Interview mit einem Antifa-Aktivisten „Jegliche Protestform ist legitim“

Von kew 

Am Samstag wird es in Göppingen wieder eine Antinazidemo geben. Ein Aktivist erklärt, warum Antifaschisten und Bereitschaftspolizisten aneinandergeraten könnten.

Gegendemonstranten versuchen beim Göppinger Naziaufmarsch im Oktober 2012 eine Polizeisperre zu durchbrechen. Foto: Max Kovalenko/PPF
Gegendemonstranten versuchen beim Göppinger Naziaufmarsch im Oktober 2012 eine Polizeisperre zu durchbrechen.Foto: Max Kovalenko/PPF
Göppingen – - In den vergangenen Jahren hat am zweiten Oktobersamstag Ausnahmezustand in Göppingen geherrscht. 150 Neonazis marschierten durch die Innenstadt, 2000 Polizisten sperrten die Strecke ab, auf der anderen Seite standen mehrere tausend Gegendemonstranten, darunter auch 500 gewaltbereite Autonome. Mittlerweile scheint die regionale Naziszene zerschlagen. Gegendemonstrationen gibt es trotzdem. Man wolle dran bleiben, sagt der Antifa-Aktivist Sven Hoffmann. Gewalt hält er beim Kampf gegen Rechts für ein legitimes Mittel. Wenn die Polizei dabei im Weg steht, habe sie eben Pech gehabt. Wie kommt ein junger Mann zu der Auffassung, dass man sich im politischen Kampf über Gesetze hinwegsetzen darf?
Herr Hoffmann, die große Frage in diesen Tagen lautet: Kommen die Nazis an diesem Samstag wieder nach Göppingen oder kommen sie nicht?
Wir haben unsere Fühler immer und überall ausgestreckt. Tatsächlich sieht es momentan so aus, als würde hier zumindest keine größere Geschichte stattfinden. Handfeste Erkenntnisse für eine Nazi-Kundgebung oder eine Nazi-Demonstration liegen uns nicht vor.
Was ist von den Göppinger Neonazis, den Autonomen Nationalisten, überhaupt übrig geblieben, seit ihre vier führenden Köpfe im vergangenen Februar verhaftet worden sind?
Wir erleben einerseits eine Verlagerung in den Raum Esslingen. Leute, die aus dem Göppinger Umland stammen, betreiben jetzt rund um Esslingen Hetze gegen Flüchtlinge und machen dort Spontankundgebungen. Andererseits gibt es eine strukturelle Umorientierung. Bisher gab es eine enge Verknüpfung zur Dortmunder Szene. . .
. . . einer der Göppinger Verhafteten war baden-württembergischer Landesvorsitzender der in Dortmund gegründeten Partei Die Rechte.
Richtig. Inzwischen ist aber eine Anlehnung an die bayerische Kameradschaftsbewegung zu beobachten. Das waren auch diejenigen, die am 30. August am Göppinger Bahnhof die bisher letzte Kundgebung organisiert haben.
Wie kommt es eigentlich, dass ausgerechnet Sie oft so gut über Neonaziumtriebe Bescheid wissen? Sie befinden sich ja auf der entgegen gesetzten Seite des politischen Spektrums.
Wir wissen Bescheid, weil wir uns informieren. Aber wenn Sie sagen, wir würden uns am anderen Ende des politischen Spektrums bewegen, dann muss ich Ihnen widersprechen. Das ist ja das, was hier in Göppingen immer wieder an politischer Landschaft skizziert wird, um letztlich dem antifaschistischen Protest die Legitimation abzusprechen. Es heißt: Da sind die einen, da die anderen. Die schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein. Und wir hier in der politischen Mitte haben den Überblick.
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Antifa oder Neonazi: für mich ein und dasselbe, beide Gruppen lehnen demokratische Vielfalt ab und desavouieren sich somit selbst. Ich kann über beide Gruppen nur schmunzeln

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