt doch nicht, meint Florian Lämmle. Er ist Lehrer für Mathematik, Chemie sowie Naturwissenschaften und Technik.

Glemstown hat außergewöhnlich erfolgreich gewirtschaftet. Was könnte sich der Oberbürgermeister Michael Makurath dort abschauen, um seine Stadt voranzubringen?
Scheinbar braucht man 700 Schüler und 70 Lehrer, die für zehn 10 Ditcoin in der Stunde arbeiten – also ganz viel Ehrenamt. Das entspricht einem Euro. Es wäre dann aber schwer, die Miete zu bezahlen.
Ernsthaft: 3000 Euro sind eine stolze Summe. Waren Sie überrascht, dass die Schüler so viel spenden würden?
Die Schüler des Organisationsteams haben mehr als ein Jahr gearbeitet, damit das Projekt gelingen konnte und dabei auch einige Hürden genommen. Die Geldspende zeigt klar, wofür diese Schüler stehen – sie möchten der Gemeinschaft etwas Gutes tun. Damit ist die Schulgemeinschaft gemeint, denn ein Teil des Gewinns geht in einen Topf, der für schulische Projekte wie dem Kulturabend zur Verfügung steht.
Woher stammen die Einnahmen?
Zu einem nicht geringen Teil von Eltern und Verwandten der Schüler, die den Staat besucht und dort Crepes, Wollsocken oder die Schülerzeitung gekauft haben. Somit ist es nur fair, wenn wir den Menschen in der Region einen Teil zurückgeben und die Spende einer nahen Einrichtung zukommen lassen. Außerdem wollten die Schüler etwas für andere Ehrenamtliche tun. Das Hospiz mit seinen vielen freiwilligen Helfern ist daher ein perfekter Empfänger.
Was gefiel den rund 1000 Gästen besonders? Die Wanne ist ja keine Touristenattraktion.
Besser die Wanne ist mit Gästen überfüllt, als mit Wasser. Es ist schön, wenn Menschen kommen, um zu sehen, was unsere Schule ausmacht – dass nämlich alle, Schüler und Lehrer, an einem Strang ziehen, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Und es war bei dem, was herausgekommen ist, für jeden etwas dabei. Kulinarische Köstlichkeiten von fast allen Weltteilen oder die handwerklichen Erzeugnisse der Betriebe, von Batik bis Fahrradreparatur. Vielleicht hat auch der Staatsakt mit einer öffentlichen Parlamentssitzung etwa mit dem Thema „Rente ab 16“ angezogen. Was viele vereint hat, war die Frage: Wie sieht ein Staat aus, wenn Kinder und Jugendliche das Sagen haben? Eines ist klar: Sehr sozial! Auch bei uns gab es einen Mindestlohn. Die Mitarbeiter der Geschirrspül-Akademie haben sogar eine Zulage bekommen.
Nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Die Bilanz ist Erfolg und Verpflichtung zugleich. Gibt es bereits Pläne für die Schule als Staat?
Klar, es wird wieder ein Projekt geben, konkret gibt es aber noch keine Planungen. Bisher hat sich ein zeitlicher Abstand von etwa fünf Jahren bewährt. Zu oft wollen wir das auch nicht machen, sonst ist es nichts Besonderes mehr.