Interkulturelles Repair-Café Ludwigsburg Integration über das defekte Lieblingsstück

Von Sandra Dambacher-Schopf 

Im Repair-Café des Kulturkellers Luke wird nicht nur repariert, sondern auch integriert. Hier helfen Flüchtlinge engagiert mit, etwa Toaster, Radios oder kaputte Jackenärmel zu reparieren.

Ali Saidi  kann  wieder tun, was er in seiner alten Heimat Afghanistan getan hat: schneidern. Foto: factum/Granville
Ali Saidi kann wieder tun, was er in seiner alten Heimat Afghanistan getan hat: schneidern. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Ein Maßband hängt um seinen Hals. Mit gekonnten Griffen gleiten Ali Saidis Hände über den Stoff. „Nähen macht mir Spaß“, sagt er. In Afghanistan, wo er noch vor rund eineinhalb Jahren gelebt hat, war der junge Mann sechs Jahre lang als Schneider beschäftigt. Es gefällt ihm, den Menschen hier mit seinen Fähigkeiten helfen zu können: „Heute habe ich einen Ärmel, an dem das Futter kaputt war, repariert“, sagt er. Gerne lassen sich die Besucher auch die Hosenbeine kürzen. Im Repair-Café, das der Verein Luke im Kulturwohnzimmer veranstaltet, kommen nicht nur seine Dienste gut an.

Seit zweieinhalb Jahren helfen Flüchtlinge in der Luke

Auch Marwan Hindi, der in Syrien als Hobbytüftler Kühlschränke und Waschmaschinen repariert hat, ist gut beschäftigt. Heute hat ihm ein Großvater das defekte Lieblingsstück seiner Enkelin mitgebracht. Hindi versucht, die Spielkasse zu reparieren, deren Schublade nicht mehr aufspringt. „Flüchtlinge machen bei uns nicht nur hier mit, sondern im ganzen Kulturbetrieb“, sagt Martina Strube vom Kulturkeller Luke. Schon seit etwa zweieinhalb Jahren fördert der Verein so die Integration von Neuankömmlingen. „Und weil das so gut funktioniert, sind wir immer auf der Suche nach neuen Projekten“, sagt sie. Der ehrenamtliche Mitarbeiter Henry Conrad hatte die Idee zum interkulturellen Repair-Café. Schließlich ist der Entwicklungsingenieur selbst ein Hobbytüftler.

Im Repair-Café bedeutet Zeit nicht Geld

Seit Dezember bringt das Projekt Gewinn auf allen Seiten und stemmt sich der Alltagshektik und dem Trend zum Wegwerfen entgegen. Hier bedeutet Zeit nämlich nicht Geld. Die Besucher warten geduldig auf der Couch bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen. Die verschiedensten Menschen aus dem ganzen Umkreis kommen so ganz entspannt in Kontakt. Kann ein alter Toaster, Diaprojektor oder Plattenspieler wieder in Gang gebracht werden, freut man sich. Klappt es nicht, regt sich niemand auf.

Inzwischen ist durch das ehrenamtliche Reparieren in ganz Deutschland ein echter Gegentrend zur Schnelllebigkeit entstanden. Alleine im Kreis Ludwigsburg gibt es sieben Repair-Cafés. Die günstigen Möglichkeiten zum Beispiel in der Besigheimer Zukunftswerkstatt nutzen so viele Leute, dass die Anbieter bei Anmeldungen von 25 bis 30 Besuchern einen Stopp verhängen müssen.

Zu den ältesten Repair-Cafés im Kreis zählt das Ditzinger, das es seit 2015 gibt. Das Angebot hat sich seither weiterentwickelt. Der Ableger Makerspace ist Ende März in der örtlichen Stadtbibliothek getestet worden. Dabei geben die Macher des Repair-Cafés ihr Wissen weiter und tüfteln mit den Besuchern an deren Problemen. Bei der ersten Veranstaltung ging es um die Programmierung von Kleincomputern – eine Nische, die auf großes Interesse stieß. Deshalb soll es unregelmäßig weitere solche Veranstaltungen geben.

Am 22. April findet das nächste Repair-Café in der Luke statt

Auch im Repair-Café der Luke wird es allmählich eng. Einen Platz auf der Couch haben Horst und Marlene Ebinger ergattert. Sie hoffen darauf, dass ihr geliebtes Radio aus den 70er Jahren wieder einen Ton von sich gibt. Vom Angebot sind sie begeistert. Bisher habe sich nämlich niemand im Fachgeschäft so viel Zeit dafür genommen. Heute kann ihnen aber Henry Conrad auch nicht helfen. „Wir müssen ein Ersatzteil bestellen“, sagt er. Das Radio bleibt erst einmal hier. Das Ehepaar aus Poppenweiler kommt am Samstag, 22. April, zum nächsten Repair-Café wieder.

Ludwigsburg: Im Repair-Café im Mehrgenerationenhaus in der Weichselstraße 10-14 reparieren Ehrenamtliche wieder am Dienstag, 25. April, von 14 bis 17 Uhr.

Besigheim:
In der Zukunftswerkstatt, Weinstraße 11, werden am Samstag, 22. April, von 14 bis 17 Uhr Geräte repariert – nach Anmeldung unter 0152 / 23 14 29 52 oder Mail an reparatur@zwbes.de.

Ditzingen:
Das Repair-Café ist hier ein Bürgermentorenprojekt. Der nächste Termin ist am Donnerstag, 11. Mai, von 16 bis 20 Uhr in der Konrad-Kocher-Schule, Gottfried-Keller-Straße 40-44.

Gerlingen : Am Samstag, 22. April, wird in der Aula der Pestalozzi-Schule im Schulzentrum in der Hasenbergstraße 16 von 11 bis 15 Uhr zum Reparieren auch Kaffee getrunken.

Marbach: Im Familienzentrum in der Marktstraße 6 wird das nächste Mal am Samstag, 20. Mai, von 9 bis 13 Uhr getüftelt. Eine Anmeldung wird erbeten, per Mail an repaircafé@elternforum-marbach.de.

Tamm: Am Montag, 8. Mai, helfen Ehrenamtliche in der Kelter am Kirchplatz 4 von 16 bis 19 Uhr. Anmeldebögen gibt es vor Ort.