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HRE-Panne Bankirrtum zu Schäubles Gunsten

Thomas Magenheim, vom 31.10.2011 07:33 Uhr
 Foto: dapd
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München - Es klingt wie bei einer Partie Monopoly: "Bankirrtum zu Ihren Gunsten". Der Betrag, um den man sich bei der Bad Bank des ehemaligen Skandalinstituts Hypo Real Estate (HRE) verrechnet hat , ist mit 55,5 Milliarden Euro allerdings so gigantisch wie einmalig. "Der Korrekturbedarf ergab sich vollständig aufgrund von Buchungsfehlern", sagte ein Sprecher des Ministeriums von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Das Ressort des CDU-Politikers ist für die komplett im Staatsbesitz stehende Bad Bank namens FMS Wertmanagement verantwortlich. Offiziell ist man den Details zu der trotz ihrer positiven Auswirkungen peinlichen Panne noch auf der Spur. Auch die FMS und der HRE-Nachfolger Deutsche Pfandbriefbank (Pbb) schweigen.

Ein Insider weiß mehr. "Wahrscheinlich ein plumper Programmierfehler, offensichtlich sind die Computer falsch gefüttert worden", sagt er und erklärt damit den peinlichen Lapsus. Als das marode Geschäft der HRE im Umfang von 175 Milliarden Euro vor einem Jahr in einer bisher nie da gewesenen Transaktion mit 5641 Einzelposten auf die FMS übertragen wurde, standen einer umfangreichen Liste von Verbindlichkeiten auch Forderungen gegenüber. Diese hätte man von den Verbindlichkeiten abziehen müssen.

Die Verantwortlichkeit liegt bei der HRE

Statt dessen wurden sie vom Computer dazuaddiert, was die Software aber nur macht, wenn sie vorher entsprechend falsch programmiert wurde. Fehler in den Grundrechenarten machen Computer sonst nicht, räumen Banker ein. Die Verantwortlichkeit für die Panne liegt offenbar bei der HRE, die die Zahlen für die FMS-Bilanz geliefert hat. Dort wollte man vorerst keine Stellung nehmen. Schäuble hat für die kommenden Tage je einen hochrangigen Manager der FMS und der HRE/Pbb zum Rapport einbestellt. Im politischen Berlin wurden bereits Forderungen nach personellen Konsequenzen laut.

Mit im Brennpunkt der Verantwortlichkeiten steht neben FMS und HRE die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC), die die Bilanzen der FMS testiert hat. Auch die PwC kommentiert den Fall bislang nicht. Entdeckt hat den Fehler die FMS selbst bei der Erstellung der Halbjahresbilanz 2011 - und ihn Anfang Oktober an Schäubles Ministerium gemeldet.

Zusätzliche Belastung in Milliardenhöhe

Als die FMS dieses Frühjahr ihre erste Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr 2010 vorgelegt hatte, sei der Fehler noch übersehen worden. Man habe damals noch keine Vergleichswerte gehabt und die Höhe der FMS-Bilanzsumme, die sich jetzt im Nachhinein um einen zweistelligen Milliardenbetrag als zu hoch erwiesen hat, habe plausibel ausgesehen, heißt es im Umfeld der Verantwortlichen. Genau angesehen habe man sich deren Bestandteile aber nicht, weil alles Augenmerk auf den damals verkündeten Horrorverlust von über drei Milliarden Euro nach nur drei Monaten Geschäftstätigkeit gerichtet war.

Bei der Aufstellung der Halbjahresbilanz 2011, die weitere 690 Millionen Euro Verlust brachte, sei dann beim Vergleich mit der Bilanz 2010 aufgefallen, dass etwas nicht stimmen könne, und man habe genau hingesehen. Am Ende stand eine Bilanzkorrektur von 24,5 Milliarden Euro für 2010 und weiterer 31 Milliarden Euro für das erste Halbjahr 2011, was die Schulden des FMS-Alleineigentümers Bundesrepublik Deutschland um diese Summen sinken lässt. Die deutsche Staatsverschuldung geht damit von 83,7 auf 81,1 Prozent zurück. Sie liegt damit aber immer noch weit über dem Maastricht-Kriterium von 60 Prozent.

Demnächst dürfte die FMS zudem wieder für finanzielle Belastungen sorgen, diesmal real und nicht wegen eines Rechenfehlers. Denn die Abwicklungsanstalt hat griechische Staatsanleihen im Umfang von 7,2 Milliarden Euro in ihren Büchern. Die müssen nach den jüngsten EU-Rettungsbeschlüssen für Griechenland abgeschrieben werden, in welchem Umfang genau, ist noch unklar. In jedem Fall soll es aber eine zusätzliche Belastung in Milliardenhöhe sein, die dann wieder den Bundeshaushalt belasten wird.

Kommentare (11)
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NOV
02
07:25 Uhr, geschrieben von Otto K.
Ältere und erfahrenere Prüfer, die sich nich gleich blenden liesesn oder genauer geschaut haben
gibts bei den Prüfungsgesellschafen doch gar nicht mehr. Jüngelchen mit frischem Studienabschluss schauen da hin und entscheiden nach vorgelegten Zahlen. Wen interessieren da Zusammenhänge oder Hintergründe? Bin neugierig, bei welchen weiteren Abschlüssen von Firmen da welche weiteren Summen auf- oder abtauchen werden. Lebt freudig in den Tag und genießt euer Leben. Was da alles mit Computerprogrammen gefummelt und getürkt wird ist für Prüfungsgesellschafen und für normale Bürger sowieso nicht einsichtig.
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NOV
02
07:19 Uhr, geschrieben von N. Kleine
Hier 55.000.000.000 Milliarden
bei einer irischen Bank ist wohl auch etwas durcheinander gekommen. Wenn gut gesucht wird, ist das Geld für Griechenland wirklich nur noch "peanuts". Ich frage mich nur: Abschlüsse werden doch geprüft. Z.B. von PWC oder solchen? Schauen die etwa nicht ganz genau drauf, was sich hinter vorgelegten Zahlen verbirgt? Und die haben bei S 21 auch irgend etwas geprüft. Nur was? Sind da auch noch Milliarden versteckt?
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NOV
01
09:39 Uhr, geschrieben von mimi2312
Verantwortung
Wer übernimmt die Verantwortung? Selbst wenn es sich um einen Programmier-/Buchungsfehler gehandelt haben sollte (sehr unglaubwürdig - eher könnte die "Fehlbuchung" Folge einer Zahlenschieberei sein), müßte den Verantwortlichen doch ein Plus oder Minus von über 55 Mrd. Euro sofort auffallen. Wir reden hier nicht von Peanuts. Skandalös ist, für wie dumm Herr Schäuble den Bürger hält.
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