Initiative in Degerloch Der Schiefe Turm von Stuttgart

Von  

Die Initiative Fernsehturmfreunde fürchtet, dass der Bau des Fildertunnels das Gelände unter dem Stuttgarter Wahrzeichen anheben und die Turmnadel an Stabilität verlieren könnte. Sie setzen sich deshalb für eine andere Tunnelführung ein.

Michael Köstler, Klaus Gebhard und Gerald Kampe sind der Meinung, dass dem Fernsehturm Ungemach droht wegen des Baus des Fildertunnels. Als „Fernsehturmfreunde“ streiten sie für eine Alternative. Foto: Cedric Rehman
Michael Köstler, Klaus Gebhard und Gerald Kampe sind der Meinung, dass dem Fernsehturm Ungemach droht wegen des Baus des Fildertunnels. Als „Fernsehturmfreunde“ streiten sie für eine Alternative.Foto: Cedric Rehman

Degerloch - Klaus Gebhard wohnt am Kräherwald. Von seiner Wohnung aus muss er eine schöne Aussicht über den Stuttgarter Kessel haben. Er erzählt, dass sein erster Blick aus dem Fenster morgens auf den Fernsehturm falle. Unerträglich sei für ihn der Gedanke, dass das Stuttgarter Wahrzeichen sich vielleicht eines Tages neigen könnte wie der Schiefe Turm von Pisa. „Da würde sich der Ingenieurstandort Baden-Württemberg vollkommen lächerlich machen“, sagt der Aktivist aus dem Stuttgarter Westen.

Er sitzt in einem Degerlocher Café mit seinen Degerlocher Mitstreitern Michael Köstler und Gerald Kampe. Sie sind der Meinung, dass die Bahn mit dem Bau des Fildertunnels dem Stuttgarter Wahrzeichen buchstäblich eine Grube gräbt.

2200 Unterzeichner auf der Homepage

Ende vergangenen Jahres tat sich Gebhard mit einigen anderen zusammen und rief die Initiative „Fernsehturmfreunde“ ins Leben. Im Internet sammeln sie Unterschriften für eine Verlegung des Fildertunnels unter die Sportstätten auf der Waldau. Sie wollen in den vergangenen Monaten 2200 Unterstützer gefunden haben. Gerald Kampe beugt sich über eine Karte, auf der die geografischen Schichten unterhalb des knapp 217 Meter hohen Turms wie Tortenschichten dargestellt sind. „Das ist eine offizielle Karte von der Bahn“, betont Kampe.

Auf ihr ist zu erkennen, was den Fernsehturmfreunden Sorgen bereitet. Eine Schicht oberhalb des Fildertunnels nennt sich Gipskeuper. Gebhard und seine Mitstreiter befürchten, dass sie durch die Tunnelbohrung mit Wasser in Berührung kommt. Dann könnte die Schicht quellen wie ein Hefeteig und das Gelände unter dem Fernsehturm anheben. Der Fernsehturm würde sich in Konsequenz zur Seite neigen wie die Sehenswürdigkeit Pisas, lautet die These der Fernsehturmfreunde.

Der Verweis auf Staufen im Breisgau

Die Initiative hat mit Geologen gesprochen, die dieses Szenario allerdings für unwahrscheinlich halten. „Aber ausschließen wollen sie es eben nicht“, sagt der Degerlocher Michael Köstler. Der Satz umschreibt das Argumentationsmuster der Initiative: Warum ein Risiko eingehen, wenn es doch um das beliebte Wahrzeichen der Landeshauptstadt geht? Außerdem zweifeln die Fernsehturmfreunde an Expertenmeinungen und verweisen auf historische Beispiele. Die belegen aus ihrer Sicht, dass Wasser sich seinen Weg zum Gipskeuper bahnt, egal, was Ingenieure tun. Als Menetekel sehen die Aktivisten zum Beispiel die Geothermiebohrungen in Staufen im Breisgau. Weil dort Wasser bei den Arbeiten in den Gipskeuper eindrang, gab es an zahlreichen Gebäuden Hebungsrisse.

Die Fernsehturmfreunde sagen, dass auch Unterstützer des Bahnprojekts Stuttgart 21 bei ihrer Initiative mitmachen würden. Sie selbst kommen gleichwohl alle aus der Bewegung gegen den Tiefbahnhof. Dennoch weisen sie es zurück, dass sie der Bahn nur einen neuen Knüppel zwischen die Beine werfen wollen. „Ich liebe den Fernsehturm“, sagt Michael Köstler. Deshalb möchte er eben kein Risiko eingehen – auch kein kleines.

Umfrage
mittagstisch

Mahlzeit! Die einen mümmeln in der Mittagspause am Schreibtisch ein Brötchen, andere kehren ins Wirtshaus ein mit allem Pipapo. Doch auch dazwischen gibt es etliche Möglichkeiten. Und wo werden Sie mittags satt?

 
» Ergebnis anzeigen
Sonderthemen
  Artikel teilen
0 KommentareKommentar schreiben
Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.