Hugo Boss Fashion Award "In jeden Entwurf fließt viel von einem selbst"

Von Theresa Schäfer 

Modeschülerin Nadine Ladig ist die Gewinnerin des Awards - wir haben mit ihr gesprochen.

Nadine Ladigs Version des Modern Traveller hat der Jury des Hugo Boss Awards am besten gefallen. Foto: Benjamin Beytekin 74 Bilder
Nadine Ladigs Version des "Modern Traveller" hat der Jury des Hugo Boss Awards am besten gefallen. Foto: Benjamin Beytekin

Stuttgart - "Modern Traveller" - so lautete diesmal die Vorgabe des Hugo Boss Fashion Award, den das Metzinger Modeunternehmen alljährlich unter den Studenten der Staatlichen Modeschule Stuttgart ausschreibt. 21 Nachwuchsdesigner reichten ihre Entwürfe ein - der von Nadine Ladig gefiel der Jury am besten. Auf die 21-jährige gebürtige Heilbronnerin warten jetzt ein Preisgeld und ein Praktikum in der Kreativabteilung von Hugo Boss. Wir haben mit der Studentin gesprochen - über schlaflose Nächte, ihre Pläne für die Zukunft und die Frage, ob Stuttgart Stil hat.

Gratulation! Sie haben den Hugo Boss Fashion Award gewonnen. Wie sah denn Ihr Entwurf aus?

Nadine Ladig: Danke. Das Thema des Wettbewerbs hieß „Modern Traveller“. Wir sollten jeweils drei Herbst- und Winter-Outfits, angepasst ans Reiseziel, für die Dame und den Herrn entwerfen – Business, Sport und Abendveranstaltung. Als imaginäres Reiseziel habe ich mir New York ausgesucht, mein Paar hatte ein Businessmeeting, spielte Snow-Polo im Central Park und ging abends auf eine Benefizgala. Bei den Schnitten und Farben - weiß, schwarz, anthrazit, dunkelblau und dunkelbraun - habe ich es schlicht und elegant gehalten, bis auf ein kräftiges Zitronengrün, das immer wieder auftaucht.

Was hat Sie zu Ihrem Entwurf inspiriert?

Ich habe mich gefragt: Was ist typisch New York? Ich habe mir Bilder der Stadt angesehen, die Skyline. Dann habe ich auf einer Farbkarte passende Farben herausgesucht: Blau und rot wie die US-amerikanische Flagge, dunkle Töne wie die Straßen in Manhattan.

Wie viel Zeit und Arbeit haben Sie investiert?

Von der Aufgabenstellung bis zur Abgabe hatten wir fünf Wochen Zeit. Allerdings konnten wir uns nicht komplett dem Projekt widmen, weil wir ja nebenher noch Abgaben für unseren normalen Unterricht hatten. Oft habe ich bis 1 Uhr nachts an den Entwürfen gesessen, die letzen beiden Nächte habe ich dann komplett durchgearbeitet.

Neben dem Preisgeld von 1500 Euro bekommen Sie einen Praktikumsplatz bei Boss in Metzingen. In welchen Bereich zieht es Sie?

Unbedingt ins Design. Am liebsten zu Boss Black, der eleganten Linie.

Im Sommer sind Sie mit Ihrem Studium fertig. Schon irgendwelche Pläne, wie es dann weitergeht?

Ich möchte im Design tätig sein. Für mich ist dieser Bereich im Modegeschäft der spannendste und inspirierendste Teil. In jeden Entwurf fließt viel von einem selbst, von dem, was man gesehen oder erlebt hat – das ist ein unheimlich spannender Prozess. Zuerst geht es jedoch nach Amerika Verwandte besuchen.

Wollten Sie schon immer Modedesign studieren?

Ich habe schon immer gern gezeichnet und mochte Farben. Durch den Hauswirtschaftsunterricht in der Schule bin ich mit dem Nähen in Berührung gekommen und habe mir dann auch selber Kleider genäht. Deshalb lag es nahe, mich an einer Modeschule zu bewerben.

Sie haben auch einen Modeblog…

Genau. Vor vier Jahren habe ich angefangen zu bloggen. Damals bin ich auf den Style-Blog Tea & Twigs gestoßen, der von Jasmin aus Stuttgart gemacht wird. Ich fand das toll und wollte auch eine solche Plattform, um über Mode und meine Ausbildung an der Modeschule zu schreiben. Früher habe ich auf http://modestatement.blogspot.com/ mehrmals die Woche gebloggt, gerade nimmt die Arbeit für die Modeschule aber sehr viel Zeit in Anspruch.

Mit einem guten Freund – Tuan Nguyen, der auch Designer ist - habe ich jetzt den Blog http:// newspaperwood.blogspot.com/ gegründet. Hier wollen wir auch unsere Entwürfe präsentieren. Mein Traum wäre, irgendwann ein eigenes Label zu gründen. In diese Richtung gibt es viele Ideen.

Was bedeutet für Sie Stil?

Guter Stil ist immer Interpretationssache und liegt im Auge des Betrachters. Mein Motto: Less is more – ich mag schlichte, elegante Schnitte - lasse mich aber gerne von auffälligen Styles inspirieren.

Muss guter Stil teuer sein?

Sicher sollte Mode einen gewissen Anspruch haben – es muss aber nicht immer Prada oder Gucci sein. Vielmehr geht es um Qualität und gute Verarbeitung und natürlich auch um die Kombination.

Ist Stuttgart eine modische Stadt?

In Stuttgart gibt es definitiv Leute, die Stil haben. Allerdings ist man in Sachen Mode hier zurückhaltender als in Berlin oder München. Man möchte weniger auffallen. Ich mag es, mich auf der Königstraße oder am Marktplatz umzuschauen – Streetstyle kann sehr inspirierend sein.

Die Kollektionen der Studenten sind bis zum 22.April täglich von 11 bis 18 Uhr (außer sonntags) im Design Center Stuttgart im Haus der Wirtschaft zu sehen.